E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 27°C

Mehr Antibiotika für Tiermast abgegeben

Starker Antibiotika-Einsatz in Ställen steht seit langem in der Kritik. Neue Daten zeigen, dass die Gesamtmenge weiter sinkt - aber ausgerechnet bei kritischen Wirkstoffen geht der Trend nach oben. Foto: Carsten Rehder Starker Antibiotika-Einsatz in Ställen steht seit langem in der Kritik. Neue Daten zeigen, dass die Gesamtmenge weiter sinkt - aber ausgerechnet bei kritischen Wirkstoffen geht der Trend nach oben. Foto: Carsten Rehder
Berlin. 

In der Tierhaltung in Deutschland werden immer mehr umstrittene Antibiotika eingesetzt, die auch für Menschen besonders wichtig sind.

Bei der kritischen Klasse der Fluorchinolone stieg die abgegebene Menge im vergangenen Jahr auf 13 Tonnen - nach 10 Tonnen im Jahr zuvor und 8 Tonnen im Jahr 2011. Das geht aus Daten hervor, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit veröffentlicht hat.

Wirkstoffe wie die Fluorchinolone gelten als Reserve-Antibiotika und werden bei Menschen für schwere Krankheitsfälle verwendet, wenn normale Antibiotika nicht mehr anschlagen. Ein starker Einsatz von Medikamenten in Ställen wird seit langem kritisiert. Die Verwendung soll sinken, um die Gefahr von Resistenzen zu verringern.

Die Grünen forderten ein Verbot für den Einsatz der besonders wichtigen Reserve-Antibiotika in Ställen. «Der oftmals wahllose und ungezielte Einsatz dieser Mittel in der Massentierhaltung ist eine Verantwortungslosigkeit sondergleichen», sagte der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Friedrich Ostendorff.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) verlangte ein strengeres Arzneimittelgesetz. «Reserve-Antibiotika haben in Massentierhaltungen nichts verloren und müssen verboten werden», sagte Agrarexperte Reinhild Benning.

Insgesamt ging die Antibiotika-Abgabe für die Tierhaltung 2013 weiter zurück. An Tierärzte verteilt wurden 1452 Tonnen und damit 167 Tonnen weniger als 2012, wie die amtlichen Daten in einer Information für den Bundestag zeigen. Im Jahr 2011 waren es noch 1706 Tonnen gewesen.

Tierärzte und Landwirte seien sich der Risiken beim Einsatz von Antibiotika bewusst und gingen sehr verantwortungsvoll mit solchen Wirkstoffen um, sagte ein Sprecher des Deutsche Bauernverbands. Allerdings könnten Tiere krank werden. Deshalb sei der Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhandlung auch aus Gründen des Tierschutzes unverzichtbar.

Seit 2011 müssen Pharmaindustrie und Großhändler melden, welche Mengen bestimmter Arzneimittel sie an Tierärzte abgeben. Ein Großteil der Antibiotika geht dabei seit Jahren in Kreise in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, in denen es viele große Mastanlagen gibt.

Auch neue Meldepflichten und strengere Vorgaben für Bauern und Tierärzte sollen den Antibiotika-Einsatz eindämmen. Dazu ist im April eine Gesetzesänderung in Kraft getreten. Bauern müssen demnach Anwendungen bei Schweinen, Hühnern, Puten und Rindern alle sechs Monate amtlich melden.

(dpa)
Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen