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Organspenden-Kampagne startet

So hatten sich die Parlamentarier das nicht vorgestellt, als sie parteiübergreifend die Organspendereform beschlossen. Die Spenderzahlen gehen zurück. Jetzt startet eine Spenden-Kampagne.
Ein Mann trägt eine Kühlbox für Spenderorgane. Seit den Manipulationen in einer Göttinger Klink ist die Spenderbereitschaft stark zurückgegangen. Ein Mann trägt eine Kühlbox für Spenderorgane. Seit den Manipulationen in einer Göttinger Klink ist die Spenderbereitschaft stark zurückgegangen.
Berlin. 

Zum Start der Organspendereform machen bröckelnde Spenderzahlen Ärzten und Politik Sorgen. Im Oktober gab es deutschlandweit nur rund 60 statt wie üblich 100 Organspenden pro Monat. Grund dürfte die Verunsicherung durch Tricksereien bei der Organvergabe sein. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) setzt auf stärkere Kontrollen. Die SPD plädiert für eine Verminderung der Transplantationszentren. Seit diesem Donnerstag bekommen Millionen Versicherte per Post Informationen zur Spende und Spendeausweise.

"In allen Regionen haben wir einen Rückgang bei den Organspendern außer in Baden-Württemberg", sagte die Sprecherin der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Birgit Blome, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. Bereits in den ersten drei Quartalen sei die Spenderzahl von 900 im Vorjahreszeitraum auf 829 gesunken. Nur im Südwesten stieg sie leicht von 87 auf 95.

Günter Kirste, medizinischer Vorstand der DSO, sagte im NDR, Angehörige von Verstorbenen hätten angegeben, wegen der Skandale das Vertrauen in das System verloren zu haben. In Kliniken in Göttingen, Regensburg und München soll es Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen gegeben haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Seit dem Start der Organspendereform am Donnerstag haben die Krankenkassen nun ein Jahr Zeit, Infos und Ausweise an ihre Versicherten ab 16 Jahre zu schicken. Die Techniker Krankenkasse will ihre 6,9 Millionen Versicherten bis Ende November damit versorgt haben. Die meisten andere Kassen warten noch ab.

Minister Bahr drang im HR auf einen baldigen Versand: "Einige Kassen gehen aktiv vor, andere wollen die Kosten ins nächste Jahr schieben." Nun solle aber Vertrauen durch Aufklärung zurückgewonnen werden. Aus Kassenkreisen hieß es, die Entscheidung bei den meisten Versicherungen, die Briefe erst später zu verschicken, rühre von der Hoffnung her, das Thema werde bis dahin wieder positiver gesehen. Von den 12 000 Menschen, die in ganz Deutschland auf eine Spende warten, sterben jeden Tag 3.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte: "Trotz der aufgedeckten Organspende-Skandale an ganz wenigen Kliniken bleibt es dabei, dass sich jeder mit der Frage der Organspende auseinandersetzen sollte."

Facebook-Nutzer können ihre Bereitschaft zur Organspende jetzt auch in Deutschland in ihrem Profil beim weltgrößten Online-Netzwerk anzeigen. Unterstützt wird Facebook dabei unter anderem vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier, der seiner Frau im Spätsommer 2010 eine Niere gespendet hatte. In den USA hatte Facebook die Möglichkeit zur Anzeige der Organspende-Bereitschaft schon im Mai eingeführt.

Fachpolitiker von Koalition und Opposition beraten derzeit weiter über Konsequenzen aus den Skandalen, nachdem Bahr mit den Organisationen von Ärzten, Kassen und Kliniken Ende August mehr Kontrollen und Sanktionen angekündigt hatte. Politiker wie der CSU-Gesundheitsexperte Johannes Singhammer hatten darüber hinaus mehr staatliche Aufsicht gefordert.

Die SPD-Gesundheitspolitikerin Carola Reimann forderte die Länder auf, den Weg für eine Reduzierung der rund 50 Transplantationszentren in Deutschland freizumachen. "Wir brauchen eine Konzentration", sagte sie der dpa. Die Transparenz könnte dann steigen, die Konkurrenz gesenkt werden. Außerdem sollten die einzelnen Kliniken Transplantationskonferenzen abhalten, so dass ein reibungsloser Ablauf bei der Organvergabe gefördert werde.

Im Fall Göttingen erwartet Bahr juristische Konsequenzen: "Ich rechne damit, dass bei dem Arzt in Göttingen, der sich ja zuvor in Regensburg fehlerhaft verhalten hat, dass es da auch zu harten Konsequenzen kommt, da wird das Strafrecht auch anzuwenden sein."

AOK-Chef Jürgen Graalmann betonte: "Alle AOKs bereiten derzeit die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen an ihre Versicherten vor." Bereits seit April informiere die AOK im Internet.

(dpa)
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