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Poltik in Frankreich: Macrons Ehefrau: "Bibi", die Strippenzieherin

Brigitte Macron wird Frankreichs Première Dame. Im Wahlkampf spielte die ungewöhnliche Liebesgeschichte der Macrons eine gewichtige Rolle.
Brigitte Macron lächelt nach der Stimmabgabe in ihrem Heimatort, dem nordfranzösischen Le Touquet. Ihr Mann erhielt dort über 80 Prozent der Stimmen. Foto: Thibault Camus (AP) Brigitte Macron lächelt nach der Stimmabgabe in ihrem Heimatort, dem nordfranzösischen Le Touquet. Ihr Mann erhielt dort über 80 Prozent der Stimmen.
Paris. 

Die Szene gilt als legendär, so oft machte sie die Runde in sozialen Netzwerken. „Wir sind die Partei der Hoffnung und diese Partei muss 2017 gewinnen“, ruft der junge Mann in den fast leeren Saal. „Es lebe die Republik! Es lebe Frankreich!“ Sofort hakt eine Frau mit elegantem Jackett und Jeans ein, die ihn wie eine Regisseurin ermahnt: „Deine Stimme fällt ab, du musst sie heben!“ Also beginnt er erneut.

Es handelt sich um eine Episode aus dem Dokumentarfilm „Die Strategie des Meteor“, der sich mit dem rasanten Aufstieg von Emmanuel Macron befasst. Aufgezeichnet wurde die Generalprobe seiner Rede am 6. April 2016, als der damalige Wirtschaftsminister in der sozialistischen Regierung seine eigene Partei „En Marche!“ („Vorwärts!“) gründete, mit der er der Sieger bei der französischen Präsidentschaftswahl geworden ist.

Immer an seiner Seite

Der Blick hinter die Kulissen verdeutlicht nicht nur, mit welchem Ehrgeiz Macron sein Image eines Erneuerers aufbaute – sondern auch, wer ihn in striktem Ton zurechtweisen darf: Brigitte, seine Frau. „Bibi“ wird sie genannt, die durch ihre positiv-energische Ausstrahlung viele Kameralinsen auf sich zieht und ihren Mann bei fast allen Wahlkampfterminen begleitet hat. „Brigitte, Brigitte“ skandierten seine Anhänger.

Von Mikrofonen hielt sich die 64-Jährige Première Dame mit dem ausgelassenen Mundwerk aber meist fern: In der Anspannung vor der Wahl drohte jedes unbedachte Wort gegen sie verwendet zu werden. Außerdem: „Ich muss da sein, wo ich hingehöre: An seiner Seite. Niemals weit weg“, sagt sie selbst.

Dabei zeigt der Filmausschnitt, dass Brigitte Macron mehr ist als die Begleiterin im Hintergrund. Sie hat eine Beraterrolle inne und kann auch das Lehrerhafte nie ganz ablegen, nachdem sie lange an einem Jesuitengymnasium in Amiens Französisch und Latein unterrichtete und eine Schultheatergruppe leitete. Dort begegnete sie ihrem künftigen Mann: Macron war gerade erst 15 Jahre alt, sie 39, eine verheiratete Mutter von drei Kindern. Von ihm gehört hatte sie bereits: Die Kollegen lobten den Hochbegabten, ihre Tochter Laurence erzählte, in ihrer Klasse sei „ein Verrückter, der alles über alles weiß“.

Stets auf Augenhöhe

Der Literaturfan Macron wollte nicht nur selbst Theater spielen, sondern begann mit 17, gemeinsam mit der Lehrerin, ein Stück umzuschreiben, damit die Schülergruppe es zur Aufführung bringen konnte. Seine Intelligenz zog sie zunehmend in seinen Bann, sagte Brigitte Macron später. Sie habe ihn nie wie einen Schüler gesehen, sondern immer auf Augenhöhe. Es entspann sich eine Romanze, die mit Konventionen brach: Brigitte Auzière, seit ihrem 20. Lebensjahr verheiratet mit dem Banker André-Louis Auzière und aus der angesehenen Trogneux-Familie in Amiens stammend, die dort seit fünf Generationen Confiserie und Schokolade herstellt, hatte viel zu verlieren.

Macron ging nach Paris, um sein Abitur an einem Elitegymnasium zu machen, doch der Kontakt hielt. Hatte er ihr doch versprochen: „Sie werden mich nicht los, ich werde zurückkommen und Sie heiraten!“ Im Jahr 2000 ließ sie sich scheiden und kam nach Paris, um an einem Privatgymnasium zu unterrichten. 2007 folgte die Hochzeit im nordfranzösischen Küstenort Le Touquet, wo sie ein Anwesen geerbt hat. Macron dankte in seiner Rede speziell ihren Kindern, die ihn akzeptiert hatten. Die sieben Enkelkinder seiner Frau sind auch die seinen.

2015 hörte Brigitte Macron auf zu arbeiten, um sich um den Terminkalender ihres Mannes zu kümmern. Mehr und mehr trat sie ins Licht der Öffentlichkeit, in einer Reihe Titelgeschichten von Illustrierten präsentierte das Paar seine Liebes-Idylle. Abgesehen von manchen hämischen Kommentaren im Internet über den großen Altersunterschied – der im umgekehrten Fall niemanden stört – scheint „Bibi“ ein Trumpf für Frankreichs neuen Präsidenten Macron zu sein.

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