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Helfer in U-Haft: Perfider Terrorplan: Immer neue Details über Offenbacher Bundeswehr-Offizier und Komplizen

Von Drei Terrorverdächtige wollten hochrangige Vertreter des „öffentlichen Lebens“ angreifen, weil diese für eine angeblich verfehlte Flüchtlingspolitik verantwortlich seien. Die Tat sollte Asylbewerbern in die Schuhe geschoben werden.
Außenansicht der Kaserne des Jägerbataillons 291 in Illkirch bei Straßburg. Hier war der terrorverdächtige Oberleutnant Franco A. stationiert. Foto: Patrick Seeger Außenansicht der Kaserne des Jägerbataillons 291 in Illkirch bei Straßburg. Hier war der terrorverdächtige Oberleutnant Franco A. stationiert. Foto: Patrick Seeger
Frankfurt/Karlsruhe. 

Im Fall des unter Terrorverdacht stehenden Offenbacher Bundeswehr-Offiziers, Franco A., hat die Bundesanwaltschaft den 27-jährigen Maximilian T. in Kehl, der deutschen Nachbarstadt von Straßburg, festnehmen lassen. Am gestrigen Nachmittag sei der Haftbefehl „in Vollzug gesetzt“ worden, so Stefan Biehl, Sprecher der Bundesanwaltschaft im Gespräch mit dieser Zeitung.

T. sei dringend verdächtig, „aus einer rechtsextremistischen Gesinnung heraus“ gemeinsam mit dem Ende vergangenen Monats festgenommenen Soldaten Franco A. und dem Studenten Mathias F. eine „schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben“, wie die Bundesanwaltschaft weiter mitteilte. F. studierte an der Fachhochschule in Friedberg Wirtschaftsingenieurwesen.

Wie diese Zeitung aus studentischen Kreisen in Friedberg erfuhr, hätten sich Mathias F. und Franco A. in einem Offenbacher Ruderclub kennengelernt. In seiner Fachschaft und innerhalb der Verwaltung des Hochschule sei der Student „nicht aufgefallen“. Das änderte sich, als am 26. April ein „großes Polizeiaufgebot“ Mathias F. in einem Studentenwohnheim im Friedberger Stadtteil Fauerbach festnahm. Die Studenten sind hier in verschiedenen Wohnformen untergebracht, rund 200 Euro zahlen sie jeweils monatlich für ihre Unterkunft.

ARCHIV - Jacken der Bundeswehr mit ansgenähter Deutschlandflagge hängen am 06.12.2016 in Münster (Nordrhein-Westfalen) an einer Garderobe.    (Illustration zu dpa «Franco A. wuchs mit Ausländern auf und wollte schon früh zum Bund» vom 10.05.2017) Foto: Marcel Kusch/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Terrorverdächtiger Oberleutnant Franco A. und seine Offenbacher Wurzeln - eine Spurensuche

Der unter Terror-Verdacht festgenommene Oberleutnant Franco A. stammt aus Offenbach. In der Stadt mit dem höchsten Ausländeranteil in Deutschland ging er zur Schule. Fiel er schon damals mit fremdenfeindlichen Äußerungen auf?

clearing

Nachdem der Fall ihres Kommilitonen T. für Schlagzeilen sorgte, seien auch innerhalb der Studentenschaft Recherchen über ihn angestrengt worden, wie diese Zeitung erfuhr. Ziel sei es gewesen, herauszufinden, ob sich Mathias T. möglicherweise ein rechtsextremes Netzwerk an der Hochschule aufgebaut habe. Bisher deute nichts darauf hin.

Trotz der großen öffentlichen Aufmerksamkeit, die der Fall erregte, wundern sich einige Studentenvertreter, dass „90 Prozent“ der Kommilitonen aus dem Fachbereich von Mathias F. „nichts“ über die Vorwürfe gegen ihren Mitstudenten wussten.

Nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen der Bundesanwaltschaft haben Franco A., Mathias F. und Maximilian T. einen Angriff auf das Leben „hochrangiger Politiker und Personen des öffentlichen Lebens“ geplant. Dieser Personenkreis sei nach Auffassung der Beschuldigten für „eine verfehlte Politik in Ausländer- und Flüchtlingsangelegenheiten verantwortlich“.

Schuld abschieben

Konkret hätten die Beschuldigten ihre möglichen Anschlagsopfer in einer Liste unter verschiedenen Kategorien erfasst. Unter A seien unter anderem der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck und Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz, verzeichnet gewesen.

Die Terror-Tat ausführen sollte Franco A., wie die Bundesanwaltschaft berichtete. Dazu habe er sich unter einer fiktiven Identität eines syrischen Flüchtlings als Asylsuchender registrieren lassen. Auf diese Weise hätten die Beschuldigten nach dem Anschlag den Verdacht auf in Deutschland erfasste Asylbewerber lenken wollen. Im Laufe der Zeit habe Franco A. wiederholt Leistungen nach dem Asylbewerber-Gesetz bezogen, die er zum Teil bei den örtlichen Behörden persönlich abgeholt habe. Die dadurch entstandenen Abwesenheiten von A. habe „zumindest zum Teil“ Maximilian T. gedeckt, in dem er Franco A. bei Vorgesetzten für sein Fernbleiben entschuldigte.

Zur Vorbereitung des „Angriffs“ hätten sich die Beschuldigten in Österreich eine Pistole des Herstellers Browning beschafft und versteckt hätten. Später habe Franco A. dann die Waffe an sich genommen und sie in einem Putzschacht auf einer Behindertentoilette am Wiener Flughafen verwahrt. Dort sei sie wenig später von Beamten der österreichischen Polizei entdeckt worden.

Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft, sollte die von den drei Beschuldigten geplante Tat „von der Bevölkerung als radikal-islamistischer Terrorakt eines anerkannten Flüchtlings aufgefasst werden“. Gerade im Hinblick auf die fortdauernde öffentliche Diskussion in der Ausländer- und Flüchtlingspolitik hätte ein vermeintlicher Terrorakt eines registrierten Asylsuchenden besonderes Aufsehen erregt und zu dem allgemeinen Gefühl einer Bedrohung beigetragen, so die Ermittler in ihrem Fazit.

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