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Raus aus der Hängematte

Von Bastian von Jarzebowski Während die einen brandschatzend durch die Straßen Athens ziehen, andere das Land verlassen, macht sich eine Gruppe gut ausgebildeter Hoffnungsträger auf, die Zukunft Griechenlands zu gestalten. Junge Griechen diskutieren über Geschäftsideen.	Foto: Aurelija Sukeviciute Junge Griechen diskutieren über Geschäftsideen. Foto: Aurelija Sukeviciute

Frankfurt/Athen. 

Sonntagabend, Athen: Die Stadt brennt. Randalierer ziehen durch die Straßen, werfen Steine, zünden Geschäfte an, zerstören Autos. Seit Wochen protestieren die Griechen gegen die Sparauflagen ihrer Regierung. An diesem Wochenende explodiert die Gewalt. Die Menschen sind zornig. Es ist kein Bürgerkrieg, der da draußen tobt, aber den Bildern nach ist es nahe dran.

Szenenwechsel: Das Innere eines Geschäftsgebäudes am Rande der Hauptstadt. Auch hier kämpfen junge Griechen. Allerdings nicht mit Steinen. Sie streiten über den besten Weg, eine Internetfirma zu gründen. Sie wollen etwas aufbauen. Nicht die Krise alleine bewältigen, sich aber vorbereiten für die Zeit danach. Die Veranstaltung nennt sich "Startup-Weekend". Es geht dabei darum, innerhalb weniger Stunden Investoren, Programmierer und andere Unternehmer für eine Geschäftsidee zu begeistern und diese dann binnen 50 Stunden umzusetzen – häufig geht es um ein Onlineangebot.

Suche nach Chancen

Es sind vor allem junge, gut ausgebildete Menschen, die zu der Veranstaltung gekommen sind. Solche, die von der Krise am härtesten getroffen wurden – die Arbeitslosenquote unter Hochschulabgängern in Griechenland ist mittlerweile bei rund 50 Prozent. Viele ihrer Freunde haben das Land verlassen und eine Stelle in Deutschland, Frankreich oder England angenommen.

Die beiden Brüder von Stavros Messinis, der die Veranstaltung mitorganisiert hat, leben jetzt in England. Er ist geblieben. "Auch ich könnte gehen. Jederzeit. Wir haben uns für Griechenland entschieden. Die Krise ist eine Chance", sagt er. Vor kurzem hat er einen Bürocenter für Freiberufler und Gründungsfirmen eröffnet. Das wäre ohne die massiv gefallenen Mieten nicht so leicht gegangen. "Wir müssen innovativ sein." Das Motto der Veranstaltung hat ein junger Grieche auf sein T-Shirt drucken lassen: "Ich habe in den vergangenen 54 Stunden ein Unternehmen geschaffen. Was hast du letztes Wochenende gemacht?" Dass draußen in Athen Unruhen toben, bekommen die Nachwuchsunternehmer nur am Rande mit.

Erst später wird einer der Teilnehmer einen Anruf bekommen: Randalierer haben das Büro seines Unternehmens abgebrannt. Dann wird er zu seinem Geschäftsgebäude mitten in Athen fahren, um wenigstens die Computer zu retten. Für die Proteste haben hier die wenigsten Verständnis. "Ich nehme ihnen das übel. Viele wollen schlicht nicht arbeiten, obwohl es Stellen gäbe", sagt Paulius Uža. Er hat "Startersfund" gegründet – eine Plattform die junge Unternehmer und Investoren zusammenbringen will. "Die Ideen sind da, sie müssen nur umgesetzt werden. Nur wir selbst können etwas bewegen." Von der Hoffnungslosigkeit, die viele Griechen ergriffen hat, ist wenig zu spüren.

Auch wenn viele die Sorgen ihrer Landsleute verstehen können. "Wir sind keine Instabilität gewohnt. Sie macht uns Angst", sagt Stavros. Früher habe man nach der Universität fast eine Garantie auf einen Posten beim Staat gehabt. Damit sei es nun vorbei. "Wir müssen unsere Mentalität verändern. Aber die Gesellschaft ist nicht kaputt, nur angeschlagen." Die Mission der jungen Leute an diesem Ort an diesem Wochenende steht fest: "Wir sind die, die Griechenland reparieren müssen. Mehr als Geld brauchen wir Partner, die uns den Weg zeigen."

Weitere Informationen über die Gründerszene in Athen gibt es unter

http://athens.startupweekend.org und http://startersfund.com

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