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Brände in Israel: Israel erhält unverhoffte Hilfe

Von Tagelang haben Großbrände ganze Landstriche in Israel unsicher gemacht. Die Polizei geht in 30 bis 40 Fällen von Brandstiftung aus. Und doch gibt es Zeichen der Hoffnung.
Israelische Feuerwehrleute im Einsatz: Sie versuchen, einen Brand in Nataf bei Jerusalem zu löschen. Foto: Abir Sultan (EPA) Israelische Feuerwehrleute im Einsatz: Sie versuchen, einen Brand in Nataf bei Jerusalem zu löschen.
Tel Aviv. 

In Israel herrscht in Folge der Brandanschläge eine Stimmung der Niedergeschlagenheit, die jedoch von einem Strahl Zuversicht aufgehellt wird. Die Serie der verheerenden Feuer war zunächst auf die selbst für Israel extreme Trockenheit und Herbststürme zurückgeführt worden. Doch nach wenigen Tagen ließ sich nicht verleugnen, dass zumindest ein Teil der Brände gelegt worden war. Auf Twitter brüstete sich eine arabische Gruppe unter #Israelisburning“ („Israel brennt“) mit den Verlusten im jüdischen Staat. Andere Tweets sahen die Feuersbrünste als Rache „an den Feinden des Islam“ beziehungsweise als „Gottes Zorn gegen die Juden“.

Die Polizei geht in 30 bis 40 Fällen von Brandstiftung aus. Es würden 90 Feuer in Israel untersucht, berichtete das israelische Radio gestern unter Verweis auf einen leitenden Polizisten.

Die Brände hatten auch auf Großstädte übergegriffen. In der Hafenstadt Haifa mussten zeitweilig 75 000 Menschen ihre Häuser verlassen. In und um Jerusalem brachen Feuer aus, ebenso auf dem flachen Land und in Dörfern. Besonders schmerzlich für die Israelis waren ausgedehnte Waldbrände. In wenigen Stunden vernichteten die Feuer große Teile des seit 90 Jahren betriebenen Aufforstungsprogramms des Israelischen Nationalfonds. Daneben wurden fast 2000 Wohnungen und Häuser zerstört. Der Schaden beträgt nach ersten Schätzungen etwa eine halbe Milliarde Euro.

Flugzeug aus Russland

Doch mitten in der größten Not erfuhr Israel Unterstützung. Sie gibt Anlass zum Optimismus. Es war damit zu rechnen, dass die Vereinigten Staaten und Deutschland trotz gelegentlicher politischer Differenzen Israel in der Not beistehen würden. Die beiden Länder sind heute Israels engste Freunde. Die USA sandten unverzüglich ihren „Supertanker“, das größte Feuerlöschflugzeug der Welt.

Da wollte Russland nicht nachstehen. Moskau mobilisierte ebenfalls eine riesige Feuerbekämpfungsmaschine. Präsident Putin ist keineswegs Israel-Fan. Doch im Gegensatz zur einstigen sowjetischen Führung hat Putin begriffen, dass Moskaus Position in Nahost auch von seinem Verhältnis zu Jerusalem abhängt.

Die Regionalmacht Griechenland beeilte sich ebenfalls, Israel mit Löschflugzeugen beizuspringen. Die Sympathien des Linkssozialisten Alexis Tsipras liegen auf arabischer Seite. Doch er versucht, mit Israel ein Gegengewicht zur rivalisierenden Türkei aufzubauen.

Doch auch die Türkei zögerte nicht, Israel bei der Bekämpfung der Großfeuer tatkräftig zu unterstützen – was vor einem halben Jahr noch als unmöglich gegolten hätte. Aber nachdem Israel sich für die Kaperung des Gaza-Unterstützungsschiffes Mavi Marmara im Jahr 2010 entschuldigt und die Angehörigen der Opfer entschädigt hatte, suchte Präsident Erdogan einen Ausgleich mit dem jüdischen Staat. Maßgeblich sind dabei handfeste Interessen. Ankara ist in den syrischen Bürgerkrieg verwickelt und kann sich keine weitere strategische Auseinandersetzung in der Region leisten.

Darüberhinaus ist die aufstrebende Industrienation Türkei dringend auf den Import von Energie angewiesen. Hier kann Israel dank der in den vergangenen Jahren entdeckten riesigen Gasvorkommen vor seiner Küste die Türkei unterstützen. Eine Pipeline von den israelischen Gasquellen zur Türkei ist bereits vereinbart worden. Mit seinem Beistand in der Feuersnot zeigt Erdogan den Israelis, dass er auf sie setzt.

Auch Ägypten versprach Israel Hilfe. Das Regime von Präsident Al Sisi in Kairo stützt sich auf die Armee. Kairo bekämpft die islamistischen Moslembrüder und sucht ein stabiles Verhältnis zum ehemaligen israelischen Feind.

Obdach gewährt

Am überraschendsten für die meisten Israelis war die spontane Hilfe der Palästinenser. Präsident Abbas beorderte acht Löschzüge nach Zion. Die Arbeit der palästinensischen Feuerlöscher wurde in Israel hervorgehoben. Ministerpräsident Netanyahu bedankte sich bei Abbas für dessen Beistand.

Ohne politische Hintergedanken aber halfen viele Palästinenser, indem sie spontan Israelis, die ihre Häuser verloren hatten, Obdach gewährten. Dies wiederum rührte die Menschen im jüdischen Staat an. Die unvermittelte Mitmenschlichkeit ist also bei den meisten größer als die Feindschaft zwischen beiden Völkern. Und die Interessen der meisten stabilitätsorientierten Staaten öffnen ebenfalls neue Optionen zu einem arabisch-israelischen Ausgleich.

„Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist“, wusste Israels Staatsgründer David Ben Gurion. Vielleicht ist die Brandkatastrophe ein erster Schritt auf dem Weg zum Frieden – zumindest zwischen Israelis und Palästinensern. Denn sie zeigt, dass die Menschen auf beiden Seiten trotz unterschiedlicher politischer Standpunkte bereit sind, einander in der Not beizustehen.

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