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Scheidender US-Präsident in Athen und Berlin: Obama nimmt Abschied

Von Ein letztes Mal kommt Barack Obama nach Berlin. Sein öffentliches Vermächtnis aber an Europa und die Welt schenkt er vorab den Griechen.
Barack Obama gestern Abend nach der Landung in Berlin Foto: Kay Nietfeld (dpa) Barack Obama gestern Abend nach der Landung in Berlin
Berlin/Athen. 

Natürlich hat der Mann einfach ein untrügliches Gespür für Momente, für Orte, für Worte und Botschaften und wie man all das zusammenfügen muss, damit die Welt, aufgescheucht und angespannt und zerrissen wie sie ist, dennoch innehält für einen kleinen Moment. 65 Tage vor Ende seiner Präsidentschaft steht Barack Obama in der Stadt, die als Geburtsort der Demokratie anerkannt ist, an der Stelle, die als Symbol ihrer Verteidigung gilt, vor sich ein großes Publikum, hinter sich die Flaggen der USA, Griechenlands und des zwar nicht einigen, aber vereinten Europa, immer abwechselnd. Und dort, in Athen, auf der Akropolis, sagt er, „das grundlegende Verlangen nach einem Leben in Würde, die fundamentale Sehnsucht nach der Kontrolle über unser Leben und unsere Zukunft“ – das eine die Menschheit. „Sie brennen“, sagt Obama, „in jedem Menschen.“

Fliehende treffen sich

Wo wären diese klugen Sätze klüger platziert? In Griechenland prallen seit Jahren zwei Trümmer des Elends der Welt aufeinander, das schier unendlich viele Teile hat. Es treffen die vor Krieg und Gewalt und jeglicher Not Fliehenden auf die Opfer von politischen Tricksern und jenen, die daraus ihren Profit schlagen. Mehr als einmal bekommt Obama tosenden Beifall für seine letzte große, öffentliche Botschaft an Europa. Die, selbstverständlich, in Wahrheit eine Botschaft ist an die Welt.

Sven Weidlich
Kommentar Obamas Bilanz: Mehr Schatten als Licht

Obama ist zu seinem Abschiedsbesuch nach Berlin gekommen, und die Frage stellt sich, was von seiner Politik bleiben wird, wenn Trump das Ruder übernommen hat.

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Mehr als acht Jahre zuvor, er war noch auf dem Weg ins Weiße Haus und machte Station in Berlin, rief Obama: „Amerika hat keinen besseren Partner als Europa.“

Und dann folgte ein kleines Jahrzehnt, in dem diese Partnerschaft ein ums andere Mal ins Wanken geriet – und mitunter wirklich aus dem Lot. Und vielleicht am besten ließ sich das erlauschen daran, wie Barack Obama über Angela Merkel sprach, die deutsche Kanzlerin, und wie sie über ihn. Und die sehr große Spanne war oft auch eine sehr große Spannung.

Wichtigste Freundschaft

„Die wichtigste Beziehung, die wichtigste Freundschaft, die ich in meiner Amtszeit hatte“, nannte Obama Merkel. Das war im April in Hannover, und es schien das letzte offizielle Treffen der beiden zu sein. „Abhören unter Freunden – das geht gar nicht“, sagte Merkel im Sommer 2013 – und in beiden Fällen war das mit der Freundschaft weniger wörtlich zu nehmen, als es die Welt und Amerika und Europa wohl brauchen könnten.

Aber zugleich doch auch wörtlicher als es scheint, an der Oberfläche.

Am besten ersetzt man die Freundschaft – die in der Politik ja schon durch die gängige Steigerung „Gegner, Feind, Parteifreund“ degradiert ist – durch die Kategorie Wertschätzung. Die haben Obama und Merkel über die Jahre füreinander entwickelt – nach ihrem mindestens holprigen Start:

Sie, bereits Kanzlerin, verbot ihm, dem Kandidaten, den Auftritt am Brandenburger Tor. Und die persönliche Wertschätzung hat beide die politischen Differenzen besser aushalten und die Distanz zwischen Amerika und Europa, die zugenommen hat während Obamas Amtszeit, immer wieder überbrücken lassen.

Obama hat Europa mehr Verantwortung für das eigene und das Ergehen der Welt zugestanden – und aufgebürdet. Und also, erst recht seit sich Großbritannien für den Brexit entschieden hat, Italien aus finanz-ökonomischen Gründen schwächelt und Frankreich wegen des Terrors und eines Präsidenten ohne alle Fortune, auch Deutschland und seiner Kanzlerin.

Aber Europas Außenpolitik ist viel weniger militärisch als die amerikanische es gewesen ist noch bis tief in Obamas Amtszeit hinein. Was es aber bedeutet, wenn auch die USA auf den Krieg als politisches Mittel verzichten, erleben die Einwohner Aleppos seit vielen Monaten. Wenn sie den vollkommenen Verlust eines Lebens in Würde oder gar der Kontrolle über Leben und Zukunft denn überleben.

Der Welt, so wie sie ist, wünscht Obama „ein Europa, das stark und wohlhabend und demokratisch ist“. Ein Amerika, das mit seinem Nachfolger weiter alle Verpflichtungen, auch die des Beistands in der Nato, erfüllt. Und Menschen überall, die sich ihrer Macht bewusst sind: „Das wichtigste Amt in der Welt ist nicht das des Premierministers oder des Präsidenten, sondern der wichtigste Titel ist der des Staatsbürgers.“

Für eine bessere Welt

Da ist sie wieder, ein letztes Mal wohl in Europa: Obamas Kunst, Worte zu Gefühlen zu fügen, zu Hoffnungen, die als Panzer gegen die Wirklichkeit taugen. Zur Vision einer besseren Welt, die erreichbar scheint. Angela Merkel ist in dieser Disziplin maximal unbegabt. Und was Donald Trump angeht, den Neuen? Hat Obama Recht, dieses eine Mal wenigstens, wäre der Präsident ja nicht so wichtig.

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