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Prof. Rudolf Egg zum Attenat in Dortmund: Kriminalpsychologe : „Das muss man verarbeiten“

Kriminologe Rudolf Egg weist auf psychische Belastung hin. Bilder > Foto: Kriminologische Zentralstelle (Kriminologische Zentralstelle) Kriminologe Rudolf Egg weist auf psychische Belastung hin.
Frankfurt/Wiesbaden. 

Ist ein Fußballprofi überhaupt dazu imstande, keine 24 Stunden nach einem Anschlag auf sein Leben, sein volles sportliches Potenzial abzurufen? „Auch Fußballspieler, und mögen sie noch so hoch dotiert sein, sind ganz normale Menschen“, sagt der Kriminalpsychologe Prof. Rudolf Egg. Während des Anschlags seien die Spieler natürlich verunsichert gewesen und hätten nicht abschätzen können, wie groß die Gefahr für sie tatsächlich ist.

„So ein Schock baut sich nicht sofort ab, das kann Stunden und Tage dauern. Das kommt auf die psychische Konstitution des Einzelnen an“, erläutert Eck. Trotz aller Hilfe von außen müssten die Spieler ihre Erlebnisse letztlich selbst verarbeiten. Der Experte vergleicht dies mit einer schweren Verletzungen, die trotz bester medizinischer Betreuung eine gewisse Zeit benötige, um komplett auszuheilen.

Vor diesem Hintergrund sieht Rudolf Egg die Verlegung der Champions-League-Partie gegen Monaco äußerst kritisch. „Das ist eine enorme Risikoabwägung. Ich weiß nicht, ob man gut beraten ist, das Spiel am Folgetag nachzuholen. Das Wohlbefinden des Einzelnen ist eigentlich wichtiger als das Gewinnen von Spielen“, sagt der Kriminalpsychologe. Solang die Hintergründe der Tat nicht vollends aufgeklärt sind, sei es eigentlich nicht verantwortbar, zum sportlichen Alltag überzugehen.

Dem Terror trotzen

Andererseits weist Egg auf das gesellschaftliche Signal hin, sich von solchen Gewalttaten nicht einschüchtern zu lassen. Er verweist auf das Attentat auf die israelische Olympia-Mannschaft bei den Olympischen Spielen im Jahr 1972. „Den Ausspruch ,The Games must go on’ habe ich damals nicht nachvollziehen können. Ich war sehr betroffen und bin extra nach München gereist, um die Stimmung vor Ort wahrzunehmen. Das war eine sehr eigenartige und bedrückte Atmosphäre“, entsinnt sich Egg.

Ein völlig anders gelagerter Fall sei der Freitod des Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke im November 2009. Damals tat sich Enkes Team Hannover 96 zuerst schwer, um dann im Kollektiv den Klassenerhalt zu stemmen. „Man bezeichnet diese gegenteilige Reaktion als Reaktanz. Die unmittelbare Bedrohung von außen war nach Enkes Tod nicht vorhanden“, sagt Egg.

(mov)
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