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Gesundheit: In Hessen werden Hausärzte verzweifelt gesucht

Von Allgemeinmediziner sind in Hessen bald Mangelware. Jetzt will das Land mit dem Projekt „Weiterbildung Allgemeinmedizin“ gegensteuern und junge Ärzte für die Praxen in Stadt und Land begeistern.
Symbolbild Foto: Stephan Jansen/Archiv Symbolbild
Frankfurt. 

Hessen gehen die Land- und Hausärzte aus. Die Zahlen sind auch in der Rhein-Main-Region alarmierend. Alleine in Rüsselsheim könnten derzeit etwa 17 Stellen für niedergelassene Kassenärzte nicht besetzt werden, wie es in einer aktuellen Statistik der Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV Hessen) heißt. Und diese macht deutlich, dass die Not an vielen weiteren Orten groß ist. So sind in der Odenwald-Region aktuell fast 30 Stellen zu besetzen, im Offenbacher Kreisgebiet immerhin noch etwa 22 Stellen. Und zwischen Limburg Usingen sowie der Wetterau besteht Bedarf an zehn Kassenärzten.

Was den ambulanten Ärztemangel noch brisanter macht: Das durchschnittliche Alter der derzeit 3800 praktizierenden hessischen Hausärzte liegt derzeit bei 54 Jahren. Und die Hälfte von ihnen soll nach Schätzungen in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Von daher sei es an der Zeit, hier gegenzusteuern, meint der Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Frankfurter Goethe-Universität, Ferdinand Gerlach. Schließlich dauere die Ausbildung zum Allgemeinmediziner in der Regel etwa 14 Jahre. Die aus dem Berufsleben ausscheidenden Ärzte könnten jedoch nicht problemlos eins zu eins ersetzt werden, sagt Gerlach weiter.

„Ein Hausarzt hat heute eine fast 60-stündige Arbeitswoche. Das passt nicht in die Lebensplanung vieler junger Ärzte“, erklärt der Frankfurter Institutschef. Vor diesem Hintergrund geht er davon aus, dass zwei ausscheidende, „alte“ Ärzte durch drei „junge“ Mediziner ersetzt werden müssen, um den Bedarf nicht nur personell sondern auch effektiv auszugleichen.

Neue Wege eingeschlagen

Und es sind beileibe nicht nur männliche Hausärzte, die in den allgemeinmedizinischen Praxen in Hessen nachrücken. Im Gegenteil: „70 Prozent der Hausärzte werden weiblich sein“, prophezeit Gerlach für die Zukunft. An sich alles andere als ein Problem, aber viele Ärztinnen wollten Teilzeit arbeiten, was den Bedarf erhöhe. Mit dem vom Land geförderten Kompetenzzentrum „Weiterbildung Allgemeinmedizin Hessen“ hat das Land seit dem Jahr 2012 neue Wege eingeschlagen. Diese zeigen laut Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) Wirkung und sind Blaupause für andere Bundesländer geworden. Das Projekt solle die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin fördern und die hausärztliche Versorgung stärken, so Grüttner und Gerlach.

Trainieren für den Notfall

Von diesem Jahr an will das Gesundheitsministerium nun zusätzliche Projekte in der Allgemeinmedizin fördern. Im ersten Projekt („Endlich fertig – und jetzt?“) sollen junge Allgemeinmediziner durch regelmäßige Treffen mit „Gleichgesinnten“ vernetzt und durch Mentoren in den ersten Jahren ihrer Tätigkeit in der Praxis unterstützt werden. Gefördert wird die Initiative durch die KV Hessen und dem Hausärzteverband. „Spezialtage“ heißt das zweite Projekt. Ärzte in Weiterbildung werden hier durch ein Notfall-Training in Kooperation mit dem Simulationszentrum des Frankfurter Instituts für Notfallmedizin auf Notfälle vorbereitet. Beim dritten Projekt geht es um die Vernetzung ländlicher Regionen mit jungen Ärzten, die sich in der Weiterbildung befinden. Die Mediziner sollen hierbei für die ländliche Tätigkeit motiviert werden.

Dazu werden aufgrund von Recherchen der Bedarf erfasst und daraus spezielle Angebote für die Mediziner in unterversorgten Regionen („Landtage“) entwickelt. Im Projekt vier soll schließlich ermittelt werden, inwieweit das Programm modifiziert werden muss, um noch mehr Allgemeinmediziner in ihrem Beruf zu qualifizieren. Das Kompetenzzentrum betreut mittlerweile 31 „Weiterbildungsverbünde“, um in Hessen eine Weiterbildung im Verbund zu ermöglichen. Landesweit nehmen 175 Ärztinnen und Ärzte an dem Programm teil. Zentrale Anlaufstellen des Kompetenzzentrums ist neben der Uni Frankfurt auch die Phillips-Universität in Marburg.

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