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Kündigung des Klimaabkommens: Kommentar: Trumps schlichte Vorstellung von Politik

Von Die Welt wehrt sich gegen den Mann, der den Bewohnern von Tuvalu, Nauru, Kiribati, Vanuatu, Tokelau, den Fidschis, Malediven, der Salomonen und Bahamas erklärt hat, dass er auf den drohenden Untergang ihrer Inseln pfeift. Ein Kommentar von Cornelie Barthelme.
US-Außenminister Rex Tillerson sieht den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen als „eine politische Entscheidung”. Foto: Lefteris Pitarakis US-Außenminister Rex Tillerson sieht den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen als „eine politische Entscheidung”. Foto: Lefteris Pitarakis

Ja, das ist einer der Momente, in denen man Donald John Trump ausnahmsweise mal gern in seiner eigenen Diktion kommen würde. „You, Mr. President“, möchte man ihm über den Atlantik twittern, „are fucking the climate. And now the world will fuck you.“

Wird sie natürlich nicht. Leider, leider. Und Gott sei Dank. Aber die Welt wehrt sich gegen den Mann, der im idyllischen Rosengarten von Washington den Bewohnern von Tuvalu, Nauru, Kiribati, Vanuatu, Tokelau, den Fidschis, Malediven, der Salomonen und Bahamas erklärt hat, dass er auf den drohenden Untergang ihrer Inseln pfeift. Und es wehren sich, was vielleicht noch wichtiger ist, außer der Welt auch jede Menge US-Amerikaner: Konzernchefs wie Robert Iger von Disney und Elon Musk von Tesla, die Trump die Beratung aufkündigen. Politiker wie der Bürgermeister von Pittsburgh, Bill Peduto, der seine Stadt nicht missbrauchen lassen will. Außerdem jene 70 Prozent aller Bürger, die das Abkommen von Paris einhalten und Amerika nicht auf das Verantwortungs-Level von Syrien und Nicaragua degradiert sehen wollen.

Cornelie Barthelme Bild-Zoom
Cornelie Barthelme

Ja, Donald John Trump hat am Donnerstag, wieder einmal, gelogen, dass die sprichwörtlichen Balken sich bogen. Ja, er hat wieder reine Innenpolitik gemacht, hat die Nationalisten und Isolationisten bedient, die heimische Kohleindustrie und die Leugner des Klimawandels, seine arbeitslosen, ängstlichen und politikverdrossenen Wähler. Und er hat mindestens ein Indiz, wenn nicht den Beweis geliefert, welch’ schlichte Vorstellung von Politik er hat: Er wolle nicht mehr, dass andere Regierungschefs und Staaten sich lustig machten über die USA. Was in Wahrheit heißt: Nehmt mich gefälligst ernst.

Exakt das wird Trump nun erleben, hoffentlich. Er hat alle Gestaltungsmacht aus seinen Händen gegeben; der Rest der Welt ist nun am Zug. Und wenn dieser Rest – der ja gar keiner ist, sondern eine riesige Mehrheit – klug ist und Mut hat dazu, dann wird er: Trump mit seinem Wunsch nach neuen Verhandlungen allein lassen; auf die Wissenschaft hören, die sagt, es sei zwar nicht gut, aber auch keine Katastrophe, wenn Amerika ein paar Jahre lang bockt; den globalen Wettbewerb um die nachhaltigsten Umweltkonzepte intensivieren und dabei die dicken Luftverpester wie China und Indien etwas mehr fordern und die kleinen und armen Staaten etwas mehr fördern.

Und er wird das alles sehr unaufgeregt tun, ohne jede Attitüde von Rechthaberei. Es wird dann, eventuell, nicht allzu lange dauern, bis Donald John Trump auch ohne Tweet in seinem Umgangston merkt, wohin tatsächlich der Mittelfinger zeigt, den er vom Rosengarten aus der Welt entgegengereckt hat. Berichte Seiten 1 und 2

politik@fnp.de

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