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Sicherheit: Nach Bombenfund: Paketbranche in Alarmstimmung

Von Mitten im Weihnachtsgeschäft verunsichert eine Paketbombe in Potsdam viele Menschen. Die Logistikbranche ist alarmiert – und das angesichts der erwarteten neuen Rekordzahlen in der Versandbranche.
Die Paketbranche ist nach dem Fund einer Bombe in Potsdam in Alarmstimmung Foto: imago stock&people (imago stock&people) Die Paketbranche ist nach dem Fund einer Bombe in Potsdam in Alarmstimmung
Frankfurt/Potsdam. 

An den Tag, als im Paketpostamt 2 im Frankfurter Stadtteil Preungesheim ein Paket explodierte, kann sich Stefan Heß noch lebhaft erinnern. Um kurz vor 8 Uhr detonierte an diesem 3. Mai 1995 ein mit Sprengstoff und Schrauben gefülltes Päckchen auf dem Förderband. Eine 35 Jahre alte Angestellte starb, drei ihrer Kollegen wurden schwer verletzt.

„Es war einer meiner ersten Fälle“, sagt Heß, der damals als Sprecher bei der Deutschen Post angefangen hatte und der sich durch die Paketbombe, die am Freitag in Potsdam entdeckt wurde, gedanklich in der Zeit zurückkatapultiert fühlt – auch wenn die Sendung dieses Mal entschärft wurde und der aktuelle Fall anders gelagert ist.

Info: Wie mit verdächtigen Paketen umgehen?

Nach der Paketbombe von Potsdam gehen die Sicherheitsbehörden davon aus, dass der oder die Täter weitere Bomben in Umlauf bringen könnten.

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War es seinerzeit eine Tat im kriminellen Milieu Frankfurts, so geht die Polizei in Potsdam von einem Erpresser oder einer ganzen Bande aus. Sie fordern von der DHL, der Pakettochter der Post, mehrere Millionen Euro und drohen mit weiteren Bomben. Es war nicht der einzige Fall, der Logistiker und Sicherheitsbehörden aufschreckte. Gestern Vormittag wurde bekannt, dass in der Thüringer Staatskanzlei ein Paket mit möglicherweise explosivem Inhalt eingegangen war. Und schließlich tauchte ein verdächtiger Brief im Landratsamt von Sondershausen bei Erfurt auf, was dazu führte, dass ein Gebäudeteil evakuiert wurde. In beiden Fällen gab es Entwarnung. Aber trotzdem stellt sich nun mitten im Weihnachtsgeschäft die Frage nach der Sicherheit von Paketsendungen.

Keine Verzögerung

„Wir werden zu Details zu den Sicherheitsvorkehrungen keine Angaben machen“, hält sich Postsprecher Heß in diesem Punkt bedeckt. „Das wäre eine Steilvorlage für Kriminelle.“ Man habe aber die Mitarbeiter aufgrund des „Inputs der Sicherheitsbehörden“ sensibilisiert. Und wenn es einen Fingerzeig gebe, was man verbessern könne, „machen wir das auch“, sagt Heß. Bisher sei das aber nicht der Fall gewesen. „Wir machen das ja nicht erst seit gestern.“ Zudem bestünden derzeit keine Hinweise auf eine konkrete Bedrohung für andere Pakete. Grundsätzlich gebe es aber keine hundertprozentige Sicherheit.

Auch Hermes und DPD äußerten sich zurückhaltend. „In so einem Fall greifen verschiedene Sicherheitsprozesse“, sagte Hermes-Sprecher Ingo Bertram. Die Konzernsicherheit nehme den Vorfall in Potsdam zum Anlass, „bestehende Sicherheitsvorkehrungen zu prüfen und gegebenenfalls auszuweiten“. Mögliche Gefährdungen wie diese seien kein Szenario, das für einen Paketdienst gänzlich neu ist. „Paketbomben hat es vor vielen Jahrzehnten schon gegeben“, sagte Bertram. „Unsere gesamte Organisation ist nicht erst seit Sonntag dafür sensibilisiert, bei verdächtigen Paketen umgehend Alarm zu schlagen. Und DPD-Sprecher Frank Vergien meinte: „Angesichts der aktuellen Situation sind wir natürlich besonders wachsam, um Schaden für Mitarbeiter und Paketempfänger zu verhindern.“

Hohe Steigerung

Auch wenn die Logistiker von hohen Sicherheitsstandards sprechen, so dürften diese ganz aktuell und auch in Zukunft vor eine neue Herausforderung gestellt werden, die da heißt: Der Paketversand boomt. Bereits jetzt werden in Deutschland jeden Tag über acht Millionen Pakete verschickt. Im größten Versandzentrum der Post in Obertshausen etwa werden pro Stunde zwischen 28 000 und 30 000 Pakete bearbeitet, Tendenz steigend. Heß spricht von einer Volumensteigerung von jährlich 5,7 Prozent. Und im Weihnachtsgeschäft rechnet der Bundesverband Paket & Expresslogistik sogar mit Zuwächsen um bis zu elf Prozent.

Stellt sich auch die Frage, ob die Bürger bei diesen Mengen nebst der Sicherheitsvorkehrungen länger als sonst auf ihre Pakete warten müssen. „Es gibt keine Verzögerungen“, sagt Heß. „Mit Verzögerungen in der Zustellung rechnen wir nicht“, gibt sich sein Hermes-Kollege ebenfalls optimistisch. Es bleibe für Weihnachtspakete bei den gültigen Abgabefristen bis 15. für internationale Sendungen, bis 20. Dezember für nationale Sendungen. „Man sollte nicht bis zur letzten Woche mit dem Versand warten“, sagt Heß. Er empfiehlt, bis nächste Woche aktiv zu werden. Seite 5

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