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Klimawandel: Prognose: Dieser Winter ist ein Vorbote

Von Meteorologen können nur das das Wetter der nächsten fünf Tage sicher voraussagen. Klimaexperten trauen sich an Prognosen für die nächsten hundert Jahre. Und die fallen trübe aus.
Diese Bild hatten wir im Dezember und Januar zur Genüge: Wolken ziehen am Himmel dahin. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist es in Deutschland noch nie so trüb und grau gewesen wie bisher in diesem Winter. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Diese Bild hatten wir im Dezember und Januar zur Genüge: Wolken ziehen am Himmel dahin. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist es in Deutschland noch nie so trüb und grau gewesen wie bisher in diesem Winter.
Frankfurt. 

Trüb und dunkel, das war bisher der Winter 2017. Wer den Eindruck hat, dass es diesmal besonders schlimm war, hat Recht. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist es in Deutschland noch nie so trüb und grau gewesen wie in diesem Winter. Erstmal kein Grund zur Sorge, sagt Professor Joachim Curtius, Atmosphärenforscher und Klima-Experte an der Goethe-Universität in Frankfurt. Und doch ist dieser Winter Vorbote für eine Herausforderung, die uns bevorsteht. Denn er ist nicht nur dunkel, sondern auch mild. „In den vergangenen 100 Jahren ist die Temperatur um ein Grad gestiegen“, sagt Curtius. Dies sei eine Auswirkung des bereits stattfindenden Klimawandels.

Wandel als Chance

Wie heftig die Auswirkung der Erderwärmung sein wird, darüber sind sich die Experten uneins. Milde Winter, in denen die Temperatur selten unter null Grad fällt und heiße Sommer sind für den Atmosphärenforscher Curtius allerdings sehr wahrscheinlich.

Wenn in kommenden Jahrzehnten in anderen Teilen der Welt Hitze- und Dürreperioden das Leben beschwerlich machen, könnte es allerdings im Rhein-Main-Gebiet noch erträglich sein. Es könnte laut Curtius noch mehr Menschen in die Region Rhein-Main ziehen als ohnehin schon. Bereits jetzt rechnet der Regionalverband Rhein-Main bis 2030 mit einem Bevölkerungswachstum von rund 8,5 Prozent auf 2,4 Millionen Menschen.

Für den Klima-Experten Curtius verbirgt sich darin eine große Chance; nämlich das Potenzial „einer lebenswerten Megametropole“. Die Region habe beste Voraussetzungen, sich gut zu entwickeln. Auch deshalb, weil sie sich bereits dezentral, also aus vielen kleineren Kommunen, zusammensetzt. Denn im Vergleich zu Megametropolen in China, die sehr schnell wachsen müssten, habe man hier außerdem noch ausreichend Zeit – vorausgesetzt man fange jetzt damit an, die bauliche Entwicklung zu planen.

Gerade für die zu erwartenden sehr heißen Sommer, wie wir ihn im Jahr 2003 hatten, müssten ausreichend Grünflächen und Frischluftschneisen die Innenstädte kühlen. 2003 gab es in Frankfurt 75 Sommertage, also Tage, an denen mehr als 25 Grad gemessen wurden. Normal sind 35. Es gibt laut Curtius Berechnungen, dass im Jahr 2100 jeder dritte Sommer solche Temperaturen bringt.

Viele kleine Zentren

Entscheidend sei dabei, dass sich auch die Rhein-Main-Metropole der Zukunft auf viele kleine Zentren aufteilt, die alltäglichen Wege kurz, und der öffentliche Personennahverkehr ausgebaut sind. Daran, dass die Weltgemeinschaft es schafft, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, wie es 2015 im Pariser Abkommen beschlossen wurde, glaubt er nicht. „Ausgeschlossen ist es nicht, aber extrem schwierig“, so Curtius.

Folgen nicht abzusehen

Martin Lanzendorf, Professor für „Mobilitätsforschung in der Metropolregion“ an der Goethe-Universität, sieht die Zukunft pessimistischer. „Es gibt noch wahnsinnige Unsicherheiten, inwieweit die Region in Zukunft wachsen wird“, sagt er. Dies hänge von einer Fülle von Faktoren ab: Soziale, aber auch politische Entwicklungen seien ebenso wichtig wie Umweltfaktoren.

Er appelliert eindringlich an die Politik, das Thema Klimawandel nicht so zu vernachlässigen, wie es aktuell der Fall sei. Dass in der aktuellen Debatte auf Bundesebene um eine neue Große Koalition zwischen CDU, CSU und SPD, Klima- und Umweltschutz so eine kleine Rolle spiele, „sei eine große Katastrophe.“ Für Lanzendorf sei es immer noch wichtiger, zunächst den Klimawandel zumindest zu bremsen, als bereits jetzt mit den Folgen leben zu wollen.

Denn die seien auch für gemäßigte Regionen wie das Rhein-Main-Gebiet noch nicht abzusehen. Gerade die CO2-Emissionen müssten drastisch reduziert werden um Folgen noch unbekannten Ausmaßes zumindest einzudämmen.

Erst am Dienstag hat das Umweltbundesamt bekannt gegeben, dass die CO2-Emissionen 2016 erneut gestiegen sind.

Im Verkehrssektor werden mehr Emissionen ausgestoßen als 1990. Deutschland wird somit sein eigenes Klimaziel für 2020 verfehlen.

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