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Honduras-Krise: Massenproteste gegen Präsident „JOH”

Honduras am Scheideweg: Nachdem der Sportjournalist Salvador Nasralla schon wie der sichere Sieger aussah, könnte Präsident Juan Orlando Hernández doch im Amt bleiben. Der Ausnahmezustand wurde wegen der Proteste verhängt, es gibt Tote. Die Gegner rufen: Weg mit ihm.
Oppositionskandidat Salvador Nasralla spricht zu Unterstützern. Foto: Rodrigo Abd Oppositionskandidat Salvador Nasralla spricht zu Unterstützern.
Tegucigalpa. 

Rund eine Woche nach der Präsidentschaftswahl droht die Lage in Honduras wegen massiver Wahlfälschungsvorwürfe gegen Präsident Juan Orlando Hernández zu eskalieren.

Am Sonntag kam es zu Massendemonstrationen im ganzen Land, die Menschen riefen in Anspielung auf die Initialen des Staatschefs: „Weg mit JOH, Weg mit JOH.” Zwei Menschen starben in den vergangenen Tagen bei Protesten, darunter eine 19-Jährige durch Schüsse. Die Regierung hatte zuvor den Ausnahmezustand ausgerufen, zudem gilt eine Ausgangssperre zwischen 18.00 und 6.00. Noch immer gibt es kein Endergebnis der Wahl vom 26. November.

Zunächst hatte Oppositionskandidat Salvador Nasralla, der die grassierende Korruption und Gewalt bekämpfen will, deutlich vorn gelegen, teilweise knapp fünf Prozentpunkte. Nach und nach wendete sich in den letzten Tagen das Blatt. Nach Auszählung fast aller Stimmen führte plötzlich Amtsinhaber Hernández knapp vor Nasralla.

Die Lage ist extrem angespannt, in den vergangenen Tagen wurden in Tegucigalpa und anderen Städten Barrikaden errichtet und Brandsätze gelegt, die Polizei setzte Tränengas ein. Er werde das offizielle Ergebnis nicht anerkennen, hat Nasralla angekündigt. Schon 2013 war der Sportjournalist für die Antikorruptionspartei (PAC) angetreten, unterlag aber dem konservativen Kandidaten Hernández.

Zu den Kundgebungen am Wochenende hatte Ex-Präsident Manuel Zelaya aufgerufen. Er war 2009 vom Militär aus dem Amt geputscht worden und lebte danach zeitweise im Exil in der Dominikanischen Republik, bevor er 2011 zurückkehren konnte. Das war eine Bedingung, damit Honduras wieder in die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) aufgenommen werden konnte. Zelaya ist ein Verbündeter von Nasralla. Der frühere Zentralbankchef Hugo Noé Pino betonte, es gelte zu verhindern, dass die Nationalpartei des Präsidenten Hernández eine Diktatur im Land errichte, mit Hilfe eines von der Wahlbehörde unterstützten Betrugs.

Militär und Polizei sind in erhöhter Alarmbereitschaft. Immer wieder verschob die Wahlbehörde die Veröffentlichung des Endergebnisses, so sollten noch einmal hunderte Urnen geöffnet und Stimmen nachgezählt werden. Das deutsche Außenministerium riet zu erhöhter Vorsicht: „Reisenden wird dringend empfohlen, die Ausgangssperre einzuhalten, die lokalen Medien aufmerksam zu verfolgen, Menschenansammlungen zu meiden und den Anweisungen der Sicherheitskräfte Folge zu leisten.”

Das Land mit seinen acht Millionen Einwohnern gilt als eines der ärmsten und gefährlichsten in Mittelamerika. In den letzten Tagen kam es auch zu Plünderungen. Menschen drangen in Geschäfte und Einkaufszentren ein und stahlen Lebensmittel, Kleidung und Elektrogeräte. Hernández rief die Menschen zu Besonnenheit auf: „Ich fordere das honduranische Volk und die Leute meiner Partei dazu auf, Ruhe zu bewahren und auf das Ergebnis des Wahlamts zu warten.”

(dpa)

Bilderstrecke Opposition in Honduras wirft der Regierung Wahlfälschung vor
Oppositionskandidat Salvador Nasralla (M) und der ehemalige Präsident Manuel Zelaya (r) bei den Protesten in Tegucigalpa.Demonstranten in Tegucigalpa mit der honduranischen Flagge.Ein Polizist drängt einen Demonstranten in Tegucigalpa zurück.
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