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Interview: Konfliktforscher hält Vereinigung der koreanischen Staaten für möglich

Mit dem Korea-Experten der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, Hans-Joachim Schmidt, sprach unser Reporter Dieter Hintermeier über die plötzliche Annäherung der koreanischen Staaten.
Südkoreas Vereinigungsminister und Delegationsleiter Cho Myoung Gyon (rechts) und sein nordkoreanischer Amtskollege Ri Son Gwon geben sich in der Grenzstadt Panmunjom die Hand. Unterhändler aus Süd- und Nordkorea haben die ersten Gespräche zwischen den beiden Ländern seit zwei Jahren begonnen. Foto: - (YNA) Südkoreas Vereinigungsminister und Delegationsleiter Cho Myoung Gyon (rechts) und sein nordkoreanischer Amtskollege Ri Son Gwon geben sich in der Grenzstadt Panmunjom die Hand. Unterhändler aus Süd- und Nordkorea haben die ersten Gespräche zwischen den beiden Ländern seit zwei Jahren begonnen.

Herr Schmidt, kam für Sie das plötzliche Tauwetter zwischen Nord- und Südkorea überraschend?

HANS-JOACHIM SCHMIDT: Nein, schon 2017 gab es nach der Einladung der Nordkoreaner durch den südkoreanischen Präsidenten Moon in seiner Berliner Rede für die Winterolympiade in Pyeongchang früh Signale aus dem Norden, dass man sich eine Teilnahme an den Paralympics im Anschluss an die Winterolympiade durchaus vorstellen könnte. Damit hielt sich Pjöngjang die Option einer Annäherung an Südkorea offen. Seoul sicherte zudem schon früh dem devisenklammen Norden zu, dass man alle notwendigen Kosten einer Teilnahme übernehmen könne.

Hans-Joachim Schmidt, Korea-Experte der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konflikt-forschung. Bild-Zoom Foto: Hsfk
Hans-Joachim Schmidt, Korea-Experte der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konflikt-forschung.

Was hat die Annäherung der beiden Staaten noch befördert?

SCHMIDT: Die kriegerische Rhetorik von US-Präsident Trump förderte ebenfalls die jetzige Wiederannäherung, denn beide Koreas wollen eine militärische Regelung des Nuklearkonfliktes wegen der drohenden unverhältnismäßigen Schäden für ihr jeweiliges Land unbedingt verhindern.

Was musste im Vorfeld alles passieren, damit sich die Fronten nicht weiter verhärteten?

SCHMIDT: Die multinationalen Treffen der olympischen Delegationen boten beide Seiten die Gelegenheit für Kontakte und erste Gespräche. Darüber hinaus erlaubte die neue südkoreanische Regierung auch wieder direkte Kontakte zwischen Nichtregierungsorganisationen und Nordkorea und gewährte mehr humanitäre Hilfe als ihre Vorgängerregierung unter Präsidentin Park.

Waren die USA nur kontraproduktiv?

SCHMIDT: Zu begrüßen ist ausdrücklich, dass die USA kurz vor dem Nord-Süd-Gespräch ihre Bereitschaft erklärt haben, die gemeinsamen Großmanöver mit Südkorea in den April zu verschieben und die Möglichkeit eines direkten Kontaktes zwischen Kim Jong-un und Trump angedeutet haben.

Welche Auswirkungen wird diese „olympische Annäherung“ auf die Politik Nord- und Südkoreas haben?

SCHMIDT: Beide Seiten werden zunächst die jeweils andere Seite testen, was geht und was nicht geht. Darüber hinaus wird es auch sehr wichtig sein, wie sich Nordkorea und die USA nach den olympischen Spielen verhalten. Sollten sie auch weiterhin an einer wechselseitigen militärischen Zurückhaltung festhalten, könnte sich das auf den bilateralen Dialog zwischen Nord und Süd aber auch neue Nuklearverhandlungen der sechs Mächte (USA, China, Japan, Russland, Nord- und Südkorea) sehr positiv auswirken. Kommt es hingegen zu neuen nordkoreanischen Tests von Langstreckenraketen und Atomsprengkörpern und auf amerikanischer Seite zu neuen bilateralen Großmanövern, könnte diese Chance für einen Dialog und Verhandlungen auch schnell wieder verspielt werden.

Hat Nordkorea überhaupt ein Interesse an einer Wiedervereinigung?

SCHMIDT: Nordkorea will weitere UN-Sanktionen, die dem Land inzwischen wehzutun beginnen, vermeiden. Es braucht Zeit für die weitere Miniaturisierung seiner Nuklearsprengkörper und die Entwicklungen eines stabilen Wiedereintrittsbehälters, um seine künftigen verkleinerten Atomsprengköpfe vor der Hitze beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zu schützen. Darüber hinaus will es keine kriegerische Regelung, da sie das Ende des Regimes bedeuten könnte. Das wird auch durch die Reaktivierung der militärischen Hotline unterstrichen.

Sehen Sie Möglichkeiten einer Wiedervereinigung der beiden Länder? Was muss vorab passieren?

SCHMIDT: Die Möglichkeit einer Vereinigung ist nach wie vor gegeben, obwohl sich beide Staaten aufgrund ihrer unterschiedlichen Staatsideologien und langen Teilung mehr und mehr auseinanderleben. Es bedarf dazu einer kooperativen und friedlichen Umgebung in der Region und darüber hinaus.

Haben die „Schutzmächte“ der beiden Länder überhaupt ein Interesse an einer Wiedervereinigung? Wie könnten diese die Einheit befördern?

SCHMIDT: China sagt zwar immer wieder, dass es eine friedliche Vereinigung beider Koreas unterstütze, in Wirklichkeit will Beijing diese Wiedervereinigung verhindern, um ein demokratisches Korea direkt an seiner Grenze und das Näherrücken von US-Stationierungstruppen zu vermeiden. Die USA hingegen würden bei einer Wiedervereinigung sehr wahrscheinlich an Einfluss in Korea gewinnen und dürften eine friedliche Wiedervereinigung unterstützen und begrüßen.

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