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Pflanzengift: Protest gegen Glyphosat-Einsatz

Von Das Pflanzengift Glyphosat ist seit langem umstritten. Umweltverbände laufen Sturm dagegen. Zukünftig soll der Einsatz nach Plänen von Union und SPD zwar minimiert werden, aber die Bahn versprüht das Mittel weiter in rauen Mengen.
Symbolbild Foto: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild) Symbolbild
Mainz/Wiesbaden. 

Das umstrittene Pflanzengift Glyphosat wird in Deutschland noch immer massenweise eingesetzt. Die Grünen nehmen nun einen Großverbraucher ins Visier: 70 Tonnen Glyphosat setzte die Deutsche Bahn allein 2016 ein. Das umstrittene Totalherbizid wird auf Schottergleisen versprüht, um die Gleise frei von Pflanzenbewuchs zu halten. 60 000 Kilometer Gleise hat die Deutsche Bahn, der Einsatz sei aus Gründen der Verkehrssicherheit nötig. Die Behandlung auf den Bahnstrecken erfolge einmal pro Jahr durch Fachfirmen, sagte eine Sprecherin.

Die Bahn müsse ihren Glyphosat-Einsatz möglichst schnell beenden, fordern hingegen die Grünen in einem offenen Brief an Bahnchef Rüdiger Lutz. Glyphosat ist seit Jahren hochumstritten, das Pflanzengift schädige nachweislich die Artenvielfalt und sei eine Bedrohung für Insekten und Vögel, betonen die Grünen. Studien der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge ist Glyphosat zudem wahrscheinlich krebserregend.

„Deutschland muss zusammen mit Frankreich einen schnellstmöglichen Glyphosat-Ausstieg auf den Weg bringen”, sagt Fraktionschef Anton Hofreiter.
Glyphosat Kommentar: Gesund ist das nicht

Nicht alles, was erlaubt ist, ist gesund. Diese Lebensweisheit lässt sich auch auf den Unkrautvernichter Glyphosat anwenden, dessen Zulassung eine Mehrheit der EU-Staaten Ende November für fünf Jahre verlängert hat.

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Die eingesetzten 70 Tonnen seien eine „beträchtliche Menge“, die Notwendigkeit, Gleise pflanzenfrei zu halten, sei „kein Freifahrschein für die Chemiekeule“, sagte die Landwirtschaftssprecherin der hessischen Grünen, Martina Feldmayer, die den offenen Brief initiierte. Die Deutsche Bahn dürfe sich einer der wichtigsten umweltpolitischen Debatten dieses Jahrzehnts nicht verschließen und müsse die Nutzung von Glyphosat beenden. „Wir wollen nicht, dass dieses Pflanzengift auf Äcker und Teller kommt und die Artenvielfalt zerstört“, betonte Feldmayer.

Anlass für den offenen Brief, den alle Landtagsfraktionen der Grünen bundesweit unterzeichneten, ist eine Ankündigung der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB), aus der Nutzung von Glyphosat auszusteigen. Die ÖBB habe bereits in den vergangenen drei Jahren die eingesetzte Menge Glyphosat auf 4,7 Tonnen halbiert. Man wolle „möglichst schnell und deutlich vor Ablauf der EU-Frist von fünf Jahren“ aus der Verwendung von Glyphosat aussteigen, sagte ÖBB-Chef Andreas Matthä.

Für Deutschland haben CDU, CSU und SPD während ihrer Regierungssondierung „eine systematische Minderungsstrategie“ von Glyphosat angekündigt. Die EU-Zustimmung zum weiteren Einsatz für fünf Jahre war durch das Ja von Landwirtschaftsminister Schmidt (CSU) ermöglicht worden. Seine Zustimmung erzürnte die SPD, da es gegen die Koalitionsabmachung war. Kurzfristig war die aktuelle Sondierung in Gefahr.

Bahn weist Kritik zurück

Bei der Bahn hieß es zur Kritik der Grünen, die Einsatzmenge des Pflanzenschutzgiftes habe durch verbesserte Technik in den vergangenen Jahren reduziert werden können. Die 70 Tonnen entsprächen zudem nur 0,15 Prozent der in Deutschland pro Jahr insgesamt ausgebrachten Herbizidmengen und 0,1 Prozent der gesamten Pflanzenschutzmittelmengen. Weder thermische noch mechanische Verfahren stellten eine Alternative dar. Die hessische Grünen-Landtagsabgeordnete Feldmayer kritisierte, die Bahn mache es sich damit zu einfach: „Sie könnte thermische Bearbeitung erproben und sich die Erkenntnisse der ÖBB zunutze machen.“ Die Bahn müsse sich als größter Einzelverbraucher von Glyphosat in Deutschland ihrer Verantwortung für die Umwelt stellen.

Zupfen statt Sprühen

Die Kommunen in der Region gehen unterschiedlich mit Glyphosat um: In Frankfurt, Hofheim, Bad Homburg und Rüsselsheim wird Glyphosat nicht mehr eingesetzt, dagegen in Limburg und teilweise in Trebur schon. Ohne das Mittel auszukommen, ist nicht immer einfach. Rüsselsheim hat beispielsweise schon viele Alternativen ausprobiert, die aber keinen echten Erfolg brachten. Auch Glyphosat-Gegner räumen ein, dass man ohne den Einsatz des Pflanzengifts zehnmal soviel Arbeitszeit benötigt, wenn es heißt: „Zupfen statt Sprühen“.

(Mitarbeit: ds, göc)

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