Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Kandidaturen zur Bundeskanzlerwahl: Immer diese K-Fragen

Von Dass die SPD keine Meisterin in der Disziplin „Kanzlerkandidat-Benennen“ ist, hat sich herumgesprochen. Aktuell aber macht ihr die Union nicht schlecht Konkurrenz – mindestens noch bis Sonntagabend.
Angela Merkel ist seit April 2000 CDU-Vorsitzende und seit November 2005 Bundeskanzlerin. Foto: Bernd von Jutrczenka/Archiv Angela Merkel ist seit April 2000 CDU-Vorsitzende und seit November 2005 Bundeskanzlerin. Foto: Bernd von Jutrczenka/Archiv
Berlin. 

Norbert Röttgen, ausgerechnet. Es war, inmitten all der tief- bis todernsten Polit-Themen in diesem Herbst, eine echte Lachnummer. „She will run for chancellor“ – also: „Sie wird antreten“ – sagte Röttgen dem CNN-Anchorman Frederik Pleitgen in einem Ton, als wüsste er das, wie man so sagt, tausendprozentig. Um dieser Meinung zu sein aber, musste man glauben, dass Röttgen mit Angela Merkel so vertraut ist wie mindestens ihr Ehemann. Und dass sie ihm traut. Und beides ist absolut auszuschließen. Allerspätestens seit sie ihn vor viereinhalb Jahren als Minister feuerte.

Stand heute ist: Angela Merkel geruht der Nation ihren eventuellen Anlauf zur eventuellen vierten Kanzlerschaft selbst mitzuteilen – und zwar, das wiederholt sie seit Monaten, „zum gegebenen Zeitpunkt“. Der, eventuell, am Sonntagabend um 19 Uhr gekommen sein könnte. Und eventuell ist niemand gespannter darauf als – nein, nicht Norbert Röttgen. Sigmar Gabriel. Und Martin Schulz.

Denn eigentlich hat das Abo auf das große Kanzlerkandidaten-Theater ja die SPD. Seit überschlägig schon einem Dutzend Jahren. Davor gab es an einem Januarmorgen 2002 ein Frühstück in der tiefsten Bayern-Provinz, in Wolfratshausen, von dem, sagte der damalige Thüringer Ministerpräsident Bernhard Vogel, allenfalls „zweieinhalb“ der 48 CDU-Präsiden etwas ahnten. Nach dem Frühstück war Edmund Stoiber Kanzlerkandidat, verlor die Wahl, und von Angela Merkel konnte die Welt nun wissen, wer ihr vor lebensprägenden Entscheidungen nicht raten darf.

Ehefrau als Chefberaterin

Sigmar Gabriel hat den Berater-Job an seine Frau vergeben. Außerdem hat er Freunde, mit denen er seit langem schon darüber spricht, ob er Kanzler werden wollen soll oder nicht. Im Sommer sah es so aus, als hätte er sich entschieden. Nach dem knappen Vierteljahr, das seitdem ins Land gegangen ist, aber sieht es so aus, als wüsste Gabriels Gattin genau, weshalb sie ihm, so erzählte er im August, gerne sagt: „Bange machen gilt nicht.“

Wie Gabriel nämlich mit sich hadert und ringt, unüberseh- und -hörbar selbst für chronische Aufmerksamkeitsdefizitäre, schafft Zeit und Raum und Möglichkeiten für andere Bewerber. Und für Genossen, die ihn, mit den politik- und parteiüblichen Mitteln, von einer Kandidatur abhalten wollen. Als Vorsitzender hat er, so ist das in der SPD, den ersten Zugriff.

Ersatz bis Favorit

Stand heute also ist: Gabriel weiß nicht, ob er sich trauen will – er kennt seine Beliebtheitswerte, und die sind, freundlich formuliert, mäßig. Es ist als Ersatz, Alternative, Konkurrent, in bestimmten Parteikreisen auch als Favorit, Martin Schulz inzwischen auf ziemlich offener Bühne.

Dass die beiden sich als Freunde verstehen – als wirkliche, ohne „Partei“ davor –, macht die Aufführung interessanter. Die Dramaturgie indes deutlich verwickelter. Und es öffnet alle möglichen und unmöglichen Spekulations- und Intrigen-Spielräume.

Dass, beispielsweise, Schulz Gabriels Favorit sein soll für die Nachfolge Frank-Walter Steinmeiers, wenn der im Februar vom Auswärtigen Amt nach Schloss Bellevue wechselt: hoch plausibel. Dass aber, wie es die „FAZ“ vermeldete, Schulz dazu von Gabriel als conditio sine qua non die Kanzlerkandidatur gefordert haben soll: maximal mittellogisch. Schulz’ promptes Dementi, hinwiederum, ist so zwingend wie bedeutungslos.

Sicher ist also – fast nichts. Fest steht allein, dass in der SPD eine Angst umgeht, für die Gabriel nur mittelbar verantwortlich ist: Vor allem die Landesvorsitzenden und SPD-Regierungschefs in den Ländern fürchten, im kommenden Jahr noch unter das historische Bundestagswahl-Tief von 2009 zu rutschen. Der Horror hat einen Namen: 23 Prozent.

Nichts zu lachen

Dass Merkel sich nicht erklärte, verschaffte Gabriel Zeit. Aber damit wird es wohl Sonntagabend vorbei sein. Und dann? Bislang will die SPD ihre K-Frage erst im kommenden Jahr beantworten. Das ist gescheit. Aber so gescheit sein wollte man auch schon vor den Wahlen 2009 und 2013. Aber dann wuchs die Nervosität. Und ab da hatten die Genossen endgültig nichts mehr zu lachen.

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse