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Kolumne: Jugendfrei

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Rafael Seligmann Foto: rafael Seligmann Rafael Seligmann

„Meine Tochter Phili ist hochbegabt und liebreizend, doch sie hält in keinem Job durch. Sie kann einfach nicht die Anweisungen ihrer Vorgesetzten sklavisch ausführen“, berichtete mir dieser Tage eine gute Bekannte. Mit dem Nachsatz lieferte sie gleich die Begründung für das Scheitern der jungen Frau. Philippa ist in der Tat eine gutaussehende und charmante Frau. Doch sie hat einen „eigenen Kopf“. Sie ist stur. Menschliches Zusammenleben basiert auf ein auskömmliches Miteinander. Wenn das nicht funktioniert, gibt es Streit, Kränkungen, Zusammenstöße.

In der großen Politik ebenso wie im Alltag. Lediglich Idioten und Menschen mit schwachem Selbstwertgefühl befolgen jede Anweisung, nur weil sie vom Vorgesetzten kommt. Dafür besteht der Ausdruck „Kadavergehorsam“. In größeren Institutionen ebenso wie in kleineren Firmen gibt es zwangsläufig Vorgesetzte. Der Chef oder die Chefin trägt die Verantwortung. Ihr oder ihm prinzipiell zu widersprechen und damit seine Anweisungen zu ignorieren, hat zur Folge, dass jeder Apparat lahm gelegt wird. Das können kein Vorgesetzter und kein Unternehmen dauerhaft gutheißen.

Vernünftig wäre ein Mittelweg. Der Chef gibt seine Anweisungen aus Erfahrung und nach Abstimmung mit seinen Mitarbeitern. Doch nicht jeder Chef handelt entsprechend. Die oder der Vorgesetzte haben auch nicht immer Zeit, jede Anordnung zu beraten – sonst nähmen die Sitzungen kein Ende. Manche Beschlüsse müssen schnell gefällt werden. Ein Chirurg kann schließlich nicht jeden Handgriff zuvor abstimmen.

Die Untergebenen sollen die Anweisungen umsetzen. Haben sie begründete Einwände, sollten sie diese dem Chef oder der Chefin mitteilen. In meinen Jahren als Angestellter habe ich unterschiedliche Vorgesetzte erlebt. Die einen waren für Einwände offen, andere wollten keine Kritik hören. Sie waren überzeugt, kraft ihrer höheren Position stets im Recht zu sein. Bei diesen Menschen sind Einsprüche und neue Argumente sinnlos. Dem Untergebenen bleibt, wenn sie oder er sich nicht verbiegen will, am Ende nichts übrig, als den Arbeitsplatz zu wechseln. Das habe ich einst getan, obgleich mir meine Position als Hochschullehrer gefiel und ich als Beamter unkündbar war. Kurze Zeit später sah auch mein bester Freund keine andere Möglichkeit, als seine Stelle zu kündigen.

In den meisten Fällen sind die Beschlüsse der Chefs durchaus begründet – wenn man sie überdenkt. Dann sollte man sich dies auch eingestehen und die gegebenen Entscheidungen umsetzen. Doch es gibt nicht nur Vorgesetzte, die kritikunfähig sind, sondern auch Untergebene. Ihr Ego erlaubt ihnen nicht, zuzugestehen, dass sie mit ihren Einwänden nicht richtig lagen. Was tun? Man kann einmal sein Arbeitsverhältnis kündigen, dies auch wiederholen. Doch auf Dauer muss man sich damit abfinden, dass man sich mit seinen Vorgesetzten ebenso wie mit seinen Kollegen arrangieren muss. Oder man macht sich selbstständig.

Ich habe mich lange mit Philippa unterhalten. Sie ist wirklich eine intelligente junge Frau mit originellen Ideen und einer enormen Willenskraft. Es ist anregend mit ihr zu sprechen. Doch unser Dasein besteht nicht nur im Reden, sondern vorwiegend im Tun. Und dabei müssen alle zusammenwirken. Wer nur seinen Willen gelten lässt, ignoriert die Interessen der anderen. Jeder sollte seine Mitmenschen und ihre Meinung respektieren. Wer dazu nicht bereit ist, isoliert sich. Wir Älteren sollten das unseren Kindern und Bekannten deutlich machen. Ehe sie schaden nehmen.

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