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Keimzelle des Terrors?: Pulverfass Zentralasien

Viele ehemalige Sowjet-Satellitenstaaten leiden unter Armut und Korruption. Das macht vor allem junge Männer anfällig für islamistisches Gedankengut.
Das Tatfahrzeug (Bildmitte) steht im Eingangsbereich eines Kaufhauses in Stockholm. Foto: Foto: Andreas Schyman/TT NEWS AGENCY Das Tatfahrzeug (Bildmitte) steht im Eingangsbereich eines Kaufhauses in Stockholm.
Berlin. 

Nach Erkenntnissen der schwedischen Polizei war es ein Usbeke, der in die Menschenmenge in der Stockholmer Fußgängerzone raste. Der Terroranschlag in St. Petersburg wurde laut russischer Polizei von einem in Kirgistan geborenen Usbeken verübt, der seit einigen Jahren in Russland lebte. Die Anschläge werfen ein Schlaglicht auf Usbekistan und ganz Zentralasien. In kaum einer anderen Region der Welt ist der Boden für gewaltbereite Islamisten und Terroristen so fruchtbar. Es besteht die Gefahr, dass dies auch Europa zukünftig immer stärker bedrohen wird.

Chaos und Korruption

Seit der Unabhängigkeit werden die Staaten Zentralasiens von autoritären Präsidenten wie Nursultan Nasarbajew in Kasachstan, Emomalii Rahmon in Tadschikistan und den, im Herbst 2016 verstorbenen, usbekischen Diktator Islom Karimow gelenkt. Einzig in Kirgistan gab es Bemühungen, eine Demokratie zu errichten. Allerdings wird die Demokratisierung durch Armut, Korruption und ethnische Konflikte belastet. Probleme, die Kirgistan mit seinen Nachbarstaaten teilt.

Für die meisten jungen Menschen gibt es keine wirtschaftlichen Perspektiven in Zentralasien. Bleibt nur der Weg in die Migration, meist nach Russland. Oder sich einer der radikalislamistischen Gruppierungen anzuschließen, die in der Region an Einfluss gewinnen.

Der mutmaßliche Attentäter von Stockholm ist ein Usbeke. Bild-Zoom Foto: Polizei (TT NEWS AGENCY/AP)
Der mutmaßliche Attentäter von Stockholm ist ein Usbeke.

Der kasachische Politologe Dosym Satpajew: „Viele suchen schon jetzt Zuflucht in der Religion. Es gibt eine soziale Basis für islamistischen Extremismus. Und sie wird wachsen.“ So zählt die Organisation „Hizb ut Tahir“ bis zu 100 000 Anhänger in Zentralasien und ist damit eine der größten islamistischen Bewegungen der Region. Zum Programm der „Hizb ut Tahir“ gehört die Einführung der Scharia. Islamisten aus Zentralasien kämpfen aufseiten der Taliban in Afghanistan und in den pakistanischen Grenzgebieten.

In den letzten Jahren hat der IS Tausende zentralasiatische Kämpfer rekrutiert. Sie kämpfen in Syrien und dem Irak und mehrfach waren IS-Anhänger aus Zentralasien an der Ausführung von Terroranschlägen beteiligt. So wurde der Anschlag auf dem Istanbuler Flughafen im Juni 2016 von einem Kirgisen, einem Usbeken sowie einem IS-Kämpfer aus der russischen Kaukasusrepublik Dagestan ausgeführt. Ebenfalls in Istanbul ermordete im Januar ein Usbeke beim Anschlag auf einen Nachtklub 39 Menschen.

Der IS reklamierte den Anschlag für sich. Längst sind aber auch westeuropäische Länder im Fokus zentralasiatischer Terroristen. So hatte die sogenannte „Sauerlandgruppe“, deren Anschlagspläne in Deutschland 2007 aufgedeckt wurden, Verbindungen zur usbekischen „Islamischen Dschihad-Union“. Offenbar hatte die Dschihad-Union zugleich enge Kontakte zum usbekischen Geheimdienst wie das deutsche Nachrichtenmagazin „Monitor“ meldete.

USA ziehen sich zurück

Seit etwa einem Jahr ist eine verstärkte Aktivität terroristischer Gruppen in Zentralasien zu beobachten. So kamen bei einem Überfall auf eine Militäreinheit im Nordwesten Kasachstans im vergangenen Jahr mindestens 19 Menschen ums Leben. Die kasachische Regierung machte Islamisten für den Anschlag verantwortlich.

Auch Kirgistan wurde im vergangenen Jahr vom Terror getroffen. Ein Selbstmordanschlag gegen die chinesische Botschaft in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek unterstreicht die Gefährdung des Landes. Bereits in den Monaten zuvor wurden mehrfach Islamisten festgenommen, die Anschläge im Land geplant hatten. Der Anschlag auf die chinesische Botschaft richtete sich gegen den Einfluss Chinas auf das Nachbarland. Auch die Präsenz Russlands und der USA in der Region wird von den Islamisten abgelehnt. Allerdings mussten die Amerikaner ihre Militärbasis in Kirgistan 2014 schließen. Russland dagegen unterhält sowohl in Kirgistan als auch im Nachbarland Tadschikistan Militärstützpunkte.

Das russische Militär soll die beiden Staaten im Kampf gegen die Islamisten unterstützen. So sagte der kirgisische Präsident Atambajew im März 2015: „Derzeit hilft uns nur Russland in unserem Kampf gegen Terrororganisationen.“

Der Anschlag in Stockholm zeigt, dass die Bedrohung durch Terroristen und Islamisten aus Zentralasien aber auch für Europa sehr real geworden ist. Sie bringen genügend Kampferfahrung, Fanatismus und Hass gegen die „Ungläubigen“ mit, um Anschläge in einem größeren Ausmaß durchzuführen.

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