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Landesschulsprecher über Baustellen im wörtlichen und übertragenen Sinn: Interview mit Fabian Pflume: „Keine gute Note für die Landesregierung“

Der Kultusminister rühmt sich zum Schulanfang mit neu geschaffenen Lehrerstellen. Im Bund werben die Wahlkämpfer mit Bildungsversprechen. Landesschulsprecher Fabian Pflume hat David Rouhani erzählt, wo die Schüler noch Bedarf sehen.
Landesschulsprecher Fabian Pflume findet nur die Versprechungen fantastisch, die Umsetzung eher nicht. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Landesschulsprecher Fabian Pflume findet nur die Versprechungen fantastisch, die Umsetzung eher nicht.

Es ist Bundestagswahlkampf und alle Parteien übertrumpfen sich gegenseitig mit Versprechen für bessere Bildung. Die FDP spricht sogar von einem „Mondfahrtprojekt“ für die weltbeste Bildung. Was sagen Sie dazu?

FABIAN PFLUME: Die Versprechen klingen immer fantastisch. Was bisher für die Schulen getan wird, ist allerdings echt peinlich.

Was genau ist peinlich?

PFLUME: Die fünf Milliarden zum Beispiel, die Bundesbildungsministerin Wanka für die Digitalisierung versprochen hat, sind ja bis heute nicht geflossen, dabei ist das eines der wichtigsten Themen für uns.

Wie sollten die Schulen denn mit diesem Prozess umgehen?

PFLUME: Die Schule soll ja auf das Leben vorbereiten. Und unser Leben wird künftig von der Digitalisierung geprägt sein. Aber weniger als zehn Prozent der Schüler glauben, dass ihre Lehrer ihnen auf dem Gebiet etwas beibringen können. Dazu kommen so banale Probleme wie fehlende Computer und langsames Internet. Da bräuchte es mehr Geld und Weiterbildungsangebote für Lehrer. Wir werden die Parteien nach der Wahl also beim Wort nehmen, denn es gibt viele Baustellen an unseren Schulen.

Welche Baustellen sind das?

PFLUME: Es gibt Baustellen im wörtlichen Sinn. Bundesweit haben wir einen Investitionsstau von 34 Millionen für die Instandhaltung von Schulen, die teils marode sind.

Das Land Hessen kämpft zudem mit steigenden Schülerzahlen. Dafür wurden alleine dieses Jahr 1700 neue Lehrerstellen geschaffen. Das sind doch gute Nachrichten.

PFLUME: Man hat zwar viele neue Stellen geschaffen, die müssen aber auch besetzt werden. Solange es Unterrichtsausfälle gibt und Lehrer aus dem Ruhestand zurückkehren müssen, ist der Lehrermangel noch nicht überwunden.

Kultusminister Lorz sagte gestern, dass es an den Grundschulen eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent gebe.

PFLUME: Er hat jedoch nicht gesagt, dass an jeder zehnten Grundschule eine Lehrerstelle unbesetzt bleibt. Meine Grundschule hatte nur sechs Lehrer. Wenn dort eine Kraft fehlt, gehen die anderen auf dem Zahnfleisch. Da kann sich die Landesregierung für ihre 100-Prozent-Versorgung nicht feiern. Man muss jetzt den Lehrerberuf attraktiver machen und die Kontingente an den Unis erhöhen. Sonst wird sich das Problem wegen der steigenden Schülerzahlen verschärfen.

Seit der siebten Klasse

Fabian Pflume engagiert sich seit der siebten Klasse für die Anliegen von Schülern, seit zweieinhalb Jahren nun im Landesschülerverband.

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Zu den steigenden Zahlen trägt auch der Anstieg der Zuwanderung bei. Wie gut gelingt die Integration?

PFLUME: Wir müssen vor allem aufhören, Verunsicherung zu schaffen. Allein in Offenbach haben bereits 70 afghanische Schulkinder einen Abschiebebrief erhalten. Wenn ein Kind ständig in der Angst lebt, nach Afghanistan abgeschoben zu werden, kann Integration nicht gelingen. Deshalb muss die Abschiebung gestoppt werden.

Was kann das Land denn überhaupt tun, wenn die Bundesregierung den Abschiebeprozess vorgibt?

PFLUME: Einige rot-grüne Bundesländer verweigern ja die Abschiebung nach Afghanistan. Ich bin schon enttäuscht von den Grünen, die das ja blockieren könnten.

Wie sinnvoll sind ambitionierte Vorhaben wie die Ganztagsbetreuung angesichts solcher Engpässe?

PFLUME: Uns schwebt da sogar noch mehr vor als „Der Pakt für den Nachmittag“ des Kultusministeriums, der ja nur eine Nachmittagsbetreuung ist und auch noch Geld kostet. Wir fordern sogenannte rhythmisierte Ganztagsschulen.

Wie muss man sich das vorstellen?

PFLUME: Das sind Schulen, wo sich Unterricht und Freizeit abwechseln. In Hessen gibt es davon nur eine Handvoll, obwohl Schüler dort entspannter lernen und solche Schulen zu einer besseren Chancengleichheit beitragen.

Chancengleichheit ist ein großes Wort. Inwiefern helfen da Ganztagsschulen?

PFLUME: Hausaufgaben werden dort beispielsweise in Betreuung von professionellen Pädagogen begleitet. Da spielt es keine Rolle mehr, ob die Eltern sich Nachhilfe leisten können oder ob man kluge Geschwister hat. Hessen bittet stattdessen die Eltern zur Kasse. Die Landesregierung hat sich in dieser Hinsicht keine gute Note verdient.

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