E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 30°C

Kurdenkonflikt flammt auf: PKK-Parolen an Frankfurter Moschee und wütende Demonstranten

Von Der türkische Militäreinsatz in Nordsyrien lässt auch in Deutschland Konflikte zwischen Türken und Kurden wieder aufflammen. In Hessen kam es bislang zwar nur zu kleineren Vorfällen, doch die Sicherheitsbehörden nehmen die Lage sehr ernst.
An dieser Moschee der Ditib-Gemeinde in Frankfurt-Höchst schmierten Unbekannte Parolen an ein Tor. Foto: Maik Reuß An dieser Moschee der Ditib-Gemeinde in Frankfurt-Höchst schmierten Unbekannte Parolen an ein Tor.
Frankfurt. 

Seitdem die türkische Armee am Wochenende mit Panzern über die Grenze zu Syrien gerollt ist, tragen auch in Hessen wütende Kurden ihren Protest gegen den Einmarsch auf die Straße. Auf der anderen Seite mobilisieren Anhänger der türkischen Regierung, um hierzulande für die „Militäroperation Olivenzweig“ zu werben.

Zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen beiden Lagern, wie am Montag in Hannover, kam es in Frankfurt und Umgebung bisher noch nicht. Doch die hessischen Sicherheitsbehörden sind alarmiert. Eine Kundgebung Erdogan-naher Türken in Frankfurt wurde am Mittwoch von einem Großaufgebot der Polizei samt Wasserwerfer begleitet. Offenbar rechneten die Einsatzkräfte mit militanten Gegendemonstranten. Es blieb diesmal jedoch überschaubar. Im Stadtteil Höchst wurde in der Nacht zuvor das Eingangstor einer türkischen Moschee mit der Parole „Intikam Afrin“ (Rache für Afrin) und dem Schriftzug „PKK“ beschmiert.

Erinnerungen an 90er

Der sich zuspitzende Konflikt weckt Erinnerungen an die 1990er Jahre. Anhängern der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK gelang es damals, in Deutschland ganze Autobahnen und Gleisanlagen lahmzulegen. Sie protestierten gegen die Festnahme des PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan.

Das hessische Innenministerium beobachtet die aktuelle Lage sehr genau: Konflikte in anderen Regionen der Welt wirken sich auch auf das Demonstrationsgeschehen in Deutschland aus, heißt es aus Wiesbaden. „Unsere Sicherheitsbehörden sind diesbezüglich wachsam und sensibel, damit solche Konflikte nicht auf deutschem Boden ausgetragen werden“, so ein Sprecher des Ministeriums.

Der Landesverfassungsschutz bemerkt, dass seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs PKK-nahe Organisationen wieder aktiver geworden sind. Auch in Hessen würden Kämpfer für die PKK und deren syrischen Ableger PYD rekrutiert. Zudem versuchten PKK-Anhänger aus dem vom Westen unterstützten Kampf der Kurden gegen den „Islamischen Staat“ eine „Legitimation für die Aufhebung des PKK-Verbots abzuleiten“, schreibt die Behörde. Unterstützt würden sie dabei von deutschen Linksextremisten.

Türkische Soldaten mit „Leopard 2”-Panzern nahe der syrischen Grenze.
Kommentar Kurden: Die Angst der Türken

Was sich derzeit in Nordsyrien abspielt, ist eigentlich unvorstellbar. Da führt der Nato-Partner Türkei eine militärische Offensive gegen die kurdische Miliz YPG, die zuvor vom Nato-Oberboss USA

clearing

Zu erkennen ist diese Unterstützung auch in Frankfurt: Unter den Gegendemonstranten, die am Mittwoch am Opernplatz „Faschist Erdogan“ und „Türkei raus aus Afrin“ brüllten, waren jüngere Deutsche, die eine rot-schwarze Anarchisten-Fahne schwenkten. Die türkische Militäroffensive gefährde die Gründung einer kurdischen Räterepublik, erklärten sie ihre Motivation.

Kritik an Ditib

Gleichzeitig wächst die Kritik an einer möglichen Einflussnahme des türkischen Staats auf das politische Klima in Deutschland. Die Frankfurter Pro-Erdogan-Demo war offenkundig professionell organisiert. Der Sprecher der Organisatoren, Teyfik Oezcan, verlas eine Erklärung der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), in der er die „Militäroperation Olivenzweig“ als notwendigen Schritt gegen kurdischen Terror verteidigte. Die UETD gilt als Lobby-Organisation der türkischen Regierungspartei AKP. Die Demonstration sei von unterschiedlichen privaten Gruppen organisiert worden, sagte Oezcan. Unterstützung aus Ankara erhalte er nicht.

Auch der Moschee-Dachverband Ditib gerät im türkisch-kurdischen Konflikt in die Kritik. Imame der Ditib sollen am vergangenen Wochenende Gläubige in mehreren deutschen Moscheen dazu aufgefordert haben, die 48. Sure im Koran zu rezitieren. Auf Türkisch heißt sie „Fetih-Sure“, auf Deutsch bedeutet das so viel wie „Der Sieg“. Dass es sich dabei um eine Anweisung aus Ankara gehalten haben soll, weist der von der türkischen Regierung kontrollierte Ditib-Verband zurück. Er fordert im Gegenzug einen besseren Schutz islamischer Einrichtungen vor Angriffen „aus dem politisch-extremen Spektrum“. Auch die diese Woche beschmierte Moschee in Höchst gehört einer Ditib-Gemeinde. Mitarbeit psc Kommentar Seite 2

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen