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Erste Pressekonferenz von Tump nach Wahl: Parforceritt mit Reporterschelte

Es ist seine erste Pressekonferenz seit Juli 2016. 60 Minuten dauert der Parforceritt durch mehr als ein Dutzend Themen. Donald Trump, 45. US-Präsident, bleibt dabei dem Wahlkämpfer in sich treu.
Donald Trump zeigt auf einen Journalisten, der ihm bei seiner ersten Pressekonferenz seit seiner Wahl eine Frage stellen darf. Foto: Seth Wenig (AP) Donald Trump zeigt auf einen Journalisten, der ihm bei seiner ersten Pressekonferenz seit seiner Wahl eine Frage stellen darf.
New York. 

Die obere Lobby im Trump-Tower. Nur wenige Schritte entfernt von der goldglänzenden Rolltreppe, die Donald Trump im Sommer 2015 herunterglitt, um seine Präsidentschaftskandidatur zu verkünden. Damals gab es kaum jemanden, der den Immobilienunternehmer für seine Pläne nicht verspottet hätte. Nun holt er die Weltöffentlichkeit zu sich nach Hause – nicht nach Washington in die Hauptstadt, sondern in seinen gläsernen Wolkenkratzer an der Fifth Avenue im Herzen Manhattans, von vielen „Whitehouse North“ genannt.

Dieter Hintermeier
Kommentar Politik Der Twitter-Präsident

Manchmal glaubt der geneigte Zeitgenosse, die Welt steht kopf. Noch vor wenigen Monaten wurden die amerikanischen Geheimdienste, allen voran die NSA, als Horte des Bösen beschrieben, weil diese millionenfach die Daten von unbescholtenen europäischen Bürgern ausspionierten.

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Es ist das erste Mal seit seinem Wahlsieg, dass Trump sich den Fragen mehrerer Journalisten stellt, und die erste Pressekonferenz seit Juli 2016. Massiv hatte Trump sich am Morgen gegen neu aufgetauchte Berichte gewehrt, Russland könne ihn mit schmutzigem Material erpressen. Eine Serie von Tweets setzte er ab, spricht von einer Hexenjagd und fragt, ob man denn jetzt „in Nazi-Deutschland“ sei.

„Beschämend, abstoßend“

Am Mittwoch überlässt Trump es zunächst seinem Sprecher, die Vorwürfe in aller Schärfe zurückzuweisen: beschämend, abstoßend. Dann verliest Vize Mike Pence ein Statement, und schließlich, um 17.19 Uhr (MEZ), betritt Trump die Bühne.

Die magentafarbene Krawatte im scharfen Kontrast zur blauen Wand hinter ihm, steht er vor zehn US-Flaggen an einem Podium. 300 Journalisten drängen sich auf dem Marmorboden. Das Titelfoto der „New York Times“ zeigt Vorgänger Barack Obama, wie er sich nur wenige Stunden zuvor bei seiner Abschiedsrede in Chicago Tränen aus dem Gesicht drückt.

Nach etwas wirren ersten zehn Minuten Statement starten Fragen und Antworten. Was folgt, ist ein Parforceritt, dem nicht immer leicht zu folgen ist.

Ja, er sehe Russland hinter den Hackingangriffen auf die US-Wahl. Nachfragen weicht er aus. Ob er mit Russlands Präsident Wladimir Putin klarkommen werde? Vielleicht, vielleicht auch nicht. In Russland müsse man immer vorsichtig sein, sagt Trump, gebe es doch kleine Kameras in den Räumen. Nein, er habe keine Schulden in Russland, und es liefen auch keine Deals. Es wäre einfach, das nachzuprüfen – man müsste nur in die Steuererklärung des nächsten Präsidenten sehen können. Die will Trump aber weiter partout nicht veröffentlichen: Sie seien uninteressant, und: „Ich wurde ja jetzt gewählt.“

Die neue Firmenstruktur

Seiner Anwältin Sheri Dillon obliegt es, die neue Struktur des milliardenschweren Trump-Imperiums zu umreißen. Trump übergibt die Macht. Neben einem Tisch voller gewaltiger Aktenstapel, die wohl für das Ausmaß geleisteter Arbeit und die hohe Komplexität der Aufgabe stehen sollen, sucht Dillon alle Vorhaltungen von Interessenkollisionen ruhig und strikt zurückzuweisen.

Die Söhne Eric und Donald Jr. sollen die vollständige Kontrolle über das weitverzweigte Reich haben, der künftige Präsident soll den Immobilienunternehmer in sich angeblich komplett verschwinden lassen. Das ist bei der engen Zusammenarbeit und dem eisenfesten Untergehaktsein der Familie schwer vorstellbar – wie so oft in Trumps Welt entsteht hier Neuland, das schwer zu kartieren sein wird.

Unangenehme Fragen wischt der 45. US-Präsident weg, bleibt in der Art seiner Antworten nah am Wahlkämpfer Trump. Mindestens latent aggressiv, aber auch offen: Wie auch immer man die Arbeit von Buzzfeed oder CNN beurteilen möchte, dass ein angehender US-Präsident Reporter als „Haufen Müll“ bezeichnet, hat es auch noch nicht gegeben. Für sich und die Seinen bleibt Trump voll des Lobes. Konkretes gibt es wenig. Was wird an die Stelle von Obamacare treten? Wer würde für eine Mauer nach Mexiko bezahlen? Man weiß es auch nach der Pressekonferenz nicht. Gleiches gilt für seine Geschäfte.

Und der ehemalige Reality-TV-Star, der nie zuvor ein politisches Amt bekleidet hat, löst großes Gelächter im Saal aus: Wenn die Söhne Eric und Donald Jr. als neue Firmenchefs nach seiner Präsidentschaft keinen guten Job gemacht haben, werde er einfach sagen: „Ihr seid gefeuert.“

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