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Alterssicherung: Renten-Kluft nimmt zu: Private Vorsorge wichtiger denn je

Die Renten steigen. Doch dieses Zwischenhoch täuscht: Das Rentenniveau wird langfristig sinken. Der Sozialverband VdK kritisiert eine wachsende Renten-Kluft.
Symbolbild Foto: bub (Becker & Bredel) Symbolbild
Würzburg. 

Drei Dinge sind derzeit ziemlich sicher bei der Rente: Wegen Rekordbeschäftigung, Lohnplus und guter Konjunktur dürfte der Rentenbeitrag Anfang 2018 von 18,7 auf 18,6 Prozent sinken. Die Renten dürften zum 1. Juli um rund 3 Prozent in Ost und West steigen. Und nach wenigen weiteren stabilen Jahren bei der gesetzlichen Rente dürfte die Rentenkasse noch vor 2025 stark unter Druck geraten und das Absicherungsniveau sinken. Doch was dann auf die Rentner wirklich zukommt, hängt auch vom Kurs der Jamaikapartner ab, der sich bisher nur grob abzeichnet.

Immer mehr Ältere arbeiten noch

Die Zahl der Beitragszahler steigt 2018 voraussichtlich noch einmal um 1,8 und 2019 um 1 Prozent – in den Jahren darauf nur noch um 0,4 Prozent.

clearing

Alexander Gunkel bringt es auf den Punkt. „Die geburtenstarken Jahrgänge stehen derzeit aufgrund der guten Konjunkturlage noch ganz überwiegend im aktiven Arbeitsleben und bescheren den Sozialkassen ein Zwischenhoch“, sagt der Vorstandschef der Rentenversicherung. „Diese erfreuliche Entwicklung dürfte sich jedoch in ihr Gegenteil verkehren, wenn diese stark besetzten Jahrgänge in Rente gehen und damit als Beitragszahler ausfallen.“ Nach den bisherigen Plänen sinkt das Rentenniveau bis 2031 auf 44,6 Prozent. Derzeit liegt es bei 48,2 Prozent. Die Bedeutung zusätzlicher Vorsorge rücke damit immer stärker in den Fokus, heißt es dem „Redaktions-Netzwerk Deutschland“ zufolge im Entwurf des Rentenversicherungsberichts. Die gesetzliche Rente werde künftig nicht ausreichen, um den Lebensstandard im Alter fortzuführen.

42 Euro mehr im Monat

Das spürbare Rentenplus 2018 ist also nicht viel mehr als eine Geldspritze für die derzeit rund 21 Millionen Rentner mit begrenzter Wirkung. Immerhin: Wer 45 Jahre stets ein Durchschnittseinkommen hatte und somit auf 1396 Euro Rente (West) oder 1336 Euro (Ost) kommt, kann sich über rund 42 beziehungsweise 40 Euro mehr im Monat brutto freuen. Und auch in den nächsten 15 Jahren dürften die Renten steigen, wie Gunkel betont – wenn auch mit im Schnitt 2 Prozent deutlich geringer.

Doch angesichts eines schlechteren Verhältnisses der Rente zum Lohn bei höherem Beitrag warnt Annelie Buntenbach, Co-Vorstandschefin der Rentenversicherung und Gewerkschaftsvertreterin: Das Vertrauen in der Bevölkerung in die Rente könnte Schaden nehmen.

Bereits heute sind viele von Altersarmut bedroht: Geringverdiener, Solo-Selbstständige, Menschen mit Erwerbsminderung. Hier verheißen Zwischenstände der Jamaika-Sondierung Verbesserungen – wenn Form und Größenordnung auch noch unklar sind. So könnten Selbstständige etwa generell in die Rentenversicherung eintreten müssen – oder die Wahl für eine Art der Altersvorsorge behalten. Geringverdienern könnte mit einem regional unterschiedlichen, prozentualen Zuschlag über die Grundsicherung geholfen werden. Bei Erwerbsgeminderten könnten Abschläge abgesenkt werden. Allerdings dürften dann mehr Menschen versuchen, diese Option zu ergreifen, was mehr Gutachten und Gerichtsstreitigkeiten zur Folge hätte.

Der Sozialverband VdK begrüßte die Ankündigung. Dennoch starteten immer mehr Menschen mit sehr niedrigen Bezügen ins Rentnerleben, erklärte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Insbesondere Erwerbsminderungsrentner lebten wegen der hohen Abschläge oft an der Armutsgrenze. Auch viele Frauen seien von Altersarmut betroffen. „Die Schere geht immer weiter auseinander, die Renten-Kluft nimmt zu“, sagte sie. Zudem kritisierte sie das weiter sinkende Renteniveau. Diese Talfahrt müsse gestoppt und das Rentenniveau perspektivisch auf 50 Prozent angehoben werden.

Flexibles Einstiegsalter

Ein Ziel, das die Jamaika-Partner eint, war laut deren Programmen schon im Wahlkampf absehbar: Eine weitere Flexibilisierung des Renteneintritts. Die große Koalition hatte mit dem Flexirenten-Gesetz vorgelegt. Teilrente und Teilzeit wurden etwas besser kombinierbar – doch ist das immer noch zu kompliziert und unattraktiv, wie Kritiker meinen. Hier könnte es zu einer viel größeren Aufweichung des festen Rentenalters kommen. Dass die Menschen möglichst auch privat und betrieblich vorsorgen sollen – an diesem Ratschlag dürften die Jamaika-Partner festhalten. Die Rentenversicherung will hier mehr Transparenz schaffen: 2018 soll ein erster Schritt gemacht werden beim Ziel, eine einzige Übersicht über die zu erwartenden Bezüge aus allen drei Formen der Altersvorsorge auszugeben.

(dpa,epd)

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