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Mutmaßlich entführtem Vietnamesen droht Todesstrafe

Ein vietnamesischer Geschäftsmann verschwindet mitten in Berlin - vermutlich vom Geheimdienst seines Heimatlandes entführt. Jetzt steht der kommunistische Ex-Funktionär vor Gericht.
Trinh Xuan Thanh im Gerichtssaal. Foto: Doan Tan Trinh Xuan Thanh im Gerichtssaal.
Hanoi. 

Nach seiner mutmaßlichen Entführung aus Berlin droht einem vietnamesischen Geschäftsmann jetzt vor Gericht in seiner alten Heimat die Todesstrafe. Der Korruptionsprozess gegen den ehemaligen kommunistischen Funktionär Trinh Xuan Thanh begann in der Hauptstadt Hanoi.

Dem 52-Jährigen wird vorgeworfen, sich als Chef eines staatlichen Baukonzerns persönlich bereichert zu haben. Das Urteil wird in etwa zwei Wochen erwartet.

Der Fall hatte Schlagzeilen gemacht, weil Thanh im vergangenen Sommer unter rätselhaften Umständen aus Berlin verschwand, wo er sich um Asyl bemüht hatte. Die Bundesregierung ist überzeugt, dass er vom vietnamesischen Geheimdienst entführt wurde. Vietnam behauptet, dass er freiwillig zurückgekehrt sei.

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert sprach erneut von einer Entführung, die „völlig inakzeptabel” sei. „Das ist ein Rechtsbruch”, betonte er. „Wir haben sehr klar gesagt, dass dadurch auch das Vertrauen zwischen unseren beiden Regierungen gestört ist.” Es sei nun notwendig, dass die vietnamesische Seite handele, um das Vertrauen wiederherzustellen.

Die Bundesregierung hat bereits zwei vietnamesische Diplomaten ausgewiesen, denen sie eine Verwicklung in den Fall vorwirft. Zudem legte sie den strategischen Dialog mit dem südostasiatischen Land auf Eis, das einer der wenigen kommunistischen Ein-Parteien-Staaten ist, die es noch gibt.

Thanh wurde in Handschellen zum Gericht gebracht. Das Gebäude war von einer Hundertschaft Polizisten abgesperrt. Die vietnamesischen Behörden verweigerten ausländischen Medien - auch der Deutschen Presse-Agentur dpa - den Zutritt zum Gericht. Ein Diplomat der deutschen Botschaft durfte das Verfahren aus einem Nebenraum verfolgen. Mit Thanh zusammen müssen sich 21 weitere ehemalige Manager wegen Misswirtschaft und Korruption verantworten.

Vietnam gehört zu den wenigen Ländern auf der Welt, in denen auch auf Korruption die Todesstrafe steht. Seit Juni 2011 wurden dort mehr als 430 Menschen hingerichtet. In dem jetzt laufenden Prozess droht neben Thanh noch sieben weiteren Ex-Managern die Todesstrafe. Erst im vergangenen Herbst war ein ehemaliger Vorstandschef des staatlichen Energiekonzerns PetroVietnam zum Tode durch die Giftspritze verurteilt worden.

Konkret wird Thanh zur Last gelegt, als Chef des Baukonzerns PetroVietnam Construction (PVC) - einer Tochter von PetroVietnam - umgerechnet mehr als 50 Millionen Euro zweckentfremdet zu haben. Mindestens vier Milliarden vietnamesische Dong (etwa 150.000 Euro) soll er in die eigene Tasche gesteckt haben. Zudem soll er bei einem Bauprojekt in Hanoi eine halbe Million Euro Schmiergeld kassiert haben.

Vor Beginn des Verfahrens hatte er alle Korruptionsvorwürfe zurückweisen lassen. Zudem versuchte seine Familie, einen Strafnachlass zu erwirken. Sie zahlte umgerechnet etwa 75.000 Euro an den vietnamesischen Staat.

Seine deutsche Anwältin Petra Schlagenhauf bezeichnete Thanh als Opfer politischer Machenschaften. Im Bayerischen Rundfunk sagte sie, ihr Mandat wäre „niemals, unter keinen Umständen, freiwillig nach Vietnam zurückgekehrt”. Der Anwältin selbst wurde die Anreise zum Prozess verwehrt.

(dpa)
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