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Bundestagswahl: Schwieriger Wahlsieg für die Union

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Dämpfer. Die Kanzlerin beansprucht die Führung weiter für sich. Die CSU ringt um Fassung.
Anhänger der Union verfolgen in Berlin, wie Parteichefin Merkel sich zum Wahlergebnis äußert. „Voll muttiviert“ richtet sich an sie. Foto: stefan zeitz (imago stock&people) Anhänger der Union verfolgen in Berlin, wie Parteichefin Merkel sich zum Wahlergebnis äußert. „Voll muttiviert“ richtet sich an sie.
Berlin/München. 

Nur nicht zu siegesgewiss sein. Das hatten sie sich in der Union geschworen. Dann das Ergebnis, das bei der Union einschlägt wie Blitz. Auf das schlechteste Ergebnis in der zwölfjährigen Ära Angela Merkel rutschen CDU und CSU am Sonntag in Hochrechnungen ab. Für die CSU ist es gar das schlechteste Bundestagswahlergebnis seit 1949. Trotzdem meldet die Union als klar stärkste Kraft schnell wieder ihren Regierungsanspruch an. Doch wie unangefochten kann Merkel Kurs auf eine vierte Amtszeit nehmen?

Als die Kanzlerin eine Dreiviertelstunde nach der ersten Prognose ins Foyer das Konrad-Adenauer-Hauses kommt, branden rhythmische „Angie“-Rufe auf. „Natürlich hatten wir uns ein wenig ein besseres Ergebnis erhofft“, lautet Merkels Beschreibung für das herbe Minus. Mit ihr stehen mehrere CDU-Spitzenleute auf dem Podium. Aber es ist natürlich gar kein Vergleich mit dem ausgelassenen Jubel vor vier Jahren, als die Union mit 41,5 Prozent triumphierte. „An Tagen wie diesen“, tönte aus den Lautsprechern. Damals.

Wahlkampf zu defensiv?

Die herben Verluste verdunkeln nun abrupt die Stimmung. War Merkels gewohnter Titelverteidiger-Wahlkampf diesmal zu defensiv? War es die Flüchtlingspolitik, die zu viele in den eigenen Reihen von der Kanzlerin entfremdete? Dabei hatte das Reizthema lange keine sehr prominente Rolle im Wahlkampf gespielt. Die Kanzlerin sprach meist nur davon, dass sich „das Jahr 2015“ nicht wiederholen solle. Bei großen Kundgebungen schlugen ihr teils wütende Proteste entgegen. Auch aus Gruppen, die zu „Hau-ab“-Rufen Plakate der AfD schwenkten.

In ersten Erklärungsversuchen verweisen CDU-Politiker darauf, dass die Wahl vielen Anhängern entschieden schien, so dass sie zu Hause blieben. Merkel will aber doch festhalten, dass das strategische Ziel erreicht sei: Dass gegen die Union nicht regiert werden kann. Und das sei nach zwölf Regierungsjahren nicht selbstverständlich.

Nach der Aussage der SPD, in die Opposition gehen zu wollen, bleibt eigentlich nur eine Jamaika-Konstruktion mit Grünen und FDP. Diese wäre inhaltlich schwierig.

Und dann ist da ja auch noch die CSU, mit der sich Merkel auf neuer Basis zusammenfinden muss. Im Wahlkampf hielt die mühsam gefundene Eintracht, nachdem CSU-Chef Horst Seehofer in Sachen Asyl zuvor bittere Kämpfe ausgefochten hatte. Nun aber brodelt es bei den Bayern.

Für Seehofer steht fest: Wenn er zu den Koalitionsverhandlungen nach Berlin fährt, sollten sich alle anderen warm anziehen. Er werde keine „falschen Kompromisse“ akzeptieren und alles geben, um die Inhalte des Bayernplans durchzusetzen, betont er und erntet dafür „Bravo, bravo“-Rufe in der Münchner CSU-Zentrale. Seine erste Analyse für die „herbe Enttäuschung“: Man hatte eine „Flanke auf der rechten Seite, eine offene Flanke“. Diese müsse nun geschlossen werden „mit klarer Kante und klaren politischen Positionen“.

Im Klartext heißt dies: Auf eine wie auch immer geartete Kompromissbereitschaft der CSU etwa beim Dauerstreitthema Obergrenze sollte niemand hoffen. Auch beim Personalpoker dürfte Seehofer nun noch vehementer als ohnehin auf das Bundesinnenministerium pochen.

Doch Seehofer ist schon zu lange im Geschäft, als dass er nicht weiß, dass nun auch die Jagd auf seine Person begonnen hat. Gerade in der CSU kann die Stimmung gegen einen Parteichef nach Wahlpleiten schnell umschlagen. „Wer will, kann gerne über mich diskutieren oder zu weiteren Taten schreiten“, spricht Seehofer dann auch im ersten TV-Interview nach der kurzen Rede die mögliche Personaldebatte selbst an. Niemand weiß besser als Seehofer selbst, dass er in der CSU mindestens so viele Kritiker hat wie Unterstützer, eher mehr.

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