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Automobilbranche: Schwieriger Spagat bei IAA in Frankfurt

Von Elektromobilität und autonomes Fahren – die Autobranche blickt auf der IAA weit in die Zukunft. Zu weit? Für den Otto Normalverbrauher gibt es auch Neuheiten fürs Hier und Jetzt.
Eine Hallenübersicht von Jaguar, Land Rover und Ferrari, aufgenommen am 13.09.2017 bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main (Hessen). Foto: Uli Deck (dpa) Eine Hallenübersicht von Jaguar, Land Rover und Ferrari, aufgenommen am 13.09.2017 bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main (Hessen).
Frankfurt. 

Es wirkt schon etwas bizarr. Wer einen Besuch auf der heute beginnenden Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) auf dem Frankfurter Messegelände plant, muss nach der ganzen Vorberichterstattung den Eindruck bekommen, es würden ihm dort nur die Autos der Zukunft gezeigt. Der fernen Zukunft wohlgemerkt.

Bei VW etwa steht ein elektrischer VW Bulli mit der etwas holprigen Bezeichnung I.D.Buzz, der tatsächlich für 2022 versprochen ist. Bei Renault fällt die futuristische Symbioz-Studie auf, die man sich nach 2025 vorstellen könnte, die so aber gewiss niemals kommen wird. Und bei Smart gibt die „Vision EQ“, die als rollende Zweiersitzbank ohne Lenkrad und Pedale für die höchste Form des autonomen Fahrens nach dem sogenannten Level 5 steht, eher einen Ausblick auf das Jahr 2030. Drei Beispiele nur für eine ganze Flut von Konzeptfahrzeugen, die ferner denn je in der Zukunft angesiedelt sind, in den Diskussionen rund um die Automesse aber schon heute die Hauptrolle spielen. Es geht hier nicht um die Autos von morgen, sondern um die Autos von übermorgen. Und da entführt uns die Branche gern in eine heile Zukunftswelt, in der die Fahrzeuge allesamt sauber und leise mit Elektroantrieb fahren, komplett vernetzt sind und möglichst auch voll automatisiert fahren. Keine Staus, keine Unfälle, keine Probleme. Schön wär’s.

Eine Hallenübersicht von Jaguar, Land Rover und Ferrari, aufgenommen am 13.09.2017 bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main (Hessen). Vom 14. bis 24.September präsentieren Hersteller auf der weltgrößten Autoshow ihre Neuheiten. Foto: Uli Deck/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Hat die Automobilschau noch eine Zukunft? Kommentar zur Messe: Ein Indikator für die Zukunft der IAA

Es ist eine merkwürdige IAA, die heute von der Bundeskanzlerin eröffnet wird. Die Automesse ist zwiespältig und widersprüchlich. Sie lässt in ein fernes Zukunftsszenario blicken und huldigt dennoch weiter der PS-Bolzerei.

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Nachvollziehbar ist dieser Auftritt ja, denn vor allem die deutsche Autoindustrie, die durch die Diesel-Betrügereien Glaubwürdigkeit verspielt hat und einen schweren Imageschaden erlitten hat, muss sich aus dem selbst verursachten Schlamassel wieder heraus ziehen. Sie muss beweisen, dass sie für den Eintritt in das Zeitalter der Elektromobilität gerüstet ist und auch dort ihre weltweite Führungsrolle weiter verteidigen kann. Weshalb auch die Vorstandschefs an den Pressetagen nicht mit vollmundigen Ankündigungen geizten. Kritische und fordernde Worte erwartet man deshalb von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die heute Vormittag die Ausstellung offiziell eröffnen wird. Schließlich muss sie 10 Tage vor der Bundestagswahl am letzten Ausstellungstag (24. September) den Anschein zu enger Kumpanei vermeiden.

Die Konzentration auf allzu ferne Technik birgt aber auch die Gefahr, die Bodenhaftung zu verlieren.

Futuristische Unikate

Auch die politische Dimension, ist größer als bei jeder anderen IAA zuvor. Mit der zusätzlichen Brisanz der Bundestagswahl am letzten Ausstellungstag (24. September) ist der Erwartungsdruck der Politik eher noch größer geworden. Fordernde Worte erwartet man deshalb von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die heute Vormittag die Ausstellung offiziell eröffnen wird.

Natürlich muss sich eine Autoshow, die sich als internationale Leitmesse versteht, zukunftsorientiert darstellen. „Wir haben die IAA konsequent zu einer Mobilitätsmesse weiterentwickelt“, erklärt dazu Matthias Wissmann, der Präsident des veranstaltenden Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Aber ist es das, was der Besucher, der lange Reisewege aus allen Ecken Deutschlands auf sich nimmt, tatsächlich will? Liegt sein Hauptaugenmerk wirklich auf den futuristischen Unikaten? Ist es vielleicht gar so, wie Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen sagt: „Die Zeit der klassischen Automessen ist vorbei.“

Der VDA hat vor zwei Jahren festgestellt, dass 60 Prozent aller IAA-Besucher einen Neuwagenkauf plane und sich entsprechend informieren wolle. Diese Bedürfnisse bedient die aktuelle Messe mit über 200 Neuheiten trotz aller Absagen renommierter Marken und trotz der Überlagerung durch die Zukunftsthemen. Bestes Beispiel sind die einmal mehr im Mittelpunkt stehenden „Essjuwies“, die besonders im Kompaktformat mit dem VW T-Roc, Opel Grandland X, Seat Arona, Skoda Karoq, Kia Stonic, Hyundai Kona, Citroën C3 Aircross und Jaguar E-Pace gleich eine ganze Armada an Weltpremieren auffahren.

Bessere Vergleichsmöglichkeiten als auf der Automesse bieten sich nirgends. Zwar sagt Branchen-Experte Stefan Bratzel von Center of Automotive Management: „Im Internet-Zeitalter muss heute kein Kaufinteressent mehr zu einer Messe gehen.“ Sehen, fühlen, riechen – Sitzproben lässt das Internet aber nicht zu. Ob das heute noch wichtig ist, wird die Besucherresonanz der größten Automesse in Europa zeigen.

Mehr auf den Seiten 2, 5 und in der Beilage

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