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Türkei-Wahl: Präsidentschaftswahl: Im Generalkonsulat in Frankfurt wird seit gestern abgestimmt

Zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl können die in Deutschland lebenden Wahlberechtigten seit gestern ihre Stimme abgeben. Die aufgeheizte Stimmung des Wahlkampfes ist vor dem türkischen Generalkonsulat in der Kennedyallee deutlich zu spüren.
Eine Sicherheitsmitarbeiterin zeigt im Wahlzelt auf dem Gelände des türkischen Generalkonsulats einem Mann den Weg. 1,4 Millionen Türken in Deutschland können bereits heute ihre Stimme abgeben. Foto: Andreas Arnold (dpa) Eine Sicherheitsmitarbeiterin zeigt im Wahlzelt auf dem Gelände des türkischen Generalkonsulats einem Mann den Weg. 1,4 Millionen Türken in Deutschland können bereits heute ihre Stimme abgeben.
Frankfurt. 

Akdag ist der Einzige, der reden möchte. Und das auch nur, wenn sein Nachname nicht in der Zeitung auftaucht. Nicht, dass es Probleme gibt, man kann nie wissen. Aber reden will er doch, die Wut ist stärker als die Vorsicht. Die Wut auf den Mann, der die Türkei in einen autokratischen Staat umgewandelt hat, wegen dem sein Vater vielleicht bald wieder ins Gefängnis muss, und der sich jetzt, ein Jahr früher als von der Verfassung vorgesehen, wiederwählen lassen will: Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Republik Türkei.

„Ein Diktator“

Gerade in Deutschland gibt es viele Türken, die in Erdogan den starken Staatsmann sehen, einen der die Dinge anpackt und die Interessen seines Landes gegen die der internationalen Staatengemeinschaft verteidigt. Akdag, Mitte 30, Kurde aus dem anatolischen Batman, steht vor dem türkischen Generalkonsulat in der Frankfurter Kennedyallee, in dem die in Deutschland lebenden Türken seit gestern über ihren Staatschef abstimmen können und sagt: „Der Mann ist ein Diktator!“

Wie so oft ist es bei einer ideologisch aufgeladenen Wahl wie der jetzigen in der Türkei schwierig zu differenzieren. Wer sagt die Wahrheit, was ist Propaganda? Akdag ist überzeugter Anhänger der Kurdenpartei HDP, lebt seit 17 Jahren in Deutschland, und macht der türkischen Regierung schwere Vorwürfe: Zum Beispiel, dass in seinem Pass „Religionszugehörigkeit: muslimisch“ steht. „Dabei bin ich Jeside, also Christ“, empört sich Akdag, „warum darf das nicht in meinem Pass stehen?“

Akdag erhofft sich ein Ergebnis zwischen elf und zwölf Prozent für seine Partei.

Bei vielen anderen Türken in Deutschland genießt Staatspräsident Erdogan dagegen hohes Ansehen. Bei vergangenen Wahlen erzielte er hierzulande teils bessere Ergebnisse als in der Türkei.

Polarisierte Gesellschaft

Warum stimmen hier so viele Wähler für ihn? Man würde gerne mit den Wählern ins Gespräch kommen, sie nach den Gründen ihrer Wahlentscheidung befragen. Doch vor dem Generalkonsulat möchte niemand mit der Presse sprechen. Keine Zeit, kein Interesse, einer wird ausfallend.

Der Bremer Politikwissenschaftler und Türkei-Experte Roy Karadag hat eine Erklärung für die Zurückhaltung vieler Deutschtürken beim Thema Politik. „Die türkische Gesellschaft ist polarisiert“, sagt er, „trotz der Repressionen und Tricks von Erdogan ist das Wahlergebnis keinesfalls klar“. Zudem hätten viele der in Deutschland lebenden Türken keine Lust zuzugeben, für Erdogan gestimmt zu haben. „Sie wissen, dass das hier einer extra Erklärung bedarf.“

Türken wenden sich vor den Wahlen alternativen Medien zu

Wer regierungskritische Nachrichten in der Türkei lesen oder sehen will, muss heute lange suchen. Mit Ausnahme einer Handvoll kleiner Zeitungen sind alle etablierten Medien in der Hand regierungsnaher Konzerne.

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Für den Politikwissenschaftler liegt die Spaltung und das Misstrauen vieler (Deutsch-)Türken an mehreren Konfliktlinien. Religiös gegen nicht religiös, Türken gegen Kurden, Aleviten gegen Sunniten und nicht zuletzt das Erdogan-Lager und seine Gegner. „Hinzu kommt, dass sich entgegen vieler Erwartungen das Wahlergebnis nicht vorhersagen lässt. Die Ungewissheit sorgt dafür, dass man seine Meinung lieber nicht sagt.“

Das Misstrauen der Presse gegenüber, Akdags Vorwurf gegen das System Erdogan: Die aufgeheizte Atmosphäre, in der die türkische Präsidentschaftswahl stattfindet, ist vor dem türkischen Generalkonsulat deutlich zu spüren. Ein präzises Stimmungsbild der deutsch-türkischen Community zu zeichnen, ist beinahe unmöglich, zu verhärtet scheinen die verschiedenen Positionen. Akdag, der kurdische HDP-Anhänger, wünscht sich von der Wahl vor allem eins: „Erdogan muss weg!“

dfg f dgh tg

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