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Grüne trotzen dem Sonntagstrend: Parteitag stärkt Spitzenduo und besinnt sich auf ureigene Themen wie Klimaschutz

Grüne Selbstzweifel, grüne Identitätskrise – war da was? Die Ökopartei berauscht sich drei Monate vor der Bundestagswahl ein bisschen an sich selbst. Jetzt muss es nur noch in der Wählergunst aufwärts gehen.
Fröhliches Tanzen beim Parteitag: Die Grünen-Spitzenkandidaten Göring-Eckardt und Özdemir (Mitte) Foto: Rainer Jensen (dpa) Fröhliches Tanzen beim Parteitag: Die Grünen-Spitzenkandidaten Göring-Eckardt und Özdemir (Mitte)
Berlin. 

Am Ende ist die Erleichterung mit Händen zu greifen, nicht nur bei den oft gescholtenen Spitzenkandidaten Cem Özdemir und Katrin Görig-Eckardt. Im Eiltempo haben die Grünen die letzte Runde ihres Parteitags hinter sich gebracht. Wahlprogramm verabschiedet, offene Konflikte vermieden, Geschlossenheit demonstriert. Mission erfüllt. Erschöpft und zufrieden nach drei Tagen Debatte und 2200 Änderungsanträgen tanzt die Grünen-Spitze mit Delegierten auf der Bühne zum Nena-Hit „Irgendwo, Irgendwie, Irgendwann“.

Nicht irgendwann, sondern im Herbst wollen die Grünen nach zwölf Jahren endlich wieder auch im Bund an die Regierung. Auch nicht irgendwie, sondern mit klaren Forderungen nach Klimaschutz, Agrarwende und sozialer Gerechtigkeit. Nur mit wem, das muss zwangsläufig offen bleiben. Anträge, eine Koalition zumindest mit der CSU auszuschließen oder Rot-Rot-Grün im Wahlprogramm zu nennen, fallen durch.

Den jüngsten Sonntagstrend, der den Grünen nur sieben Prozent gibt, ignoriert der Parteitag trotzig. Drittstärkste Partei möchten sie werden, derzeit liegen sie je nach Umfrage eher auf Platz fünf. Gefordert ist eine riesige Kraftanstrengung. Dass dies nicht unmöglich ist, zeigt der Kongress im Berliner Velodrom.

Die Grünen machen sich die drei Tage über vor allem Mut. Mit einer beeindruckend professionellen Inszenierung präsentieren sich die Spitzenkandidaten, umgeben von Direktkandidaten oder Neumitgliedern. Özdemir und Göring-Eckardt gehen gestärkt in die entscheidende Phase des Wahlkampfs. Knallige Reden, Frontalangriffe auf Kanzlerin Angela Merkel und den Status quo. Der Klimaschutz steht ganz oben, der Markenkern der Grünen, mit der Aufkündigung des Pariser Abkommens durch US-Präsident Donald Trump aktueller denn je. Vielleicht eine Chance.

Die „Ehe für alle“ ist auch ein großes Thema in Berlin – wenn auch eher hinter den Kulissen. Ohne eigene Abstimmung und nicht ganz im Sinne der Parteiführung verhandelt der Abgeordnete Volker Beck sie sogar als „rote Linie“ für Koalitionen ins Wahlprogramm hinein.

„Ein hervorragendes, ein mutiges, ein weitsichtiges Wahlprogramm“, sagt Fraktionschef Anton Hofreiter. Es sei „real und radikal“ zugleich. Der Mann des linken Flügels stellt sich damit demonstrativ hinter das Spitzenduo.

Der Ausstieg aus der Kohle ersetzt bei den Grünen den Atomausstieg als Herzensprojekt. Das größte deutsche Braunkohlekraftwerk stoße so viel Klimagase aus wie 13,5 Millionen Autos, sagt Winfried Kretschmann dem Parteitag. Auch der grüne Ministerpräsident und Ober-Realo aus dem Autoland Baden-Württemberg schließt die Reihen, Streit mit den Bundes-Grünen war gestern.

Die annähernd perfekte Parteitagsregie verhindert das Aufbrechen alter Flügel-Konflikte, zumindest fast: Canan Bayram, als Kandidatin in Berlin-Kreuzberg Nachfolgerin des Altlinken Hans-Christian Ströbele, ruft dem umstrittenen Tübinger OB Boris Palmer zu, er solle doch „einfach mal die Fresse halten.“ Der wehrt sich später, schließt seine Rede aber versöhnlich: „Nur Tübingen und Kreuzberg gemeinsam gewinnen Bundestagswahlen.“

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