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Analyse: Israel feiert heute 70. Geburtstag – Staatsgründung nach der Katastrophe

Von Warum sich der jüdische Staat in einer feindseligen Umgebung etablieren konnte.
14.Mai 1948: Israels Ministerpräsident Ben Gurion hat gerade die Dokumente zur Staatsgründung unterzeichnet. Foto: DB (dpa) 14.Mai 1948: Israels Ministerpräsident Ben Gurion hat gerade die Dokumente zur Staatsgründung unterzeichnet.

Israel ist 70. Am 14. Mai 1948 proklamierte David Ben Gurion in Tel Aviv den Staat Israel. Ben Gurion, der erste Ministerpräsident, nannte die Gründung und den Bestand des jüdischen Staates ein „Wunder“. Damit hatte er zweifellos Recht. Denn dass Teile einer Religionsgemeinschaft nach der Zerstörung ihres Heimatlandes und der Flucht in alle Herren Länder nach fast zwei Jahrtausenden wieder in ihr Ursprungsland zurückkehren, ist in der menschlichen Geschichte noch nicht vorgefallen. Doch wie jedes Wunder gibt es auch im Falle Israel nachvollziehbare Erklärungen.

Die Flucht

Im Jahre 70, ein knappes Menschenalter nach der Kreuzigung von Jesus durch die Römer, zerstörten deren Legionen nach einem Aufstand der Juden deren Hauptstadt Jerusalem und dessen religiöses Zentrum, den Tempel. Die Überlebenden flohen, viele nach Rom. Dort und woanders etablierten Jesus’ Jünger und deren Anhänger das Christentum. Andere Juden zogen nordwärts. Nach Deutschland etwa, das noch nicht als Nation bestand. Die Juden blieben hier. Sie nahmen die deutsche Sprache an und schufen aus einem Gemisch des germanischen Wortschatzes mit dem Hebräischen das Jiddisch. Diese Sprache band die Juden fortan an Deutschland.

Die Juden in Europa wurden diskriminiert und verfolgt. Erst die Gleichberechtigung in Folge der Französischen Revolution von 1789 schien ein Ende der Benachteiligung und Unterdrückung mit sich zu bringen. Doch die Judenfeindschaft blieb trotz formaler Emanzipation bestehen. Der Wiener Journalist Theodor Herzl (1860-1904) erlebte dies besonders drastisch. Als Ausweg ersann er den politischen Zionismus: Die verfolgten Juden sollten in ihre biblische Heimat zurückkehren und dort einen „Judenstaat“ gründen, in dem sie endlich Gleichberechtigung genießen sollten. Die einheimischen Araber würden vom Fortschritt durch die jüdische Zuwanderung profitieren.

Heiko Maas erinnert an Deutschlands besondere Verantwortung

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat zum 70. Gründungstag Israels an die besondere Verantwortung Deutschlands im Kampf gegen Rassismus und Judenhass erinnert.

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Die etablierten westeuropäischen Juden lehnten den Zionismus zunächst ab. Sie fühlten sich ihren Heimatländern verbunden. Allein die benachteiligten und armen osteuropäischen Juden begrüßten Herzls Ideen. Einige Mutige wie David Grün wanderten nach Palästina ein. Grün nannte sich fortan Ben Gurion. Er und seine wenigen Mitpioniere bauten ein jüdisches Gemeinwesen auf. Die religiösen Juden in Jerusalem dagegen zeigten wenig Interesse an einem jüdischen Staat. Erst der millionenfache Mord an den europäischen Juden, die Schoah, erwies, dass der Zionismus eine Lösung der Judenfrage bedeuten konnte. Die Vereinten Nationen stimmten für eine Teilung Palästinas in einen jüdischen und arabischen Staat. Die Zionisten stimmten zu. Die Araber dagegen lehnten ab. Unmittelbar nach der Gründung Israels marschierten ihre Armeen in das jüdische Territorium ein. Doch die arabischen Länder verloren diesen Krieg und alle folgenden. Israel blieb bestehen und entwickelte sich in einem atemberaubenden Tempo.

Bei seiner Gründung lebten in Israel 600 000 Juden und 150 000 Araber. Ein Teil der arabischen Bevölkerung wurde vertrieben, andere flohen. Als Reaktion wurden in den arabischen Staaten 800 000 Juden vertrieben. Israel nahm sie auf, ebenso wie die europäischen Überlebenden der Nazi-Konzentrationslager.

High-Tech-Nation

Heute leben in Israel knapp neun Millionen Menschen. Israel ist eine der führenden High-Tech-Nationen der Welt. Bildung und Forschung werden großgeschrieben. Israelische Universitäten und Forschungsstätten genießen einen hervorragenden Ruf. Die israelische Armee gilt als eine der schlagkräftigsten der Welt.

Israel gelangen Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien. Die meisten arabischen Staaten haben sich heute mit Israels Existenz abgefunden. Allein die Palästinenser warten noch auf einen eigenen Staat. Das liegt an der allgegenwärtigen Angst und politischer und religiöser Hetze. Die israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten vertiefen die Feindschaft. Züge eines Kompromisses liegen auf der Hand: Israel zieht sich aus den besetzten Gebieten zurück, die Palästinenser erkennen den jüdischen Staat an und schwören der Gewalt ab.

Der Motor der Feindschaft in Nahost ist heute das radikale schiitische Mullah-Regime in Iran. Sein Ziel ist die Vernichtung Israels und die Unterstützung von Terrorverbänden unter Palästinensern und Arabern in der gesamten Weltgegend. Der Rückzug Amerikas vom Anti-Atom-Deal mit Iran kann durchaus eine Chance zum Frieden sein. Denn der temporäre Verzicht auf Atomwaffen allein hilft nicht weiter. Israel und die meisten seiner Nachbarn, auch die Palästinenser, wollen heute Frieden.

Der jüdische Staat hat sich entgegen allen Befürchtungen etabliert. Israel ist trotz aller Leistungen heute noch unsicher. Aber die Chancen stehen gut für eine Beilegung des Konflikts und für Frieden in der Region. Das wäre ein erneutes Wunder.

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