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Die Freundschaft zu Amerika war und ist die Garantie für unsere Demokratie: Helmut Kohls Vermächtnis

Von Nur weil Donald Trump ein schwieriger Zeitgenosse ist, dessen Benehmen zu wünschen übrig lässt, sollte Deutschland seine Bindung an die USA nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.
Michail Gorbatschows untergehendes Sowjetreich war wichtig für die Wiedervereinigung, wichtiger war jedoch die konsequente Bindung an den Westen und vor allem die USA (hier Ex-Präsident Bush, Helmut Kohl und Gorbatschow (v.r.n.l.) im Jahr 2005) vor und während der Wiedervereinigung. Foto: DB Fabrizio Bensch (REUTERS) Michail Gorbatschows untergehendes Sowjetreich war wichtig für die Wiedervereinigung, wichtiger war jedoch die konsequente Bindung an den Westen und vor allem die USA (hier Ex-Präsident Bush, Helmut Kohl und Gorbatschow (v.r.n.l.) im Jahr 2005) vor und während der Wiedervereinigung.

Helmut Kohl hat seine letzte Ruhe gefunden. Der Kanzler, der die Einheit Deutschlands zuwege gebracht hatte, wurde von der Bundesregierung und der politischen Klasse unseres Landes betrauert und vom Großteil der Presse gewürdigt. Bemerkenswert war, dass dabei das politische Vermächtnis Helmut Kohls vielfach zu kurz kam. Denn Helmut Kohl war weit mehr als der Baumeister der Wiedervereinigung. Der Zusammenschluss Deutschlands war nach dem Fall der Mauer im Herbst 1989 und im Folgejahr unvermeidlich.

Vergeblich lamentierte Erich Böhme im „Spiegel“, er wolle nicht „wieder vereinigt werden“. Das kostete ihn seine Position als Chefredakteur. Denn der Herausgeber Rudolf Augstein verstand anders als Böhme die Zeichen der Geschichte und setzte diesen an die Luft. Derweil konnte sich Frankreichs Staatspräsident Mitterrand vor Ort in Ostberlin davon überzeugen, dass kein Weg an Deutschlands Einheit vorbeiführte. Ähnlich erging es Englands eiserner Lady Maggy Thatcher, der ein starkes, geeintes Deutschland nicht passte. Beide Politiker kamen am Willen der hiesigen Bürger zur Einheit nicht vorbei. Allein die verlöschende Sowjetunion besaß faktisch eine Vetomacht. Denn sie hatte knapp eine halbe Million Rotarmisten in der DDR stationiert.

Entscheidender Trumpf

Die bleibende Leistung Kohls bestand darin, den damaligen sowjetischen KP-Chef Michail Gorbatschow davon zu überzeugen, dass ein vereintes Deutschland im Rahmen der Nato und der Europäischen Gemeinschaft die UdSSR nicht bedrohen würde, sondern im Gegenteil, ein wichtiger Partner des Kreml im zukünftigen Europa sein würde. Sein Argument unterstrich Helmut Kohl mit vielen Milliarden D-Mark. Doch der „Bimbes“ hätte keineswegs ausgereicht, Gorbatschow und sein Politbüro zu gewinnen. Der entscheidende Trumpf des Bundeskanzlers im Endspiel um die Wiedervereinigung waren die Vereinigten Staaten – was heute gelegentlich vergessen wird.

Der Zeithistoriker Kohl verstand, dass die USA seit dem Ersten Weltkrieg die entscheidende Weltmacht waren – auch in Europa. Die Vereinigten Staaten entschieden beide Weltkriege. Sie retteten im Kampf gegen Hitler-Deutschland die Freiheit und Demokratie, und ihre GIs – plus Atomwaffen – bewahrten Europas Freiheit und Demokratie nach 1945 gegen die kommunistische Diktatur der Sowjetunion unter Stalin und seiner Nachfolger. Hätte Helmut Kohl nach 1982 nicht den Nato-Doppelbeschluss durchgesetzt, der Moskau zwang, seine Kernwaffenträger gegen Westeuropa abzurüsten, wäre die Sowjetunion in der Folgezeit nicht zusammengebrochen und später der Fall der Berliner Mauer möglich gewesen.

Wichtigster Unterstützer

Auf diese Weise gewann der Bundeskanzler darüber hinaus das Vertrauen Washingtons und des damaligen US-Präsidenten George H. W. Bush. Der amerikanische Politiker wurde schließlich zum wichtigsten Unterstützer und Garanten der deutschen Wiedervereinigung. Präsident Bush wusste, auf Kohl ist Verlass. Deutschland wird eine westliche Demokratie bleiben.

Weniger als drei Jahrzehnte später berufen sich viele auf den Staatsmann Helmut Kohl. Doch die Grundlagen seiner Außen- und Deutschlandpolitik sind nicht mehr so unerschütterlich wie während seiner Amtszeit. Dies zeigte sich deutlich im Vorfeld und während des G 20-Treffens in Hamburg. Ja, Donald Trump ist ein rauer, sprunghafter Patron. Seine Beschimpfungen von Journalisten sind kaum erträglich. Das Ignorieren der Umwelt ebenso. Doch was Trump über die unfairen Handelspraktiken vor allem Chinas sagt, ist durchaus richtig. Unter den Dumpingmethoden Pekings leidet auch die deutsche Wirtschaft zunehmend.

Donald Trump ist der gewählte Präsident der Vereinigten Staaten. Er wird früher oder später aus dem Amt scheiden. Die USA aber werden bestehen bleiben als die wichtigste politische, wirtschaftliche und militärische Macht des Westens. Machen wir uns nichts vor. Die Freiheit Deutschlands und Europas wird weder von Herrn Putin noch vom Genossen Xi Jinping garantiert, sondern nach wie vor von Washington.

Auch ohne Belehrungen der Kanzlerin und der Bundesregierung hat sich Trump zum Freihandel und zu Europa bekannt.

Helmut Kohls Vermächtnis hat bleibenden Wert. Wir sollten, bei aller berechtigten Kritik an Trump, nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und unsere transatlantischen Bindungen lockern. Es wäre zu unserem Schaden.

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