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Lula will wieder Präsident Brasiliens werden

Erst weist Lula im fünfstündigen Kreuzverhör alle Korruptionsvorwürfe zurück, dann tritt er vor seine Anhänger. Lula will wieder Präsident Brasiliens werden und die Entmachtung von Dilma Rousseff rächen.
Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva spricht nach einem Kreuzverhör zu Korruptionsvorwürfen mit seinen Anhängern. Foto: Denis Ferreira Netto Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva spricht nach einem Kreuzverhör zu Korruptionsvorwürfen mit seinen Anhängern. Foto: Denis Ferreira Netto
Curitiba. 

Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva will im kommenden Jahr wieder als Präsidentschaftskandidat antreten. „Ich bereite mich darauf vor, wieder Kandidat in diesem Land zu sein, nie hatte ich mehr Lust dazu”, rief er Tausenden Anhängern in der südbrasilianischen Stadt Curitiba zu.

Dort war Lula zuvor fünf Stunden lang in einem Kreuzverhör zu Korruptionsvorwürfen gegen ihn vernommen worden.

Der 71-Jährige erklärte die Vorwürfe für haltlos und sagte im Beisein der vor genau einem Jahr vom Amt suspendierten Ex-Präsidentin Dilma Rousseff: „Ich lebe.” Beide wollen bei der Wahl 2018 ihrer linken Arbeiterpartei wieder zur Rückkehr an die Macht verhelfen. Ob Lula, der laut Umfragen derzeit der Favorit wäre, überhaupt antreten kann, hängt vom Ausgang der Korruptionsermittlungen ab.

Lula war von 2003 bis 2010 Präsident, ihm folgte Rousseff nach, die dann wegen angeblicher Haushaltstricksereien des Amtes enthoben wurde - seither regiert der konservative Michel Temer (76) das fünftgrößte Land der Welt. Er kann aber fast nirgendwo öffentlich auftreten, da er bescchimpft und ausgepfiffen wird. Dem einstigen Vizepräsidenten Rousseffs wird von seinen Gegnern vorgeworfen, sie durch ein Bündnis mit der Opposition aus dem Amt geputscht zu haben.

Laut Umfragen liegt die Zustimmung zu Temer bei neun Prozent. Er kämpft mit der tiefsten Rezession der Geschichte, in die das Land unter Rousseff gerutscht war. 13,5 Millionen Menschen sind derzeit arbeitslos.

Lula wird vorgeworfen, bei einer Immobilie von einem Baukonzern begünstigt worden zu sein - zudem wird ihm Rädelsführerschaft im Korruptionsskandal um Auftragsvergaben des Ölkonzerns Petrobras zur Last gelegt. Aber auch neun Minister der Regierung des neuen konservativen Präsidenten Temer sind in dem „Lava Jato”-(„Autowäsche”)-Skandal im Visier der Ermittler.

Lula musste am Mittwoch erstmals vor dem gefürchteten Chef-Richter Sergio Moro aussagen. „Ich dachte, dass meine Ankläger Schriftstücke, Zahlungsbelege, irgendeinen Beweis vorlegen würden. Aber sie hatten nichts”, sagte Lula. „Ich möchte nicht auf Basis von Interpretationen verurteilt werden.” 

Der frühere Schuhputzer Lula ist immer noch beliebt in den ärmeren Bevölkerungsschichten - leidet aber wie die ganze politische Klasse wegen der Koruptionsaffären unter einem großen Vertrauensverlust. Er modernisierte während seiner Amtszeit das Land, verschaffte Millionen armer Menschen ein besseres Leben. Lula profitierte dabei von hohen Öleinnahmen. Das Wirtschaftswachstum legte stark zu, vom erwachenden grünen Riesen Brasilien war die Rede.

(dpa)
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