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Linke: Ostdeutsche arbeiten länger, verdienen aber weniger

Viel Arbeit, wenig Lohn. Ein Vierteljahrhundert nach der Wende mögen die Landschaften im Osten blühen. Doch die Lebensverhältnisse in Ost und West klaffen noch weit auseinander. Was muss passieren?
Ostdeutsche verdienen im Schnitt weniger als Westdeutsche, obwohl sie nach einer neuen Statistik länger arbeiten. Foto: Arno Burgi Ostdeutsche verdienen im Schnitt weniger als Westdeutsche, obwohl sie nach einer neuen Statistik länger arbeiten.
Berlin. 

Ostdeutsche verdienen im Schnitt weniger als Westdeutsche, obwohl sie nach einer neuen Statistik länger arbeiten.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann sagte der Deutschen Presse-Agentur, in den neuen Ländern (ohne Berlin) leisteten Arbeitnehmer im vergangenen Jahr durchschnittlich 74 Arbeitsstunden mehr, bekamen dafür aber 18,7 Prozent oder 6392 Euro weniger.

Zimmermann, die sich auf Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder berief, erläuterte weiter: Kamen im Osten (ohne Berlin) im vergangenen Jahr durchschnittlich 1360 Arbeitsstunden auf einen Arbeitnehmer, waren es in den alten Ländern (ohne Berlin) 1286.

Dabei betrug der Bruttolohn im Osten je Arbeitnehmer im Schnitt 27 784 Euro, im Westen 34 176 Euro. Der Durchschnittslohn in ganz Deutschland lag bei 33 284 Euro.

Nach der Statistik, die der dpa vorlag, bekamen Arbeitnehmer in Mecklenburg-Vorpommern mit im Schnitt 26 692 Euro am wenigsten. In Hamburg gab es den mit Abstand höchsten durchschnittlichen Lohn mit 39 678 Euro, gefolgt von Hessen (36 896 Euro), Baden-Württemberg (35 876 Euro) und Bayern (35 284 Euro).

Brandenburg, das mit 28 118 Euro an der Spitze der Ostländer lag, rangierte noch hinter Niedersachsen, das mit 29 422 Euro Schlusslicht der Westländer war.

Zimmermann, stellvertretende Vorsitzende und arbeitsmarktpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, erklärte: „Die Spaltung am Arbeitsmarkt hält auch über ein Vierteljahrhundert nach der Wende an. Von gleichwertigen Lebensverhältnissen in Ost und West kann nicht gesprochen werden.” Im Osten werde - häufig bei gleicher Tätigkeit - durchschnittlich deutlich weniger verdient.

Die Bundesregierungen in unterschiedlichen Konstellationen hätten es jahrzehntelang versäumt, gleichen Lohn für gleiche Arbeit durchzusetzen. Die jetzige Regierung habe sich offensichtlich mit einem Sonderarbeitsmarkt Ost abgefunden, kritisierte Zimmermann.

Ein wesentlicher Schlüssel für die weitere Angleichung sei die Stärkung von Tarifverträgen und Tarifbindung, die im Osten deutlich schwächer sei als im Westen, argumentierte die Linken-Politikerin ähnlich wie die Gewerkschaften. Sie forderte die Bundesregierung auf, sich für eine höhere Tarifbindung einzusetzen, insbesondere durch verbesserte Regelungen zur Erklärung der Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen.

Deutschlandweit müsse Niedrigstlöhnen und prekärer Beschäftigung der Kampf angesagt werden. Zimmermann forderte dazu unter anderem eine Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro die Stunde sowie die Abschaffung systematischer Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit.

Doch Arbeitsmarktsituation und Löhne sind auch ein Spiegel der Unternehmensstrukturen der einzelnen Regionen. Keines der 30 deutschen Dax-Unternehmen ist im Osten angesiedelt. Die meisten gut zahlenden und hoch spezialisierten und innovativen Mittelständler sind im Westen angesiedelt. Der Osten versucht hier zwar aufzuholen, aber dies dürfte angesichts des Rückstandes dauern.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW/Köln) hatte Ende Juli eine neue Auflage seines Innovationsatlasses veröffentlich. Daraus geht hervor, dass die südlichen Flächenländer bei Forschung und Entwicklung (FuE) nach wie vor einen erheblichen Vorsprung haben. Und zwischen FuE, Erfolgen mit neuen Patenten und MINT-intensiven Beschäftigungsstrukturen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) bestehe ein Wirkungszusammenhang.

(Von Ruppert Mayr, dpa)
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