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Salami-Taktik bei den Eiern: Informationen sickerten aus Belgien erst langsam durch

Noch ist unklar, wie viele Millionen Eier und daraus hergestellte Produkte mit Fipronil belastet sind. Der Schaden ist immens. Nun wurde bekannt: Die belgischen Behörden schwiegen wochenlang. Manche halten die derzeitigen Reaktionen aber auch für übertrieben.
Ein Mitarbeiter vom Chemischen Veterinäruntersuchungsamt verquirlt in Münster eine aufgeschlagene Eimasse. Vor dem mit Insektizid Fipronil belasteten Eiern wird inzwischen in elf Bundesländern gewarnt. Foto: Guido Kirchner (dpa) Ein Mitarbeiter vom Chemischen Veterinäruntersuchungsamt verquirlt in Münster eine aufgeschlagene Eimasse. Vor dem mit Insektizid Fipronil belasteten Eiern wird inzwischen in elf Bundesländern gewarnt.
Berlin. 

Es hat schon vor Wochen angefangen: Der Skandal um mit dem Insektengift Fipronil belastete Eier und daraus hergestellte Produkte weitet sich aus. Aus Belgien wurde am Wochenende bekannt, dass die dortigen Behörden schon seit Anfang Juni die giftige Substanz in Geflügelbetrieben vermuteten – Wochen, bevor sie andere EU-Länder informierten. Erst am 20. Juli meldeten die belgischen Behörden dann EU-weit, dass das Gift auf Geflügelhöfen im Land nachgewiesen wurde. Man habe die Staatsanwaltschaft ermitteln lassen und erst Informationen über die Dimension des Problems sammeln wollen, hieß es zur Begründung.

Diese Salami-Taktik bei der Kommunikation stößt auf große Kritik. Der Sprecher von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), Jens Urban, erklärte dagegen, der Minister „hätte erwartet, dass die Behörden in Belgien zeitnah und umfassend informieren“.

Auch Salate betroffen

Etliche Millionen Eier, die nach Deutschland gelangten, wurden seit Ende der vergangenen Woche bereits aus den Supermarktregalen geholt und vernichtet. Es gibt nun auch erste Rückrufe für Produkte mit verarbeiteten Eiern. Betroffen sind Salate eines Lübecker Unternehmens. Auch bei anderen Lebensmitteln wie etwa Mayonnaise oder Eierlikör dürften Rückstände zu finden sein, nehmen Experten an. Prüflabore arbeiten auf Hochtouren. Mit weiteren Warnungen in den nächsten Tagen muss also gerechnet werden.

Doch es gibt auch Kritik an einer möglicherweise vorschnellen Reaktion. Baden-Württembergs Agrarminister Peter Hauk (CDU) hat den Lebensmitteldiscounter Aldi dafür kritisiert, dass er deutschlandweit sämtliche Eier aus dem Verkauf genommen hat. „Aus Sicht unserer heimischen Landwirtschaft, die redlich einwandfreie Eier produziert, ist der Schritt wohl eher nicht nachvollziehbar“, sagte Hauk in der „Stuttgarter Zeitung“ vom Samstag. „Für den einen oder anderen Bauern könnte das die Existenz bedrohen“.

„Hysterie-Gesellschaft“

Auch der Beauftragte für agrarsoziale Fragen der Evangelischen Kirche in Deutschland, Clemens Dirscherl, hat die Vernichtung von Eiern im Fipronil-Skandal kritisiert. Dies sei angesichts der deutlich unter den gesundheitlich bedenklichen Schwellen liegenden Insektizidwerte „Blödsinn und ethisch nicht vertretbar“, sagte er am Samstag im baden-württembergischen Ingelfingen bei Heilbronn. Die derzeitigen Reaktionen seien „typisch für unsere egomanische Hysterie-Gesellschaft“.

Dirscherl rät den Verbrauchern: „Weiter Eier verzehren.“ Allerdings müssten die Hühnerhaltungen strenger kontrolliert werden und Rechtsüberschreitungen konsequent bestraft werden. Was geschehen sei, die Kontamination von Eiern mit nicht zugelassenen Desinfektionsmittel-Zusätzen, sei eine „eigentlich kriminelle Handlung“. „Das faktische Gefährdungspotenzial geht Richtung Null – das gefühlte scheint lebensbedrohlich“, sagte Dirscherl zur aktuellen Stimmung in Medien und Bevölkerung.

Derzeit wird angenommen, dass ein belgischer Hersteller einem gängigen Reinigungsmittel verbotenerweise Fipronil beimengte und die Mischung an Betriebe in Belgien, den Niederlanden und Deutschland verkaufte. In den Niederlanden wurden am Wochenende 14 weitere Identifizierungscodes belasteter Eier veröffentlicht. Insgesamt lag die Zahl gelisteter Kennzeichnungen am Sonntag bei 170. Die neuen Codes seien die von Betrieben, die keine registrierten Kunden des Fipronil-Gemisch-Anbieters waren, aber dennoch Geschäftsbeziehungen zu ihm unterhielten, hieß es von der Kontrollbehörde NVWA.

dfg f dgh tg

(dpa,epd)
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