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Brandschutz: Hessens Feuerwehren schlagen Alarm

Wärmeverbundsysteme mit Polystyrolschaum stellen die deutschen Feuerwehren vor enorme Herausforderungen. Ihre Verbände verlangen Verbesserungen.
Ein Mann montiert  eine Styroporplatte zur Wärmedämmung an die Fassade eines Mehrfamilienhauses. Die Feuerwehren fordern neue Regeln für die Dämmung von Fassaden. Foto: Armin Weigel (dpa) Ein Mann montiert eine Styroporplatte zur Wärmedämmung an die Fassade eines Mehrfamilienhauses. Die Feuerwehren fordern neue Regeln für die Dämmung von Fassaden.
Frankfurt. 

Nach den Bränden in London und einem Feuer in Duisburg, für das eine 74 Jahre alte Frau verurteilt wurde, haben die Verbände und die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Feuerwehren ein aktuelles Positionspapier veröffentlicht. Es stellt die Brandsicherheit von Wärmeverbundsystemen an Fassaden mit Polystyrolschaum in Frage. In dem Papier wird darauf hingewiesen, dass seit dem Jahr 2012 über 90 Brände registriert werden mussten, bei denen elf Todesfälle und 124 Verletzte zu beklagen waren. Die Toten, unterstreichen die Brandfachleute, seine „nicht in der Brandwohnung verstorben, sondern in den Wohnungen anderer Geschosse, weil sich das Feuer in hoher Geschwindigkeit „über die Fassade in weitere Geschosse ausgebreitet“ habe.

Reinhard Ries, Chef der Frankfurter Feuerwehr.
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Die Feuerwehren weisen nachdrücklich darauf hin, dass „bei einer Hilfsfrist von zehn Minuten „eine Brandausbreitung auf mehr als zwei Stockwerke nicht zu verhindern“ sei. Das heißt, dass bei solchen Bränden, wie es in Frankfurt und in Duisburg beispielhaft festzustellen war, die Wehren nicht rechtzeitig eingreifen konnten, um Menschenleben zu retten, weil die Flammen sich schneller ausbreiteten, als die Wehren am Unglücksort anrücken konnten.

Neues Prüfverfahren

Mit Nachdruck wird auch darauf hingewiesen, dass entgegen dem „mehrmals erklärten Einspruch der deutschen Feuerwehren und ihrer Verbände“ in einer neuen DIN-Norm ein von außen entstandener Brand in einen neuen Normteil aufgenommen werden soll. Die Fachleute der Feuerwehren weisen jedoch darauf hin, dass in der europäischen Kommission ein einheitliches Prüfverfahren für das Brandverhalten von Fassaden erarbeitet wird. Somit legen die Experten der Feuerwehren größten Wert darauf, dass ein Brand des Sockelgeschosses in der aktuell zu erarbeitenden Din-Norm mit berücksichtigt wird, da zurzeit in diesem Papier nur das Szenario eines Zimmerbrandes berücksichtigt werde.

Die in dieser Norm aktuell vorgesehenen Brandlasten erscheinen den Feuerwehren als zu gering. „Für die Erhaltung unseres Sicherheitsniveaus ist es jedoch wichtig, dass das neue europäische System auch den Brand von außen berücksichtigt“, heißt es in dem Positionspapier. Verwiesen wird auf die Nachbarländer Österreich und Frankreich, wo man sich bereits für ein höheres Sicherheitsniveau entschieden habe. In beiden Länder seien Brandriegel in jedem Geschoss bereits vorgeschrieben.

Alle Untersuchungen hätten nachgewiesen, dass damit ein „entscheidender Gewinn für die Brandsicherheit“ erreicht werde, sagt auch der Frankfurter Branddirektor Reinhard Ries.

Gleichzeitig weisen die Feuerwehrexperten darauf hin, dass auf den Baustellen große Mengen von Dämmmaterial gelagert werden. Dafür seien Brandschutzmaßnahmen bislang nicht vorgeschrieben. Deshalb sagt Ries dazu, dass „der große Brand an der Adickesallee in Frankfurt, bei dem nur deshalb keine Personen zu Schaden kamen, weil das Gebäude noch nicht bezogen war, vermutlich durch eine weggeworfene Zigarettenkippe auf das gestapelte Dämmmaterial ausgelöst wurde. „Wir fordern deshalb wir in unserem Memorandum auch ausdrücklich, dass auf den Baustellen ein genügender Abstand zu Gebäuden einzuhalten ist oder das Dämmmaterial eingehaust werden muss, um solche Brände zu verhindern.“ Ob allerdings diese Vorstellungen umgesetzt werden können, ist unsicher.

Bundeskanzlerin Merkel (CDU) hat zuletzt in einer Rede eine „steuerliche Förderung“ der Wärmedämmung angekündigt. Die Gefahren durch die Dämmung sprach sie nicht an.

Demgegenüber hat der Sprecher des Hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir (Grüne) auf Anfrage dieser Zeitung versichert, dass zwar die Dämmung von Häusern nach wie vor „unerlässlich ist, um die notwendigen Fortschritte in der Energieeffizienz zu erzielen.“ Doch spielten für ihn beim Thema Polystyrol „auch die Brandereignisse der Vergangenheit“ eine Rolle. Deshalb werde Hessen sich in den Gesprächen mit den anderen Bundesländern „dafür einsetzen, dass Sicherheitsaspekte oberste Priorität haben“, sagte er.

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