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Die AfD nach dem Verzicht von Frauke Petry als mögliche Spitzenkandidatin: Nur noch Irrlichtereien

Von Ob Frauke Petry zurücksteckt oder taktiert, weiß allenfalls sie selbst. Jedenfalls steht die AfD drei Tage vor ihrem Parteitag ohne Spitzenkandidaten-Bewerber da. Dafür steckt sie tiefer denn je in ihren Machtkämpfen.
AfD-Chefin Frauke Petry. Foto: ODD ANDERSEN (AFP) AfD-Chefin Frauke Petry.
Berlin/Köln. 

Man stelle sich vor, eine der engsten Beraterinnen der Kanzlerin schiede nicht nur mit Aplomb aus ihrer Funktion, sie schriebe darüber auch noch einen furiosen Text, in dem sie ihre Chefin hinstellte als hormongeflutete Marionette, willenlos gelenkt vom Ehemann, einem ebenso dubiosen wie machtlüsternen Spitzbuben. Die Republik erbebte vor Skandal-Geschrei. Dass exakt dies Frauke Petry geschieht, der Frontfrau der AfD, und die Republik es kaum zur Kenntnis nimmt – das ist die Ausgangslage für den Parteitag, auf dem die AfD am Wochenende in Köln zu klären gedenkt, wie sie in den Bundestag gelangen will. Und, ebenso wichtig, wer sie auf dem Weg hinein anführen soll.

Drei Tage vorher platziert Petry auf ihrer Facebook-Seite ein mittleres Sprengsätzchen. Für sie, behauptet sie nach drei Vierteln eines Zwölf-Minuten-Videos, sei die Frage der Spitzenkandidatur erledigt. Nicht allerdings sagt Petry etwa, sie verzichte; es gehe darum, dass sie nicht „zur Verfügung stehe“.

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Bei der AfD bekommen solche Intonierungs- und Wortwahl-Details gerne ungeahntes Gewicht; egal, ob führende Parteimitglieder sich zu externen oder internen Themen äußern. Aktuell tobt ein Streit um die „strategische Ausrichtung“ der Partei; so hat Petry es zumindest über ihren „Sachantrag“ geschrieben. Angeblich lautet die Frage Realpolitik oder Fundamentalopposition. In Wahrheit jedoch geht es vielmehr darum, wer in der AfD das Sagen hat – die Macht.

Es kämpfen an vorderster Front seit Monaten Frauke Petry und Alexander Gauland. Und es ist nicht nur eine Fehde unter Verzicht auf exakt die bürgerlichen Tugenden, die die Partei für sich beansprucht. Die steten persönlichen Attacken im Bundesvorstand, die dauerhaften Ausgrenzungsversuche dort finden Spiegelungen auf vielen Ebenen der AfD – beispielsweise in Sachsen-Anhalt, wo Mitglieder von Partei und Landtagsfraktion dem Chef beider Gruppierungen, André Poggenburg, „Stalinismus pur“ und „Nordkorea“-Stil vorhalten.

Auf Stalin nimmt auch ein Mann Bezug, der die AfD mit gegründet und einige Zeit auch geführt hat: Konrad Adam. Allerdings ist das die Partei gewesen, in der Professoren und sonstige Akademiker die Republik dem Euro entreißen wollten. Aus Adam, anders als der AfD-Erfinder Bernd Lucke noch immer Mitglied, spricht im Interview mit der „F.A.Z.“ eine Mischung aus viel Frustration und Ekel und sehr wenig Hoffnung. Er attestiert der AfD und ihren Mitgliedern in Spitze wie Breite „Gleichgültigkeit gegen Satzung, Recht und Anstand“ und nennt sie „in Teilen zweifellos“ unseriös. Petrys Antragsvorstoß, der zumindest indirekt eine Entscheidung zwischen ihr und Gauland erzwingen soll, setzt Adam mit den „Methoden einer Kaderpartei“ gleich.

Dass Adam längst zu den Unterlegenen der internen Machtkämpfe zählt, mindert die Objektivität seiner Kritik, macht sie indes nicht belanglos. Er hält nicht den vorgeblichen Flügelkampf für das größte Problem der AfD, sondern ihre ganz grundsätzliche „Radikalisierung“. Belege liefert das Wahlprogramm, das in Köln beschlossen werden soll.

Flüchtlings- und Islamfeindlichkeit sind darin festgeschrieben – und der gesamte Bundesvorstand steht dafür. Falls die AfD also vor inneren Spannungen ächzt, dann sind nicht die Inhalte schuld – sondern das Personal. Auch Petry hat schon mit Björn Höcke paktiert, den sie jetzt so unerträglich „nazi-affin“ findet, dass sie ihn aus der Partei ausschließen will. Und Gauland meidet zwar selbst Höckes tief-völkischen Ton, hält den populärsten der Rechtsausleger jedoch aus Wählerbindung-Überlegungen für nützlich. Und seit Monaten sinkt ja der Umfragewert der AfD.

Ist alles nur Taktik?

Drei Tage vor dem Parteitag in Köln ist die AfD eine Partei ohne Fortune, und ihr verführerisches Glitzern hat sich verwandelt in ein verwirrendes Irrlichtern. Niemand kann wissen, ob Petrys Rückzug in Wahrheit nur Taktik ist. Sie ist das Gesicht der AfD – und sie ist zu schlau, um das nicht einzusetzen.

„Frau Petry mag vielleicht die talentierteste Politikerin der AfD sein“, schreibt wenige Tage zuvor auf seiner Homepage ihr Spin-Doktor Michael Klonovsky, der nicht mehr der Erfinder der Geschichte sein möchte, warum Petry sogar Kanzlerin sein könnte. Klonovskys neuer Dreh besagt, dass sie nicht mehr sei als die Handpuppe ihres Ehemannes Marcus Pretzell, „ihm auf tragische Weise ergeben“. Der Mann hat auch für Pretzell gearbeitet und ihn wegen ausstehender Honorare verklagt.

Mit Politik hat das nichts zu tun. Aber mit der AfD. Es sind ihre Geschichten fünf Monate vor der Bundestagswahl.

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