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Polizei kontrolliert ab heute verstärkt: Heftige Kritik am hessischen Blitzermarathon

Von Die Polizei ist heute in ganz Hessen aktiv, um Raser zu erwischen. Die Gewerkschaft der Polizei hält den Aktionstag für verzichtbar. Auch Automobilclubs und Politiker kritisieren die Initiative gegen schnelles Fahren.
Blitzermarathon in Hessen gestartet. Foto: Rolf Vennenbernd/Archiv Blitzermarathon in Hessen gestartet. Foto: Rolf Vennenbernd/Archiv
Frankfurt.  Die Polizei in Hessen nimmt heute bei einer großen Blitzer-Aktion wieder Temposünder ins Visier. Zwischen 6 und 22 Uhr gibt es Geschwindigkeitskontrollen an 324 Messstellen im Land. Die Polizei Hessen und die teilnehmenden Kommunen beteiligen sich dabei an einem europaweiten Verkehrsaktionstag namens „Blitzermarathon“. Damit soll auf die Gefahren zu schnellen Fahrens hingewiesen werden.
ARCHIV - Ein rotes Blitzlicht löst am 21.04.2016 in Hamburg in einem Blitzerfahrzeug aus.   (zu dpa «Blitzermarathon mit über 300 Messstellen in Hessen - Kritik vom ADAC» vom 14.04.2017) Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Am Mittwoch folgt ein weiterer „Blitzermarathon“ Rote Blitze über Hessen

Autofahrer sollten am 19. April aufmerksam auf den Tacho schauen. Denn dann nimmt die Polizei auch in Hessen wieder Tempokontrollen vor. Der ADAC bezweifelt den Nutzen der Aktion.

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Doch diese Aktion kommt nicht überall gut an. „Es ist eine Schaufensterveranstaltung der Landespolitik, die nicht viel bringt“, sagt Andreas Grün, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Hessen. Für ihn steht aber fest, dass die Polizei „messen muss“. Dies sollte aber nachhaltig geschehen und nicht an einem Tag im Jahr. Und dass auch noch die Messstellen angekündigt werden, sei überhaupt keine gute Idee, so Grün. Die Polizei hat vorab mitgeteilt, wo sie steht (siehe unseren Hinweis). Für Gewerkschaftschef Grün wäre das Land besser beraten, wenn es mehr Stellen bei der Verkehrspolizei einrichtete, statt beim „Blitzermarathon“ für einen Tag für viele Überstunden bei den Polizisten zu sorgen.

„Aktion ohne Wirkung“

Guido Rehr ist Sprecher der hessischen Polizei für die Verkehrsaktion. Für ihn steht das „hehre Ziel“ der Aktion im Mittelpunkt. „Wir wollen Verkehrstote verhindern“, sagt er und macht dabei darauf aufmerksam, dass es im vergangenen Jahr in Hessen 231 Verkehrstote gegeben habe. „Davon sind ein Drittel auf Grund der eigenen Raserei oder der Raserei von anderen gestorben“, erklärte Rehr. Am Blitzermarathon sind nach Rehrs Angaben 757 Polizisten und Ordnungskräfte der Kommunen beteiligt.

Mit den „hehren Zielen“ der Aktion kann sich der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, Wolfgang Greilich, dagegen nicht anfreunden. Es sei nicht zu erkennen, welchen Sinn die Aktion haben solle, kritisiert Greilich. Stattdessen würden die ohnehin durch die derzeitige Sicherheitslage massiv in Anspruch genommenen Polizisten zusätzlich belastet, um „eine medienwirksam in Szene gesetzte Schaufensteraktion“ ohne Wirkung für die Verkehrssicherheit durchzuführen. In der derzeitigen Situation sei es schlicht unverantwortlich, für den Blitzermarathon über 750 Beamte an über 300 Messstellen einzusetzen.

Der ADAC Hessen-Thüringen findet es lobenswert, wenn Verkehrsteilnehmer sensibilisiert werden, zweifelt jedoch gleichzeitig an der Nachhaltigkeit: „Da solche öffentlichkeitswirksamen Kontrollen nur einmal jährlich stattfinden, droht der Effekt schnell zu verpuffen“, so Oliver Reidegeld vom ADAC in Frankfurt.

In die gleiche Kerbe schlägt Michael Haberland, Präsident des Automobilclubs Mobil in Deutschland. Er sieht durch die Aktion sogar die Sicherheit in Deutschland gefährdet: „Der Blitzermarathon ist gerade jetzt extrem fragwürdig und unsinnig. Wir befinden uns hier in Deutschland, aber auch in Europa in einer sehr angespannten und unsicheren Situation. Wir lesen fast täglich von Explosionen, Messerattacken oder Lkw-Entführungen und sind selbst vor Anschlägen nicht gefeit. Unsere Polizei leistet derzeit Schwerstarbeit und wird dann noch mit einer Blitz-Offensive bestraft.“ Es sei nicht auszudenken, wenn an diesem Tag etwas passieren würde und das jeweilige Bundesland zu wenig Polizei zur Verfügung hätte, weil die Einsatzkräfte auf den Straßen Geschwindigkeitskontrollen durchführten, so Haberland.

Messung abgesagt

Doch am Blitzermarathon beteiligen sich längst nicht alle Bundesländer. Mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Berlin, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern haben 9 der 16 Länder ihre Teilnahme abgesagt.

Unterdessen erklärte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU), dass das Land im vergangenen Jahr Bußgelder in Höhe von fast 17 Millionen Euro eingenommen habe. Beim letzten sogenannten Blitzermarathon vor einem Jahr habe die Polizei landesweit das Tempo von etwa 363 000 Fahrzeugen im Fokus gehabt. Rund 15 000 seien zu schnell gefahren. Darüber hinaus seien 181 Fahrverbote gegen Verkehrssünder verhängt worden.

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