Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Finanzspritze für den ÖPNV: Rekordsumme für Bus und Bahn in Hessen

Von Rund 800 Millionen Euro will das Land in den nächsten Jahren jedes Jahr in den ÖPNV pumpen. Damit könnten nicht nur alle Verbindungen erhalten werden, sondern auch in Netz und Betrieb investiert werden. Auch ein Schülerticket rückt in greifbare Nähe.
(Symbolbild) (Symbolbild)
Frankfurt. 

Wegen der Hängepartie bei der Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehrs gab es in Frankfurt bereits Befürchtungen, Züge abbestellen zu müssen. Das sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gestern. Doch diese Sorge ist vom Tisch: Das Land Hessen und die drei Verkehrsverbünde RMV, NVV und VRN unterzeichneten in Frankfurt eine Vereinbarung, die ein Budget in Höhe von 3,97 Milliarden Euro für Busse und Bahnen in den Jahren 2017 bis 2021 vorsieht. Eine Steigerung um 24 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode, sagte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Erstmals seit 15 Jahren werde sich das Land auch wieder mit eigenen Mitteln beteiligen, so der Minister. Neben 3,1 Milliarden Euro vom Bund und 712 Millionen aus dem Kommunalen Finanzausgleich fließen 124 Millionen aus dem Landeshaushalt in den ÖPNV.

Dies sei ein wichtiger Tag für den ÖPNV, sagte Al-Wazir. Noch nie habe in Hessen mehr Geld für den Betrieb des öffentlichen Nahverkehrs zur Verfügung gestanden. Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV), sprach von einem „verfrühten Weihnachtsmärchen“ für den ÖPNV. Sei man vor Monaten noch kurz davor gewesen, Züge abzubestellen und Fahrer zu entlassen, seien nun die Jobs der 40 000 bei Bus und Bahn Beschäftigten sicher. Jetzt könne nicht nur der Status quo gehalten, sondern auch der Nahverkehrsplan weiterentwickelt werden. OB Feldmann, auch Aufsichtsratsvorsitzender des RMV, sagte, mit dem zusätzlichen Geld könne über Ausbau und Lückenschlüsse des Netzes, längere Züge sowie bessere Nacht- und Wochenendverbindungen nachgedacht werden.

Größter Nutznießer des Finanzierungspakets ist der hiesige RMV mit einem Anteil von knapp drei Milliarden Euro. Der Nordhessische Verkehrsverbund NVV erhält gut 800 Millionen Euro und der in Südhessen länderübergreifend tätige Verkehrsverbund Rhein-Neckar 170 Millionen. Der RMV ist mit jährlich 720 Millionen Fahrgästen einer der größten Verkehrsverbünde in Deutschland.

365 Euro für Schülerticket?

In Planung ist außerdem ein landesweit gültiges Schülerticket vom kommenden Schuljahr an. „Mein Traum sind 365 Euro für 365 Tage, also ein Euro pro Tag“, sagte Al-Wazir. Allerdings seien dazu noch einige Hürden zu überwinden. Vor allem finanzielle: Zunächst würden dadurch die Fahrgasteinnahmen sinken – können zusätzlich durch das Schülerticket gewonnene Kunden diese Verluste ausgleichen, laute die Frage. Die Landesregierung wolle jährlich zusätzlich 20 Millionen Euro Landesgeld bereitstellen, kündigte Al-Wazir an.

Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs (CDU) nannte eine weitere Hürde: Abgelegene Schulen seien in Sorge, dass ihnen dann Schüler an attraktivere Standorte verlorengingen, da ja die Anreise mit dem Schülerticket günstig wäre.

Im Juni hatte der RMV bekanntgegeben, die Ticketpreise zum 1. Januar um durchschnittlich 1,9 Prozent zu steigern. In Frankfurt hatten Reisende in den Jahren 2015 und 2016 große Einschränkungen durch jeweils mehrwöchige Sperrungen des S-Bahn-Tunnels unter der Innenstadt hinnehmen müssen. Der RMV könne zwar nichts dafür, dass die Deutsche Bahn ihre Anlagen sanieren müsse, sagte Geschäftsführer Ringat. Gleichwohl denke man aber über eine „Goodwill-Aktion“ nach: Ticketaktionen und Aktionswochenenden seien als Dankeschön an die Kunden in Überlegung, so Ringat.

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse