Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 26°C

Warum die Flugsicherung das neue Routensystem über dem Rhein-Main-Gebiet ablehnt: Ringen um weniger Fluglärm

Von Nicht nur die Montagsdemonstrationen am Frankfurter Flughafen sind sechs Jahre nach Inbetriebnahme der Nordwest-Landebahn nicht verstummt. Weit weg vom Flughafen ist manch ein Anwohner auch heute noch genervt, weil „neuerdings“ anfliegende Maschinen über seinen Kopf brummen. Das allerdings wird sich auch nicht ändern, hat nun die Flugsicherung entschieden.
Die 200. Montagsdemonstration gegen Fluglärm Bilder > Foto: Heike Lyding Die 200. Montagsdemonstration gegen Fluglärm
Frankfurt/Bad Vilbel. 

Wer im Rhein-Main-Gebiet dem Fluglärm entgehen will, für den lohnt sich ein Ausflug Richtung Norden, in die Wetterau und den Vogelsberg. Mit jedem Kilometer ins Grüne wird es auch am Himmel ruhiger. Zwar verläuft eine Abflugroute hier entlang. Doch das Dauerdröhnen in der Luft wie rund um den Frankfurter Flughafen ist den Besuchern in Ebbelwei-Wirtschaften von Friedberg oder Karben genau so wenig geläufig wie asiatische Touristenhorden. Heile Welt eben.

Ginge es nach dem Main-Kinzig-Kreis oder auch Politikern aus dem Raum Aschaffenburg, wäre es mit der Beschaulichkeit nördlich Frankfurts bald vorbei. Ein anderes, für sie leiseres Anflugverfahren für den Airport namens „Point-Merge“ fordern sie seit vielen Jahren. Erfolgreich haben die Politiker 2012 die Forderung im Maßnahmenkatalog der Frankfurter „Allianz für den Lärmschutz“ der hessischen Landesregierung untergebracht.

Die bisherige Route

Sogar schon ein Jahr vorher hatte die Deutsche Flugsicherung mit der Inbetriebnahme der Nordwestlandebahn damit begonnen, das neue Verfahren für Frankfurt zu prüfen. Bisher fliegen Flugzeuge im Anflug zunächst entgegen der Endanflugroute, bis auf dieser Platz für sie ist. Dann geht es in einer 180-Grad-Kurve auf den Gleitpfad zur Landebahn. Vorteil: Ist viel los, können die Lotsen die Maschinen flexibel 30, 40, 50 Kilometer weit erstmal vom Flughafen wegfliegen lassen, bevor sie sie zur Perlenschnur zusammenfügen.

Beim „Point-Merge“-Verfahren dagegen fliegen die Maschinen schon weiter vom Flughafen weg und in größerer Höhe auf eine vorgegebene Halbkreisbahn. Ist absehbar Platz für ein Flugzeug im Endanflug, geht die Maschine in konstanten Sinkflug zu einem fixen Treffpunkt (den „Point-Merge“). Von dort führt eine fest definierte Flugbahn wiederum auf die Endanflugroute. Diese Treffpunkte am Himmel würden, so hat es die Flugsicherung geplant, südwestlich und nördlich von Langenselbold liegen.

Unterschiede bei der Entschädigung für Fluglärm

Zu viel Bürokratie sei nötig, damit die Fluglärmgeplagten im Frankfurter Süden Geld für den Schallschutz an ihren Häusern erhalten, klagen die Fluglärmgegner.

clearing

Wer direkt östlich von dort wohnt, wäre der große Gewinner des neuen Verfahrens: Deutlich weniger Flugzeuge wären hier am Himmel. Also auch über der Kreisstadt Gelnhausen. 400 000 Menschen hätten weniger Fluglärm, ergibt die Studie der Flugsicherung. Auch im rheinland-pfälzischen Raum Bad Kreuznach würden die Bewohner das spüren.

Viele Verlierer

Die Zahl der Verlierer wäre indes ungleich höher. Etwas mehr als eine Million Menschen hätten laut DFS mit „Point-Merge“ neu Fluglärm zu ertragen. Besonders massiv träfe es Aschaffenburg, dazu die gesamte Wetterau, den Taunus nordwestlich von Bad Soden und Wiesbaden sowie den Raum Bad Homburg. Der südwestliche Vogelsberg läge unter einen Fluglärmteppich, der westliche Rheingau-Taunus-Kreis und der südliche Kreis Limburg-Weilburg. Ebenso die Untermain-Region und der Spessart bis nach Lohr und Gemünden.

So wäre die Einführung des neuen Anflugverfahrens ein riesiger Schritt zur „Demokratisierung des Fluglärms“ geworden – rund 15 Jahre, nachdem Offenbachs damaliger Oberbürgermeister Gerhard Grandke (SPD) dieses Unwort prägte. Einige politische Diskussionen dürften daher nun folgen. So ist es keine Überraschung, dass sich die Flugsicherung nun heraushält und auf Anfrage erstmal gar nichts sagt zu ihrer Entscheidung, „Point-Merge“ für Frankfurt einzustampfen. Ihr Sprecher Christian Hoppe verweist nur auf die Sitzung der Fluglärmkommission am 21. Juni.

Ohnehin ist die Fluglärmfrage für die DFS nicht das entscheidende Argument für ihr Nein zum neuen Verfahren. Sie beruft sich in ihrem Schreiben an die Kommissionsmitglieder allein auf Sicherheitsbedenken und Kapazitätsprobleme. Der seit etwas mehr als einem Jahr laufende nächtliche Probebetrieb von „Point-Merge“ am Leipziger Flughafen habe gezeigt, dass die Abwicklung der Flüge durch den Trichter einen sehr großen Luftraum benötige.

Den gibt es in Rhein-Main nicht: Nach oben begrenzen verhältnismäßig niedrige Überflüge von auf Nachbarflughäfen startenden und landenden Maschinen die Möglichkeiten. Seitlich grenzen die Lufträume der Nachbarflughäfen sowie ein großer militärischer Übungsluftraum über Rheinhessen die Frankfurter Lufthoheit.

Starr und schwerfällig

Der Leipziger Testbetrieb habe außerdem offenbart, dass das neue Verfahren sehr starr und schwerfällig sei. Bei einem in Frankfurt häufigen starken Verkehrsaufkommen könne es nicht verlässlich eingesetzt werden, erklären die Fachleute. Denn wenn mehr Flugzeuge landen wollten als in die Trichter passten, müssten die Maschinen in zusätzliche, vorgeschaltete Warteschleifen geschickt werden. Was auch bedeutet: In diesem Moment stiege die Arbeitsbelastung für die Fluglotsen sprunghaft an. Das sieht die DFS „mit unseren Sicherheitsanforderungen nicht vereinbar“.

Solche Probleme verhindert das heutige System: Statt lange im Kreis zu fliegen, sind Flieger so lange im Gegenanflug, bis genug Platz für sie im Endanflug ist und die Lotsen sie wenden lassen. So kann ein Flug von Madrid nach Frankfurt die Passagiere durchaus zunächst bis Bad Orb im Spessart führen.

„Wir müssen ernüchtert konstatieren, dass sich einige unserer Hoffnungen leider nicht erfüllt haben“, erklärt die Flugsicherung. Zumal „Point-Merge“ auch Folgen hätte für die Abflüge, die grundsätzlich viel lauter sind als Anflüge.

Die Abflug-Flugrouten müssten um die riesigen Anflugtrichter herumgeführt werden. Das Abflugroutensystem aber sei heute „gut austariert“ und lege „größtmögliche Sorgfalt auf akkurate Streckenführung um flughafennahe“ Siedlungen herum, erinnert die Flugsicherung. Wenn etwa die Jumbos nach Nordamerika genau zwischen den Frankfurter Stadtteilen Seckbach und Bergen-Enkheim entlangflögen. Die Frankfurter Abflugverfahren noch komplizierter zu machen, sei aus Gründen der Sicherheit „nicht mehr vertretbar“.

dfg f dgh tg

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse