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Bundestagswahl: Männlich, 47, Jurist: Ein Typ bei den Kandidaten überwiegt

Von Jede Bundestagswahl ist ein Fest für Statistiker. 300 Seiten füllen alle Daten über Bewerber und Parteien. Darin verbirgt sich auch Skurriles und Spannendes.
Im Berliner Bezirk Mahrzahn werben Wahlplakate für die Bundestagswahl neben Zirkusplakaten: So manche neue Partei wirkt so skurril wie diese Mischung. Foto: Wolfgang Kumm (dpa) Im Berliner Bezirk Mahrzahn werben Wahlplakate für die Bundestagswahl neben Zirkusplakaten: So manche neue Partei wirkt so skurril wie diese Mischung.
Berlin. 

Doch, man kann bei der Bundestagswahl Spaß haben. Ein Beweis findet sich im Internet – und geliefert wird er von der „bergpartei, die überpartei (B*)“. Heißt wirklich so, zählt 257 Mitglieder, 20 waren beim Bundesparteitag im Februar – und nun hat der Bundeswahlausschuss das „ökoanarchistisch-realdadaistische Sammelbecken“ in seinem dritten Anlauf zur Entscheidung am 24. September zugelassen. Man muss allerdings in Berlin wohnen, um sein Kreuz bei B* zu machen. Und im Wahlkreis 83, Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost, um ihren einzigen Kandidaten, Fares Al-Hassan, direkt zu wählen.

Partei für Vegetarier

Der 83 ist ohnehin seit längerem republikweit ein Unikat. Viermal holte dort Hans-Christian Ströbele das einzige Direktmandat für die Grünen – und ein bisschen auch immer gegen sie. Jetzt tritt er nicht mehr an, und auf seine Nachfolge hoffen 18 Direktkandidatinnen und -kandidaten; in keinem der anderen 298 Wahlkreise ist die Auswahl so groß.

Kulturell-soziologisch eine Welt von F’hain-Xberg entfernt liegt Bad Kissingen, Wahlkreis 248. Bayern, exakt: Franken, und tiefe Provinz. Wenn auch Kurort seit 1520. Knapp ein halbes Jahrtausend nach dem ersten Badegast verzeichnet Kissingen jetzt den höchsten Frauenanteil bei den Direktkandidaten: fünf von sieben – macht, rechnet der Statistiker und Bundeswahlleiter Dieter Sarreither vor, 71 Prozent.

Anderswo sind sie mit der Gleichberechtigung noch sehr hinterher: In 29 der 299 Wahlkreise – also knapp einem Zehntel – treten ausschließlich Männer an. Insgesamt liegt der Frauenanteil der 4828 umfassenden Bewerber- und Bewerberinnenschar bei 29 Prozent. Den höchsten unter den aktuellen Bundestagsparteien haben die Grünen mit 47, den niedrigsten hat die CSU mit 22 Prozent.

Eine Frau ist auch rein geburtsdatumsmäßig konkurrenzlos. Kommt aus Bayern – ist aber, zumindest der Generation sechzig plus, bundesweit bekannt. Barbara Rütting, ursprünglich Schauspielerin, dann grüne Landtagsabgeordnete in München – jetzt auf Listenplatz 2 der „V-Partei³ – Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer“. Knapp zwei Monate nach dem Wahltag wird Rütting 90.

Anderswo im politischen Bayern muss frau nicht so lange durchhalten, um Nestorin zu sein. Die älteste CSU-Bewerberin Marlene Mortler, aktuelle Drogenbeauftragte der Bundesregierung, ist Jahrgang 1955.

Aus Hessen, exakt: aus Offenbach, kommt die jüngste CDU-Kandidatin Neele Schauer, die bald 18 wird. Und ebenfalls Hesse ist der älteste Bewerber der FDP, Hermann Otto Solms; er wird taggenau zwei Monate nach dem Wahltag 77, ist also im doppelten Sinn ein alter Bekannter.

Frisch gegründet

Alt und jung gilt auch als Kriterium bei den 48 für die 19. Bundestagswahl zugelassenen Parteien: Die jüngsten drei wurden zwischen 29. April und 13. Mai dieses Jahres gegründet, heißen „Demokratie in Bewegung (DIB)“ oder „Die Urbane. Eine Hip-Hop Partei (du.)“ und zählen zu den Kleinparteien. Die mit schier unendlichem Abstand älteste ist auch – zumindest mitgliedermäßig – die größte: 154 Jahre hat die SPD durchlebt und in vielerlei Sinn auch durchlitten; dagegen sind die 1946 und 1950 gegründeten Unionsparteien CSU und CDU gerade erst beim Erwachsenwerden.

Apropos Alter: Konstruierte man sich den – rein grammatikalisch geschlechtsneutral – Durchschnittsreflektanten auf den Sitz im Bundestag, wäre der männlich, 46,9 Jahre alt und mit üppiger Wahrscheinlichkeit Jurist, Verwaltungsmensch oder Unternehmensorganisator. Definitiv nicht ist sie Bäuerin und Sozialdemokratin. Das Modell muss erst noch erfunden werden.

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