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2008 traf der Jurist Oliver Strank auf den späteren US-Präsidenten: Interview mit Oliver Strank: „Obama gibt mir bis heute Kraft“

Von Der Jurist Oliver Strank (37) war von seiner Begegnung mit Barack Obama so beeindruckt, dass er beschloss, in die Politik einzusteigen. 2017 tritt er für die Frankfurter SPD als Bundestagskandidat an. Uns hat er erzählt, was ihn an Obama bis heute fasziniert.
Oliver Strank (im roten Poloshirt) erlebte Barack Obama bei dessen Berlin-Besuch im Jahr 2008 aus nächster Nähe. Foto: PAUL J. RICHARDS (AFP) Oliver Strank (im roten Poloshirt) erlebte Barack Obama bei dessen Berlin-Besuch im Jahr 2008 aus nächster Nähe.

Herr Strank, wie kam es, dass Sie Barack Obama 2008 aus nächster Nähe begegneten?

OLIVER STRANK: Damals war ich noch Doktorand in Oxford. Ich musste eigentlich zu einer Konferenz nach München, bin dann extra in Berlin zwischengelandet, um mir seine Rede anzuschauen. Als ich vor der Siegessäule stand, war im Umkreis von 300 Metern alles abgesperrt, dann wurden plötzlich die Schranken geöffnet und ich bin einfach durchgerannt. Auf einmal stand ich direkt vor dem Rednerpult. Hinter mir die restlichen 200 000 Leute.

Oliver Strank heute Bild-Zoom Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA
Oliver Strank heute

Was war das für ein Gefühl, dem späteren US-Präsidenten so nah zu sein?

STRANK: Das war ein echter Schlüsselmoment für mich. Ich habe Obama auch die Hand gegeben. Dieses Erlebnis hat mich sehr inspiriert und auch motiviert, selbst Politik zu machen. Kurz danach bin ich der SPD beigetreten. Ich hatte mir das schon länger überlegt, auch weil junge Leute etwas bewegen können. Obamas Auftritt gibt mir bis heute Kraft, auch für meine jetzige Kandidatur. Er ist mein politischer Fixstern. Meine Freunde nennen mich manchmal scherzhaft ’Olliebama’.

Was schätzen Sie besonders an Barack Obama?

STRANK: Mich faszinieren sein rhetorisches Talent, seine Leidenschaft und seine Authentizität. Ebenso seine Gabe, Ziele mit Weitblick, Fingerspitzengefühl und großer Disziplin zu verfolgen. Sogar aus Schmutzkampagnen konnte er etwas Konstruktives gestalten. Mit dieser Mischung und seinem Humor stand er für mich stets für Aufbruch und Erneuerung.

Ein letztes Mal in Berlin, diesmal ohne Fans und ohne Jubel

Welcher Kontrast! Als Barack Obama zum ersten Mal nach Berlin kam, war Sommer, und der junge, smarte, lässige Kerl aus Chicago verwandelte die Straßen rund um die Siegessäule in eine riesige Open-Air-Party.

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War er auch ein guter Präsident?

STRANK: Ich glaube, dass Obama im Rückblick als ein guter Präsident in die Geschichte eingehen wird. Er stand für den Ansatz, dass wir globale Probleme international und solidarisch lösen müssen. Insofern ist er das genaue Gegenteil zu Trump. Er hat stets versucht, gegen alle Widerstände Sachen anzupacken, an denen viele seiner Vorgänger gescheitert sind. Die Einigung mit Iran und Kuba sowie die Gesundheitsversicherung Obamacare halte ich für Meilensteine. Diese Einstellung, sich nicht zu sehr ins politische Klein-Klein ziehen zu lassen, sondern nach Antworten zu suchen, ist bemerkenswert.

Was war sein Erfolgsrezept?

STRANK: Ich glaube, dass er als Politiker so erfolgreich war, weil er eine sehr komplexe Persönlichkeit ist und fähig ist, sich in die Lebens-Situation anderer hineinzuversetzen. Obama hat den Aufstieg aus eigener Kraft geschafft und ist sich stets treu geblieben.

Wäre auch Michelle Obama eine geeignete Präsidentin?

STRANK: Ich würde schon sagen, dass sie eine geeignete Kandidatin für die Wahlen im Jahr 2020 wäre, auch wenn dadurch erneut eine politische Dynastie entstehen würde. Auch sie hat diese Mischung aus Authentizität und Charisma.

Nun ist aber erst mal Donald Trump am Zug. Was bedeutet das für die USA und Europa?

STRANK: Sicher könnte Trumps Sieg ein Erdrutsch mit langfristigen Folgen für die Weltpolitik sein. Das macht sich nicht von einem auf den anderen Tag bemerkbar. Doch sicher verschiebt sich das weltpolitische Machtgefüge. Umso wichtiger ist es jetzt, dass Europa stärker und mit geeinter Stimme spricht, auch in sicherheitspolitischen Fragen. Für Europa steckt eine Chance darin, sich auf unser Wunder eines 70-jährigen Friedens zu besinnen.

Ein Wegbereiter für Trump?

Für Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels ist klar: „Durch die Verleihung des Friedensnobelpreises wurde Obama sehr rasch in seinem Handlungsspielraum eingeschränkt.

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