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Zeitgeist: Keine Angst vor Trollen – aber Liebe für Star Trek

Von Welche Richtung nimmt der Zeitgeist? Trendforscher Matthias Horx, CDU-Politiker Matthias Zimmer und der Wissenschaftler Ulrich Teusch diskutierten über die Zukunft Deutschlands. Dabei wurde eine überraschende Utopie präsentiert.
Matthias Horx. Foto: Gregor Fischer/Archiv Matthias Horx. Foto: Gregor Fischer/Archiv

Professor Ulrich Teusch findet es zu platt, die Menschen in Pessimisten und Optimisten einzuteilen. Doch manchmal ist es doch zutreffend. Wie zum Beispiel am Mittwochabend bei der gut besuchten Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung über die Zukunft Deutschlands.

Und für die saubere Einteilung sorgte Teusch zum guten Teil selbst. Denn er spielte eindeutig die Rolle des Pessimisten, während Zukunftsforscher Matthias Horx den leichtfüßigen Optimist gab.

Auf dem Podium saß mit den beiden Propheten, anders als beim Spruch Goethes, das Weltkind nicht in der Mitte, sondern rechts. CDU-Politiker Matthias Zimmer neigte sich aber klar zur Seite des Optimisten. Denn für ihn ist das Glas der Zukunft eher halb voll als halb leer. „Als Politiker kann ich mich nicht nur sorgen, sondern muss an die Möglichkeit glauben, etwas zu verbessern“, so der Frankfurter Bundestagsabgeordnete.

Das düstere Szenario, das Pessimist Teusch in seinem Statement entwarf, war schon furchterregend. Für ihn ist die Welt von vier großen Ks beherrscht: Konflikte, Krisen, Kriege, Katastrophen. Der Mann hätte zur Selbstcharakterisierung getrost noch ein weiteres K-Wort hinzufügen können: Kassandra. So sah es auch Matthias Horx, der mehr Gelassenheit empfahl und Intellektuellen wie Teusch vorwarf, in der Gedankenwelt der 1970er Jahre steckengeblieben zu sein. Horx ärgerte sich besonders darüber, dass Teusch fast der bipolaren Welt des Kalten Krieges nachzutrauern schien, in der Gut und Böse noch klar getrennt und die Nationalstaaten noch stark und handlungsfähig waren.

Der Zukunftsforscher betonte dagegen die Chancen in der multipolaren Welt und rief die „Glokalisierung“ aus. Die Schwächung des Nationalstaates bedeute für die lokale Ebene neue Entwicklungschancen. „Wir müssen Heimat und Horizont, Flügel und Wurzeln zusammendenken.“ Für die Notwendigkeit das Regionale zu stärken, könne man selbst aus Phänomen wie Separatismus und Trump-Wahl Hinweise bekommen. Horx, der Gründer des Zukunftinstituts mit Sitz in Frankfurt und Wien, erwies sich wieder einmal als kühner Denker. Man müsse sich einfach mal die Zukunft vorstellen, die man wolle, und dann überlegen, wie man dorthin komme. Angstbilder dagegen verstellten laut Horx ähnlich den Blick in die Zukunft wie die norwegischen Trolle.

Als Horx empfahl, die alten Kategorien von rechts und links zu verlassen, erinnert er ein wenig an den schwungvollen Emmanuel Macron, aber auch an dessen Problem: Interessengegensätze kann man nicht eben mal einfach wegzaubern.

Dem Politiker Matthias Zimmer oblag es, Nüchternheit in die Debatte zu bringen. Gemäß Schillers Motto: Leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen. Der von der christlichen Sozialethik beeinflusste Zimmer empfahl der Politik, sich aber nicht nur an Tatsachen sondern auch an Werten auszurichten. „Wenn es uns nicht gelingt, die Globalisierung ordnungspolitisch einzuholen, wird sie alles zerstören, was uns teuer ist“, fürchtet Zimmer und überraschte mit seiner Zukunftsutopie der Weltgemeinschaft von Star Trek. Ein Ball, den Horx als für einen CDU-Politiker „bemerkenswert“ gerne aufnahm, besonders weil sich im jüngsten „Star -Trek-Film“ ein schwules Paar küsse.

Bei soviel Übereinkunft konnte einem Teusch fast leid tun. Zumal er auch noch aus dem Publikum für seine Kassandra-Rolle gescholten wurde. Pessimisten haben es schwer. Doch laut Schopenhauer haben sie gegenüber Optimisten auch einen Vorteil: Sie können eigentlich nie enttäuscht werden.

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