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Cressida Dick: Scotland Yards erste Chefin

Cressida Dick Foto: Michael Crabtree (PHOTOSHOT) Cressida Dick
London. 

Als sich Cressida Dick vor drei Jahren aus dem Dienst von Großbritanniens größter Polizeibehörde, der Metropolitan Police, zurückzog, hatte sie den Wunsch begraben, jemals an der Spitze zu stehen. Mit ihrem Abschied äußerte sie in einem Interview ihren Traum, dass eines Tages eine Frau die Top-Position besetzen würde – es wäre eine „starke Botschaft“, die zeige, dass Scotland Yard „modern und repräsentativ“ ist. Nun hat sich ihre Hoffnung mit etwas Verspätung doppelt erfüllt. Die 56 Jahre alte Cressida Dick kehrt nach einem Intermezzo im Außenministerium als Chefin zur Londoner „Met“ zurück. Und ist damit in der 188-jährigen Geschichte von Scotland Yard die erste Frau, die der legendären Behörde mit ihren rund 43 000 Mitarbeitern vorsteht. Bürgermeister Sadiq Khan nannte die Entscheidung „historisch“.

Während Politiker und Kollegen ihre jahrzehntelange Erfahrung loben sowie ihre direkte Art und den kühlen Kopf, den sie sich selbst unter Druck bewahrt, gab es auch Kritik. Denn ein fatales Ereignis überschattet den sonst makellosen Lebenslauf der Karriere-Polizistin. Zwei Wochen nach den Terroranschlägen 2005 in London, bei denen 52 Menschen getötet wurden, erschossen Spezialbeamte unter Einsatzleitung von Dick den unschuldigen Brasilianer Jean Charles de Menezes. Die wohl schlimmste Panne der „Met“ fand im Rahmen der Operation Kratos statt, deren Aufgabe es war, in der damals von Nervosität aufgeladenen Atmosphäre potenzielle Selbstmordattentäter ausfindig zu machen. Die Ermittler hielten de Menezes irrtümlicherweise für ein Mitglied der Tätergruppe. Eine Untersuchung ergab zwar, dass Dick keine persönliche Schuld treffe. Trotzdem verurteilte die Familie des Opfers ihre Ernennung nun scharf.

„Cress“, so ihr Spitzname unter Kollegen, ist als Tochter eines Akademikerehepaars in Oxford aufgewachsen und hat am dortigen renommierten Balliol College Land- und Forstwirtschaft studiert. 1983 trat sie als „Bobby“, wie die britischen Polizisten mit den glockenförmigen Helmen genannt werden, in die Behörde ein und ging zunächst auf Streife in London. Ihr Talent fiel schnell auf und so wurde sie 1993 in ein Förderprogramm aufgenommen, was ihr schon kurz darauf ihre erste Führungsrolle bescherte. Im Jahr 2001 legte sie eine Karrierepause ein, um sich in einem Master-Kurs für Kriminologie weiterzubilden. Sie schloss als Beste ihres Jahrgangs ab und kehrte als „Commander“ zur Polizei zurück.

Unter Fachleuten gilt sie als eine der talentiertesten Ermittlerinnen ihrer Generation. Zudem als jemand, der sich nicht davor drückt, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen. So meinte sie etwa einmal, dass es unwahrscheinlich sei, dass die Polizei jemals frei von Rassismus sein würde. Ihre Äußerungen folgten auf eine schlampige polizeiliche Aufklärung eines Mordes an einem schwarzen Teenager, dessen Fall sie neu aufrollen ließ.

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