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Kriminalität: Immer mehr Messerangriffe in Deutschland - Hessen will Waffenverbotszonen

Von Immer öfter kommt es in Deutschland zu Messerangriffen. Das Land Hessen will in Städten und Gemeinden Waffenverbotszonen einrichten. Die Polizei ist skeptisch.
Foto: Matthias Knapp Foto: Matthias Knapp Foto: Matthias Knapp
Frankfurt/Hamburg. 

Die Messerangriffe reißen nicht ab. Gestern Vormittag erstach ein 33-Jähriger Mann aus Niger seine deutsche Ex-Frau und die gemeinsame einjährige Tochter in einem Hamburger U-Bahnhof. Es gibt viele Fälle aus der jüngsten Zeit: Ebenfalls in der Hansestadt traf es einen zwölfjährigen Jungen. Er wurde auf dem Nachhauseweg von der Schule von einem gleichaltrigen Klassenkameraden überfallen, der auch mit einem Messer auf ihn einstach. Der Junge überlebte verletzt. Das Motiv des Täters: Er hatte es auf Handys abgesehen. Und in einer Flüchtlingsunterkunft im mittelhessischen Langgöns stach kürzlich nach einem Streit ein 23-jähriger Asylbewerber auf einen 21-jährigen Mitbewohner ein (siehe Info-Box).

In Hessen registrierte die Polizei im zurückliegenden Jahr knapp 1200 Fälle mit der Tatwaffe „Messer“. Das waren rund 20 Prozent mehr als noch im Jahr 2012. Kriminalitätsforscher Dirk Baier unterscheidet zwei Formen von Messerattacken: Zum einen werden sie von jungen Männern bei Streitereien und Räubereien im öffentlichen Raum begangen. Zum anderen wird das Messer zur Tatwaffe bei familiären Rachefeldzügen. Hier sind auch oft erwachsene Männer die Täter. Sie wollen z.B. die Partnerin bestrafen oder sogar töten, die sie verlassen hat. So wie gestern in Hamburg.

Fallen bestimmte Ethnien bei Messerattacken besonders auf? Baier weist zwar darauf hin, dass das Mitführen eines Messers auch bei vielen deutschstämmigen Jugendlichen zum Männlichkeitsritual gehört, sieht aber durchaus eine Häufung von Taten bei osteuropäischen, südeuropäischen und arabischstämmigen Jugendlichen

Dies wird von der Polizeistatistik bestätigt: Rund 52 Prozent der Tatverdächtigen bei Messerattacken haben die deutsche, sieben Prozent jeweils die türkische und afghanische sowie 5,5 Prozent die syrische und drei Prozent die somalische Staatsbürgerschaft besessen. Für die übrigen Taten sind Menschen aus anderen Nationen verantwortlich. Ausländer sind also gegenüber dem Bevölkerungsanteil deutlich überproportional vertreten.

Zwei junge Frauen legen Blumen und Kerzen für eine 17-Jährige in der Nikolaikirche in Flensburg auf die Stufen vor dem Altar. Das Mädchen war in seiner Wohnung mit einem Messer erstochen worden.
Kriminalität Interview mit Experte zu Messerattacken: „Angst ...

Mit dem Kriminalitätsforscher, Dirk Baier, sprach unser Reporter Dieter Hintermeier über die zunehmende Zahl von Messerattacken in Deutschland und die „Motivation“ der Täter .

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Patrick Liesching, Vorsitzender der Opferorganisation Weißer Ring Hessen, konstatiert, dass bei den Tätern die Hemmschwelle stark gesunken sei. Wenn Raubabsicht das Tatmotiv sei, seien viele schon bei einer relativ kleinen Beute bereit, massive Gewalt, hierzu zählen auch Messer, einzusetzen. Liesching sieht deshalb Anzeichen einer zunehmenden Verrohung der Gesellschaft. Die Täter suchten sich gerne Opfer aus, die weniger abwehrfähig seien.

Um der zunehmenden Gewalt Herr zu werden, arbeitet das hessische Innenministerium zurzeit an einer Rechtsverordnung, die es den Kommunen ermöglichen soll, in eigener Zuständigkeit Waffenverbotszonen einzurichten. Innenminister Peter Beuth (CDU) sieht in Waffenverbotszonen ein nützliches Instrument im Werkzeugkoffer der Ordnungs- und Sicherheitsbehörden. „Es ist dabei von großer Bedeutung, dass die Verantwortungsträger in den Kommunen die Einhaltung eines solchen Verbots durch gezielte Kontrollen und eine starke Präsenz der Ordnungsbehörden dann auch gemeinsam mit der Polizei durchsetzen“, sagt Beuth.

Andreas Grün, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Hessen, sieht aber gerade in der Durchsetzung den heiklen Punkt. Er befürchtet, dass aufgrund des Personalmangels der Polizei nicht effektiv genug kontrolliert werden kann. „Und ohne Kontrollen machen Waffenverbotszonen keinen Sinn“, sagt Grün. Aber dass gegen die zunehmende Gewalt etwas getan werden muss, steht für den Polizei-Gewerkschafter außer Frage.

Weil das Messer bei vielen locker sitzt, muss die Polizei laut Michael Schaich, Sprecher des Innenministers, auch verstärkt daran denken sich selbst zu schützen, Gerade wurden 10 000 Schnittschutzschals und stichsichere Westen für die Polizei beschafft. Seite 2 und 28

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