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Leuschner-Medaille: Roland Koch trotzt den Protesten

Von Die höchste Auszeichnung des Landes Hessen für Roland Koch wird von Protesten überschattet. Doch der ehemalige Ministerpräsident gewinnt dem Streit auch Positives ab.
Bouffier (rechts) ehrt Koch. Foto: Boris Roessler (dpa) Bouffier (rechts) ehrt Koch.
Wiesbaden. 

. Roland Koch machte aus der Not eine Tugend. Während draußen etwa 200 Demonstranten heftig gegen ihn als Träger der Wilhelm-Leuschner-Medaille demonstrieren, lobt er beim Festakt in den Wiesbadener Kurhaus-Kolonnaden seinen Nachfolger Volker Bouffier (beide CDU) für die Verleihung der höchsten Auszeichnung des Landes Hessen: Das habe ihm ja nicht nur Zustimmung eingebracht, aber immerhin werde der Leuschner-Medaille jetzt endlich wieder viel öffentliche Aufmerksamkeit zuteil, sagt er.

Selten war ein Preisträger so umstritten wie Koch, der die Auszeichnung zusammen mit der amtierenden Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und dem langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Salomon Korn, entgegennimmt.

Bereits eine Stunde vor Beginn der Verleihung ziehen etwa 200 Demonstranten auf der Wiese schräg gegenüber des Gebäudes auf. Zu der Kundgebung von Gewerkschaften, Linken und weiteren Organisationen kommen sie mit Schildern wie „Keine Ehre für Schwarzgeld“ oder „Keine Ehre für Sozialabbau“. Die Redner greifen Koch vor allem wegen seiner Rolle in der CDU-Schwarzgeldaffäre, bei der Kampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft 1999 sowie seiner Sozialpolitik an und bezeichnen ihn als Spalter.

„Roland Koch hat die Wilhelm-Leuschner-Medaille nicht verdient“, ruft die hessische GEW-Vorsitzende Maike Wiedwald aus. Und der Vorsitzende der Martin-Niemöller-Stiftung, Michael Karg, zeigt sich „verärgert“, dass dieser als Preisträger in eine Reihe mit Widerstandskämpfern wie Niemöller oder Eugen Kogon gestellt werde.

Drinnen im Saal gruppieren sich die drei Preisträger zum Gruppenbild rings um Bouffier, der als Ministerpräsident alleine über die Preisträger entscheiden darf: Zypries und Korn in Blickrichtung rechts von ihm, Koch mit der Enkelin Wilhelm Leuschners auf der anderen Seite. Zwar geht bei dem Festakt niemand direkt auf die Demonstranten draußen ein. Doch der Streit um den Preisträger Koch beherrscht auch die Laudatio sowie die Danksagung des Geehrten. Bouffier betont, auch wenn Entscheidungen seines Amtsvorgängers umstritten waren, gehe es doch um das Lebenswerk eines Menschen, der sich um die Demokratie Verdienste erworben habe. Er erinnert daran, dass Koch gegen viele Widerstände den Dalai Lama empfangen und ihm eine Bühne für das Leid der Menschen in Tibet gegeben hat. Zudem habe er die Gleichstellung homosexueller Beamter veranlasst und „mutige Reformen“ in Angriff genommen.

Auch Koch geht in die Defensive bei der Veranstaltung, die aus Protest gegen ihn von der Linken boykottiert wird und zu der SPD und der CDU-Koalitionspartner Grüne nur je einen Teilnehmer geschickt haben. Er räumt ein, dass sich an vielen seiner Handlungen „noch heute die Geister scheiden“. Ihm sei es aber immer nur um die Sache gegangen und nicht darum, jemandem persönlich Wunden zuzufügen. Und Koch lässt sich über langweilige Wahlkämpfe und Parlamentsdebatten aus, die die Menschen längst nicht mehr fesselten. „Demokratie muss spannend bleiben“, fährt er fort, dazu gehöre eben auch die Zuspitzung.

Bei all dem Streit um Koch kommen die beiden anderen Preisträger fast ein bisschen zu kurz. Bouffier lobt die in Nordhessen geborene und jetzt in Darmstadt lebende Sozialdemokratin Zypries für Pragmatismus, Pflichterfüllung und Kontinuität. Nicht nur als Deutschlands erste Bundeswirtschaftsministerin habe sie Männerdomänen erobert. Zypries selbst wirbt – ganz anders als Koch – gerade für Kompromisse in der Politik. Die seien besser als der Hass an den politischen Rändern. Und Salomon Korn, der auch einige Jahre Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland war, fällt mit einem humorvollen Beitrag positiv auf. Er erinnert an Mark Twains Satz, eine Rede müsse gut anfangen und gut enden, und dazwischen dürfe nicht zu viel Zeit liegen. Korn hält sich daran.

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