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Kanzler-Duell: Merkel und Schulz im TV: Das Kuschel-Duell

Von Wie immer ist am sogenannten Duell das Allerwichtigste nicht, wer sich wirklich besser geschlagen hat – sondern was die Wähler glauben werden. Dafür geben die Einflüsterer der Parteien auch diesmal ihr Bestes.
Vor dem TV-Duell in den Fernsehstudios in Adlershof in Berlin stehen die Moderatoren (von links) Sandra Maischberger (ARD), Claus Strunz (ProSieben/SAT.1), Maybrit Illner (ZDF) und Peter Kloeppel (RTL) nebeneinander. Im Hintergrund unterhalten sich die Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. dpa Foto: Herby Sachs (ARD-Pool) Vor dem TV-Duell in den Fernsehstudios in Adlershof in Berlin stehen die Moderatoren (von links) Sandra Maischberger (ARD), Claus Strunz (ProSieben/SAT.1), Maybrit Illner (ZDF) und Peter Kloeppel (RTL) nebeneinander. Im Hintergrund unterhalten sich die Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. dpa
Berlin. 

Was ist ein Fernseh-Duell gegen die Explosion einer Wasserstoffbombe? Hübsche Frage. Nur gehört sie zu denen, die im Studio B so nicht erörtert werden. Und schon gar nicht im Studio G, wo bereits drei Stunden vor Angela Merkel und Martin Schulz die professionellen Ausdeuter von Politik aufeinandertreffen: Journalisten und jene, die man Spin-Doktoren nennt – also Parteimenschen im weitesten Sinn, Mitglieder, Berater, Plauderer, deren Aufgabe es ist, dem tatsächlichen Geschehen einen Dreh zu verpassen.

HANDOUT - Screenshot des TV-Duells zwischen der Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel und dem SPD-Kanzlerkandidaten und SPD-Vorsitzenden Martin Schulz am 03.09.2017 in Berlin. Das einzige TV-Duell zwischen Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) vor der Bundestagswahl 2017 wird gemeinsam vom Ersten, RTL, SAT.1 und ZDF übertragen. (ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im direkten Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur bei Nennung der Quelle: Foto: -/MG RTL D/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
TV-Duell Merkel-Schulz Kommentar: Ein harmonisches Paar

Für Martin Schulz hing die Latte hoch: Hätte er sich zu milde gegeben im Duell gegen die Kanzlerin, wäre es ihm kaum möglich gewesen, unentschlossene Wähler auf seine Seite zu ziehen.

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Es ist eine verrückte kleine Welt in Studio G. Das liegt, unter anderem, daran, dass die Journalisten der Kanzlerin und ihrem Herausforderer hier kein bisschen näher kommen als das Publikum daheim im Wohnzimmer. Sie starren genauso auf Bildschirme – sitzen dafür allerdings in auf Sibirien-Atmosphäre heruntergekühlter Schwärze, umgeben von den Einflüsterern.

Bouffier im Publikum

Bei der Union sind sie in Mannschaftsstärke da. Kanzleramtsminister Peter Altmaier, die Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Daniel Günther, Generalsekretär Peter Tauber, Fraktionsvorsitzender Volker Kauder und Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt – und natürlich die Promis wie Uschi Glas, von Ursula von der Leyen zur Begrüßung heftig geherzt.

Bei der SPD sind es Malu Dreyer und Manuela Schwesig, Hubertus Heil und Thomas Oppermann, Heiko Maas und zu den Promis zählt der Schauspieler Hans-Werner Meyer. Bis das Duell beginnt, bilden sich Gruppen und Grüppchen – ein Schwirren und Summen füllt das Studio, das mit dem Moment endet, als die Übertragung beginnt.

Die SPD verkündete sich schon Stunden zuvor als Sieger

Die SPD hat ihren Kanzlerkandidaten Martin Schulz wegen einer technischen Panne schon in der Nacht vor dem TV-Duell mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Sieger des verbalen Schlagabtausches erklärt.

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Binnen Minuten erweist sich: Es wird diesmal keine leichte Nummer für Merkel – sie muss mit Zwischenfragen fertig werden; und der Unterbrecher ist nicht allein der Moderator Claus Strunz, von dem das zu erwarten war. Auch Martin Schulz versucht, aus dem Vier-fragen-zwei-antworten-abwechselnd-Spiel zumindest ein Duellchen zu machen.

„Er hat gar keine Chance“, hat noch am Morgen der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister gesagt. „Wenn da nicht ein Wunder passiert…“ An eben diesem Morgen allerdings passierte erst mal eine mittelkleine Katastrophe, weil Google die Schulz-Sieg-Anzeige der SPD viel zu früh ins Netz jagte.

In Halle G geben die Unionisten zu, dass sie deshalb am Vormittag durchaus leichte bis schwere Schadenfreude anflog. Gefolgt allerdings bei nicht wenigen von Mitleid – was der SPD kein bisschen hilft und Schulz kein bisschen brauchen kann.

Er setzt auf Attacke

Aber was würde ihm nützen? Mit welcher Strategie hätten die Unionisten ihn losgeschickt gegen ihre Kanzlerin? Die Christsozialen können – oder wollen – sich in die Lage, Schulz-Coach zu sein, lieber gar nicht erst hineindenken. Die Christdemokraten befinden, zusammengenommen, das sei keine leichte Aufgabe – es müsse wohl irgendetwas mit richtig viel Angriff sein, aber eigentlich auch vollkommen ohne.

Es ist dann ziemlich schnell heraus, dass Schulz auf Attacke setzt – und wie sehr die Sozialdemokraten das ergötzt. Zu Beginn der Übertragung haben sich die Fans nicht nur getrennt; sie haben sich auf Sitzgruppen zurückgezogen wie auf zwei Inseln. Die Genossen rechts, die Unionisten links – und am Jubel oder Beifall wird klar, wer sich gerade im Vorteil wähnt. Die Frequenz bei der SPD ist deutlich höher; das kann allerdings auch daran liegen, dass die Unionisten gar nicht darauf vorbereitet sind, dass ihre Kanzlerin überhaupt so etwas wie Unterstützung brauchen könnte. Oder, dass die Genossen wissen, wie sehr Schulz darauf angewiesen ist, dass sie genau jetzt den richtigen Dreh finden.

„Ihr seid die Herausforderer, ihr müsst uns treiben“, hat zuvor noch Armin Laschet gesagt, der Wahlsieger in NRW. Aber es klang, als glaubte er nicht, dass Schulz das wirklich tun könnte. Nach einer guten Stunde ist es bei den Unionisten weiter eher ruhig – und bei den Genossen weiter eher lebhaft.

Zehn Minuten vor Schluss dann die Ja-oder-Nein-Fragen. Knallhart sagt Schulz, dass er Schröders Rozneft-Engagement „schlecht“ findet. Da bleibt es still bei den Genossen – aber der Jubel kommt, als Schulz ergänzt, es gehe bei der Wahl nicht um die Zukunft des Altkanzlers, sondern der Republik.

Und auch am Ende jubelt noch einmal die SPD. Als Schulz erst fragt, wie viel Zeit er für sein Schlusswort hat – und dann sagt, in sechzig Sekunden verdiene eine Krankenschwester weniger als 40 Cent, ein Manager aber mehr als 30 Euro – geht das den Sozialdemokraten ins Herz. Wie Merkel sich hingegen beklagt, man habe „nicht ausführlich darüber gesprochen, was eigentlich zur Entscheidung steht“ – und dann ihren Satz „Mit der Mischung aus Erfahrung und der Neugierde auf das Neue“ nicht wirklich zu Ende kriegt, dafür aber ihre umstrittene Wir-schaffen-das-Behauptung variiert, begeistert die Unionisten nur mäßig.

Die Wasserstoffbombe von Nordkorea hat dann doch noch eine Rolle gespielt – aber nur kurz. Ist ja auch weit weg – und für diesen Abend sollte in Deutschland das Duell der politischen Spitzenkräfte der Kracher sein. In Studio G allerdings hat nichts gezündet.

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