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Gewerkschaften und Unternehmen unterstützen Pläne der Regierung: Lob für gleichen Lohn

Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer, auch wenn sie die gleiche Arbeit machen. Das soll sich ändern. Die Regierung in Berlin will dazu ein Gesetz auf den Weg bringen. Aus unserer Region gibt es Lob dafür.
Symbolbild Symbolbild
Frankfurt. 

Nach der Einigung der Koalitionsspitzen auf ein Lohngleichheitsgesetz zeigte sich Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) froh über das Erreichte. Sie will das Gesetz im Dezember ins Kabinett bringen, damit es Mitte kommenden Jahres in Kraft treten kann. Von da an hätten dann rund 14 Millionen Beschäftigte das Recht, binnen eines Monats zu erfahren, wie hoch ihr Verdienst ist im Vergleich zu Kollegen des anderen Geschlechts. Das soll Frauen helfen, für ihre Arbeit genauso viel zu verdienen wie Männer, was häufig immer noch nicht der Fall ist.

Joachim Braun
Kommentar Selbstverständliches nur per Gesetz?

Wir können Krebs heilen, sind Weltmarktführer in den unterschiedlichsten Industriebereichen, wir sind imstande, den Schwächsten der Gesellschaft zu helfen. Aber was wir nicht hinkriegen, ist die Gleichstellung von Mann und Frau. Dabei ist das doch völlig selbstverständlich.

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Gelten soll dies aber nur in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten. Hier setzt auch die Kritik von Gabriele Kailing, Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, an. „Ich sehe das Lohngleichheitsgesetz als einen ersten, wichtigen Schritt in die richtige Richtung an. Besser wäre es gewesen, wenn es für alle Betriebe gegolten hätte“, sagt sie. Kailing wünscht sich, dass das neue Gesetz die Diskussion um die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau anstößt. „In Deutschland ist das Thema Lohn ja immer noch ein Tabu“, so die DGB-Chefin.

Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) begrüßt die Einigung der Koalitionsspitzen. Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender sagt: „Sowohl für tarifgebundene als auch für die an den Tarifvertrag angelehnten Unternehmen gibt es eine vernünftige Lösung.“ Er spricht die geplante Regelung an, dass der Betriebsrat oder die Vertreter der Tarifvertragsparteien die Auskunft erteilen sollen und nicht die Unternehmensführung. Ein individueller Auskunftsanspruch würde für sie mehr Arbeit bringen.

Plant das neue Gesetz: Frauenministerin  Schwesig (SPD)
Ungleicher Lohn von Mann und Frau Schaltstelle Betriebsrat

Bei der Lohngerechtigkeit dürfte künftig der Betriebsrat eine wichtige Rolle spielen. Das ergibt sich aus den Gesetzesplänen der großen Koalition.

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Der Unternehmerverband begrüßt im Gegensatz zur Gewerkschaft, dass der Auskunftsanspruch erst ab einer Betriebsgröße von 200 Beschäftigten greifen soll. Dies stelle eine klare Verbesserung gegenüber früheren Planungen dar, wo der Anspruch in jeder Betriebsgröße bestand, so Fasbender. Die VhU kritisiert aber den mit dem Gesetz verbundenen „bürokratischen Aufwand“, der nicht zu rechtfertigen sei.

Einige Unternehmen in der Region sehen nicht viel Neues auf sich zukommen. Der Tenor: „In unserem Betrieb existiert die Gleichbehandlung beim Lohn schon lange.“ So stellt Fraport-Sprecher Dieter Hulick fest, dass der Tarifvertrag für alle Angestellten gelte. „Außerdem haben wir extra eine Beauftragte im Haus. Sie ist Ansprechpartnerin bei Beschwerden und Verstößen gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz.“ Rund 80 000 Mitarbeiter beschäftigt Fraport derzeit.

Die Messe Frankfurt und ihre rund 900 Mitarbeiter sind beim Gehaltssystem „an den Tarif angelehnt“, wie Messe-Sprecher Markus Quint betont. „Im Unternehmen ändert sich durch den Koalitionsbeschluss gar nichts, da die entsprechenden Standards bereits umgesetzt wurden.“

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch Wilhelm Hickmann, Geschäftsführer des Usinger Elektronikunternehmens Pikatron (400 Mitarbeiter). „In einem Betrieb sollte gleicher Lohn für gleiche Arbeit selbstverständlich sein. Auch unser Betriebsrat hält regelmäßig Einblick in die Lohnlisten. Insofern bringt die Koalitionsvereinbarung für uns nichts wirklich Neues.“

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