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Renten in Deutschland: Immer mehr Senioren arbeiten

Mit 74 Jahren noch ein Restaurant betreiben, mit 75 noch in einem Möbelgeschäft arbeiten? Solche Fälle gibt es immer häufiger. Etliche tun das jedoch nicht, weil sie es wollen.
Frankfurt. 

Immer mehr Menschen im Rentenalter sind noch erwerbstätig. Jede neunte Person zwischen 65 und 74 Jahren gehe noch einem Beruf nach, teilte gestern das Statistische Bundesamt mit und beruft sich dabei auf Zahlen des Mikrozensus 2016. Mehr als jeder Dritte ist laut der Daten auf einen Job angewiesen, um finanziell über die Runden zu kommen. Das sind knapp 350 000 Frauen und Männer in Deutschland. Viele arbeiten aber weiter, weil ihnen der Beruf Spaß macht. Der Anteil der Erwerbstätigen in diesem Alter hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.

Jenseits der 65 treten Frauen und Männer im Job meist kürzer. Etwa drei Viertel arbeiten in Teilzeit. „Der Trend wird sich unweigerlich fortsetzen, weil wir immer länger leben“, sagt der Trendforscher Harry Gatterer. Die Not, von der Arbeit leben zu müssen, und die reine Selbstverwirklichung seien zwei Extreme. „In der Mitte befindet sich die große Masse, die tätig sein will und auch Freude daran hat“, sagt Gatterer, der die Geschäfte des Frankfurter Zukunftsinstitutes führt. „Hier geht’s um soziale Kontakte, ein ausgefülltes Leben, Freude an der Tätigkeit.“

Einer von denen, die im Alter noch gern arbeiten, ist der 74 Jahre alte Klaus Sänger. Er steht fünf Mal die Woche in der Küche seines Restaurants in Bad Homburg, das auch seinen Namen trägt. „Was zählt, ist der Spaß an der Arbeit, und den habe ich nach wie vor“, sagt der Wirt und Koch in Personalunion. Ein wenig kürzergetreten sei er. „Ab 70 habe ich die Fünf-Tage-Woche eingeführt.“ An das Thema Aufhören verschwendet er jedoch noch keinen Gedanken. „Viele Gäste sind zu meinen Freunden geworden“, erzählt Sänger. „Die Kommunikation mit ihnen, das ist Leben, mehr Leben, als wenn man daheim sitzt“.

Mit 75 im Möbelhaus

Manfred Sehr ist 75 Jahre alt und arbeitet im Möbelhaus Müller in Görgeshausen bei Montabaur. Seit 60 Jahren ist er in dem Betrieb, seit er dort eine Lehre als Einzelhandelskaufmann angefangen hatte. Im Lauf der Jahre hatte er sich zum Einrichtungsberater hochgearbeitet, war Verkäufer und Dekorateur. Nachdem er mit 65 Jahren in Rente gegangen sei, habe ihn der Juniorchef gefragt, ob er nicht ab und zu in der Wohnabteilung nach dem Rechten schauen könne. „Beim Gucken ist es nicht geblieben“, erzählt Sehr. Nach und nach habe er die ganze Abteilung betreut und sei dabeigeblieben. „Es macht mir nach wie vor Spaß“, erklärt Sehr. Derzeit mache der 75-Jährige zwar nach einer Operation eine Reha, aber er habe ein Angebot zum Weitermachen. „Ich kann mir vorstellen, die Arbeit noch einmal aufzunehmen“, sagt er. „Die Firma möchte es, und ich verstehe mich mit den jungen Leuten dort.“ Außerdem sei es eine schöne Sache, etwas dazuzuverdienen.

Trendforscher Gatterer sieht einen Vorteil darin, dass immer mehr Ältere noch arbeiten. „Der nachhaltige Effekt wird sein, dass sich die Gesamtvitalität in der Gesellschaft erhöhen wird.“ Die Welt sei noch nie so reich an Erfahrung gewesen wie heute, sagt Gatterer. „Die Wirtschaft und Gesellschaft braucht die Weisheit der Alten.“ Zwischen 1990 und 2014 hat sich die Zahl der Menschen ab 65 Jahren bundesweit um rund 5,2 Millionen auf 17,1 Millionen erhöht. In Hessen steig ihr Anteil um fast 40 Prozent.

Enzo Reber, Forschungsbereichsleiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg, führt die Zunahme der Erwerbstätigkeit im Alter auf verschiedene Faktoren zurück. Natürlich gebe es relativ viele Rentner, die auf einen Minijob angewiesen seien. Einer der Hauptgründe für den Anstieg sei aber die Rente mit 67, die sich nun auch in der Statistik festmache.

Aber viele Betriebe versuchten mittlerweile erfolgreich, Arbeitnehmer im Rentenalter zu halten. Im Jahr 2015 habe es rund 175 000 solcher Fälle gegeben, sagt Reber.

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