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Pompeo weist „Gangster”-Vorwurf Nordkoreas zurück

US-Außenminister Pompeo hat mit Nordkorea über die versprochene Abrüstung verhandelt. Aus dem abgeschotteten Land kommen nun Vorwürfe, der frühere CIA-Chef sei wie ein Gangster aufgetreten. Was lief da schief?
US-Außenminister Mike Pompeo reiste nach seinem Besuch in Nordkorea weiter nach Japan. Hier bei seiner Ankunft auf dem Flughafen in Tokio. Foto: Andrew Harnik/Pool AP US-Außenminister Mike Pompeo reiste nach seinem Besuch in Nordkorea weiter nach Japan. Hier bei seiner Ankunft auf dem Flughafen in Tokio.
Seoul/Tokio. 

Wenige Wochen nach dem aufsehenerregenden Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat die Annäherung zwischen beiden Ländern einen Dämpfer erhalten.

Nach einem Besuch von US-Außenminister Mike Pompeo in Pjöngjang warf das nordkoreanische Außenministerium der US-Seite eine „gangstermäßige Denkweise” vor. Zugleich warnte es vor einem Scheitern der Gespräche über die Abrüstung der nordkoreanischen Atomwaffen. Pompeo wies die scharfe Reaktion zurück und sprach dagegen von einem „Fortschritt in fast allen zentralen Fragen”.

Warum die Bewertung des Treffens so unterschiedlich ausfiel, blieb zunächst unklar. Pompeo sagte nach seiner Rückkehr aus Nordkorea in Tokio: „Als wir über den Umfang der Denuklearisierung sprachen, gab es keinen Widerspruch.” In Anspielung auf die Forderung Amerikas, Nordkorea müsse vollständig atomar abrüsten, sagte der US-Chefdiplomat: „Falls solche Forderungen gangstermäßig sind, dann ist die Welt ein Gangster.” Es habe eine einstimmige Entscheidung im UN-Sicherheitsrat darüber gegeben, was erreicht werden müsse.

Der Atomstreit ist einer der gefährlichsten Konflikte weltweit. Nordkorea verfügt nach eigenen Angaben über Raketen, die einen atomaren Sprengkopf bis auf das US-Festland befördern können.

Pompeo sprach bei einer Pressekonferenz mit der südkoreanischen Außenministerin Kang Kyung Wha und dem japanischen Kollegen Taro Kono. Pompeo hatte beide über seine Unterredungen mit Vertretern der international isolierten nordkoreanischen Führung am Freitag und Samstag unterrichtet. Bei seinem dritten Besuch in Nordkorea innerhalb weniger Monate kam Pompeo erneut mit dem hohen Parteifunktionär und früheren Geheimdienstchef Kim Yong Chol zusammen, der ein enger Berater von Machthaber Kim Jong Un ist.

Nordkoreas Außenministerium warf der US-Verhandlungsseite vor, mit einer „gangstermäßigen Forderung” einseitig Druck auf Nordkorea auszuüben, um das Land zur atomaren Abrüstung zu zwingen. Das Gesprächsergebnis könne man nur als „bedenklich” bezeichnen, wurde ein Sprecher von Staatsmedien zitiert. Falls die USA in alte Gewohnheiten zurückfielen und wie schon frühere Regierungen Nordkorea zwingen wollten, „wird das zu nichts führen”, drohte der Sprecher. Nordkoreas „unerschütterlicher Wille zur Denuklearisierung” könne brüchig werden.

Pompeo sprach dagegen von einem Fortschritt in quasi allen zentralen Fragen. Er schränkte jedoch ein, dass in manchen Bereichen noch viel Arbeit zu tun sei. Am Sonntag bekräftigte er die Position der USA, Japans und Südkoreas, dass die Sanktionen gegen Nordkorea bis „zur endgültigen, vollständig überprüfbaren Denuklearisierung” bestehen blieben. Fortschritte allein würden nicht die Lockerung von Sanktionen rechtfertigen.

Nordkoreas Machthaber hatte beim Treffen mit Trump am 12. Juni in Singapur seine Bereitschaft „zur kompletten Denuklearisierung” bekräftigt. Es blieb jedoch unklar, wie und bis wann die Abrüstung erfolgen soll. Trump hatte Nordkorea seinerseits unter anderem „Sicherheitsgarantien” versprochen.

Washington hofft, sich mit Pjöngjang auf einen detaillierten Zeitplan für die Abrüstung einigen zu können. In den USA kamen jedoch zuletzt neue Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Abrüstungsbeteuerungen Pjöngjangs auf. In den USA waren Geheimdienstinformationen bekanntgeworden, wonach Nordkorea an neuen Aktivitäten zur Urananreicherung arbeitet. Hoch angereichertes Uran kann zur Atomwaffenproduktion verwendet werden.

(dpa)
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