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Bildungsstudie „Chancenspiegel“:: Schlechte Bedingungen für Migranten

Von Hessen landet bei der Bildungsstudie der Bertelsmann-Stiftung nur im Mittelmaß. Das habe viel mit den schlechten Startbedingungen von Migranten-Kindern zu tun, heißt es im Kultusministerium.
Symbol Foto: Julian Stratenschulte (dpa) Symbol
Wiesbaden. 

Das hessische Schulsystem hat beim Chancenspiegel 2017 der Bertelsmann-Stiftung in der Regel nur durchschnittliche Bewertungen erhalten. Im Wiesbadener Kultusministerium möchte man die Kritik bei den Themen „Inklusion“ und „Kompetenz“ aber nicht auf sich sitzen lassen.

„Die hessischen Schulen arbeiten mit großem Engagement und Erfolg daran, die unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen, welche die Schüler bereits in die Grundschule mitbringen, auszugleichen“, so Ministeriumssprecher Stefan Löwer. Bezogen auf junge Migranten liege deren schulische Leistung sowie Bildungserfolg noch immer hinter denen ihrer Mitschüler ohne Migrationshintergrund zurück.

Diese Unterschiede seien vor allem das Ergebnis erheblich schlechterer Startbedingungen, da junge Migranten im Durchschnitt aus Elternhäusern mit geringerer Bildung und mit geringerem Einkommen stammten und zu Hause oft eine andere Sprache als Deutsch sprechen würden, was bereits den Schulstart erschwere. Hessen steuere hier mit „erheblichen Anstrengungen“ dagegen und habe zum Beispiel bereits vor mehr als 15 Jahren sogenannte Vorlaufkurse eingerichtet, die dazu dienten, alle Kinder, die bei der Anmeldung zur Einschulung noch nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügten, so zu fördern, dass sie sich von Beginn an in der ersten Klasse mit Lehrkräften und Mitschülern verständigen und dem Unterricht folgen können. Hessen als Flächenland mit dem höchsten Anteil junger Migranten stehe hier vor einer besonderen Herausforderung.

Sozialer Hintergrund

Darüber hinaus zeigten aktuelle Leistungsstudien, dass junge Migranten schulisch immer weiter aufholten, der verbleibende Rückstand seine Ursache aber vor allem in dem im Durchschnitt schwierigeren sozialen Hintergrund habe. Migranten und Nicht-Migranten gleicher sozialer Herkunft unterschieden sich in ihrem schulischen Bildungserfolg dagegen kaum noch, so der Ministeriumssprecher weiter.

Die schlechte Bewertung beim Thema Inklusion kann im Ministerium nicht nachvollzogen werden. „Das wird auch von den Daten der Studie selbst nicht gedeckt“, sagt Löwer. Auch der „Chancenspiegel“ weise nach, dass Hessen zum Beispiel seit 2002 kontinuierlich einen der geringsten Anteile von Förderschülern im Ländervergleich habe. Zum Thema Inklusion verwende der „Chancenspiegel“ Zahlen, die zwischen den Bundesländern nicht vergleichbar seien, und käme so zu falschen Einschätzungen. Im Unterschied zu anderen Ländern erfolge in Hessen die individuelle Förderung im Rahmen der Inklusion zumeist präventiv, so dass ein sonderpädagogischer Förderbedarf erst gar nicht festgestellt werden muss. „Diese Schüler fließen dann auch nicht in die vom Chancenspiegel gezählten Förderschüler ein. Ein Vergleich der Inklusionsquoten und Exklusionsquoten zwischen den Ländern, wie ihn der Chancenspiegel vornimmt, kommt daher zu falschen Ergebnissen“, argumentiert Löwer.

Hessen bewege sich sowohl im Bereich der Ganztagsschul-Entwicklung als auch der Ganztagsschüler-Entwicklung nach den Erkenntnissen des „Chancenspiegels“ jeweils in der mittleren Gruppe der Bundesländer und verzeichne in beiden Bereichen eine stetige Zunahme, die leicht unter dem Mittelwert der Bundesländer liege, sich aber durchweg positiv entwickele, zwischen 2004/2005 bis 2011/2012 sogar dynamischer steige.

Dies decke sich mit der Einschätzung des Kultusministeriums, dass der Ausbau ganztägiger Angebote in Hessen auf einem guten und kontinuierlichen Weg ist. Das Ministerium geht davon aus, dass die von der Studie (noch) nicht erfassten Jahre 2014 bis 2016 aller Voraussicht nach für Hessen einen weiteren dynamischen Anstieg zeigen werden, da in den vergangenen beiden Jahren pro Jahr doppelt so viele Landesressourcen in den Ausbau ganztägiger Angebote investiert wurden, als dies in den Jahren zuvor der Fall gewesen sei.

Hoher Anteil

Bei der Bewertung der Ergebnisse von Leistungsstudien sei zu berücksichtigen, dass Hessen von allen Flächenländern den höchsten Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund und nichtdeutscher Familiensprache habe. „Die hessischen Schulen müssen daher deutlich größere Anstrengungen unternehmen als Schulen in anderen Ländern, um zu besseren Lernergebnissen zu kommen“, erklärt Löwer. Diese besondere Ausgangslage berücksichtige der „Chancenspiegel“ leider nicht. Gemessen daran leisteten die hessischen Schulen hervorragende Arbeit.

Die Stärkung des kompetenzorientierten Unterrichts in der Grundschule sei ein besonderes Anliegen seitens des Hessischen Kultusministeriums. Das künftige Fortbildungs- und Beratungsangebot für Schulen zum Themenbereich Lesen-Schreiben-Rechnen solle „mit hoher Priorität kompetenzorientierte Unterrichtsentwicklung fördern und stärken“. Dabei soll die Kompetenzorientierung unter anderem stärkenorientiert und ressourcenorientiert sein. Für fachfremd unterrichtende Lehrkräfte in Mathematik und Deutsch würden in diesem Zusammenhang einjährige Fortbildungsmaßnahmen angeboten.

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