Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Auftritt von Kollegah und Farid Bang genehmigt: Rüpel-Rapper beim Hessentag

Die Debatte um den Auftritt der Deutsch-Rapper Kollegah und Farid Bang auf dem Hessentag 2017 hat ein Ende: Gestern Abend stimmte das Rüsselsheimer Stadtparlament für die Durchführung des Konzerts.
Der deutsche Musiker und Rapper Kollegah (bürgerlich Felix Antoine Blume) bei einem Konzert in Köln. Foto: imago stock&people Der deutsche Musiker und Rapper Kollegah (bürgerlich Felix Antoine Blume) bei einem Konzert in Köln.
Rüsselsheim. 

Das geplante Konzert zweier Rapper auf dem Hessentag sorgte in den vergangenen Wochen in der Rüsselsheimer Stadtpolitik für großen Ärger. Gestern Abend nun stimmten die Stadtverordneten nach einer hitzigen Debatte für die Durchführung des Konzerts.

Damit der Hessentag attraktiver für eine jüngere Zielgruppe wird, hatte das Planungsbüro des Hessenfestes die Rüsselsheimer Jugendlichen gefragt, welche Musiker sie denn gerne auf der Bühne sehen würden. Das Votum fiel eindeutig aus: Kollegah und Farid Bang. Die beiden Deutschrapper sind erfolgreich, wie derzeit nur wenige andere Pop-Musiker des Landes. Das Problem allerdings sind die Texte der beiden Rapper – die gelten nämlich als homophob, frauenfeindlich, sexistisch und gewaltverherrlichend. Kollegah musste sich bereits vor Gericht wegen einer Körperverletzung verantworten, ein gemeinsames Album der beiden Rapper wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert.

Dennoch buchte das Planungsbüro des Hessentages beide Musiker für eine Rap-Night auf dem Hessentag. Erst durch eine Berichterstattung dieser Zeitung fielen dem Magistrat der Stadt die umstrittenen Texte der Rapper auf. Nur wenige Tage nachdem der Vorverkauf für die Rap-Night gestartet war, erwirkte der Magistrat einen sofortigen und zumindest vorläufigen Stopp des Ticketverkaufs. Es gebe da noch ein paar Fragen zu klären, hieß es aus dem Gremium.

<span></span>
Kommentar: Wenn Politiker auf jugendlich machen

Als der Rüpel-Rapper Bushido 2012 ein Praktikum beim schwäbischen CDU-Bundestagsabgeordneten Christian Freiherr von Stetten absolvierte, hagelte es von allen Seiten Hohn und Spott.

clearing

Die Wellen schlugen daraufhin hoch, aus den Fraktionen hagelte es lautstark Kritik am Planungsbüro: „Es ist zweifelhaft, ob solche Leute, die bereits mit dem Gesetz in Konflikt kamen, für eine Veranstaltung auf einem hessischen Landesfest engagiert werden müssen“, ließ die SPD verlauten.

Die Frage wurde laut, ob man mit Steuergeldern solche Musiker unterstützen wolle und ob der Hessentag eine geeignete Bühne für Kollegah und Farid Bang ist. Es wurde über Kunstfreiheit und Zensur diskutiert, Streit brandete innerhalb der Fraktionen auf. Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU), der sich zum Zeitpunkt der aufkeimenden Debatte auf Dienstreise befand, befürchtete gar einen „großen Image-Schaden“ für die Stadt.

Verschiedene Mandatsträger unterschiedlicher Fraktionen formulierten schließlich einen gemeinsamen Antrag, in dem sie fordern, das Konzert wie geplant durchzuführen und den Vorverkauf unverzüglich wieder aufzunehmen.

Gestern Abend nun wurde im Rüsselsheimer Stadtparlament über den Antrag abgestimmt. Das Medieninteresse war enorm. Zuvor hatten sich einige Jugendliche vor dem Rathaus versammelt, um für die Durchführung des Konzerts zu demonstrieren.

Es entspann sich eine hitzige Debatte: Noch einmal fragte etwa Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne): „Wir werben an Schulen für Gleichstellung. Ich frage mich, ob das nur Sonntagsreden sind, wenn wir nun diese beiden Rapper nach Rüsselsheim einladen?“ Nicolas Kantopoulos-Kestelidis von der SPD sprach sich für den Auftritt der beiden Rapper aus: „Auch diese Musik spiegelt Rüsselsheim wider.“ Dem pflichtete auch Burghardt bei: „Auch das gehört zu Rüsselsheim.“ Er respektiere den Wunsch der jungen Menschen.

Nach einer rund einstündigen Debatte stimmten die Abgeordneten mit 28 Ja-Stimmen dem interfraktionellen Antrag zu. Dazu legte sich das Parlament darauf fest, den Gewinn des Konzerts an präventive Einrichtungen weiterzureichen.

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse