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Seehofer sieht die Schuld bei Söder - und will weitermachen

Freund, Feind, Parteifreund: Die Niederlage bei der Landtagswahl ist noch nicht besiegelt, da streiten sich Horst Seehofer und Markus Söder schon über die Schuldfrage. Der CSU-Chef und Bundesinnenminister sieht sich auf einer Mission.
Innenminister Horst Seehofer und sein Parteikollege Verkehrsminister Andreas Scheuer in der CSU-Parteizentrale in München. Foto: Matthias Balk Innenminister Horst Seehofer und sein Parteikollege Verkehrsminister Andreas Scheuer in der CSU-Parteizentrale in München.
Berlin/München. 

Eine Woche vor der Landtagswahl in Bayern ist zwischen CSU-Chef Horst Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder offener Streit über die Ursache der schlechten Umfragewerte der Partei entbrannt.

Nachdem Söder vor allem die Bundespolitik dafür verantwortlich gemacht hatte, spielt Seehofer den Ball nun zurück nach München. Außerdem kündigte er an, nach der Wahl an seinen Ämtern als Bundesinnenminister und CSU-Vorsitzender festhalten zu wollen.

„Ich habe mich in den letzten sechs Monaten weder in die bayerische Politik noch in die Wahlkampfführung eingemischt”, sagte Seehofer der „Süddeutschen Zeitung” (Samstag). „Das ist das persönliche Vorrecht des Ministerpräsidenten Markus Söder. Er ist zuständig für strategische Überlegungen im Wahlkampf.”

Söder hatte Seehofer im März als bayerischen Ministerpräsidenten abgelöst. Vor wenigen Tagen hatte er die große Koalition in Berlin zumindest mitverantwortlich für die schlechten Umfragewerte der CSU gemacht und dabei indirekt auch Seehofers Verhalten im Zusammenhang mit dessen Flüchtlings-Masterplan kritisiert. Bei einer Veranstaltung der „Bild”-Zeitung sagte er: „Ich gebe zu: Das waren nicht gerade unsere allergrößten Sternstunden!”

In der „Welt am Sonntag” zeigte sich Seehofer kampfeslustig und kündigte an, auch nach der Landtagswahl als Innenminister im Bundeskabinett zu bleiben. „Ich habe ein großes Werk zu verrichten”, sagte er. Er wolle, dass die Politik wieder mehr auf die Anliegen der Bevölkerung schaue und für Recht und Ordnung sorge, betonte der 69-Jährige. „Diese Mission werde ich erfüllen.” Auf die Frage, ob er nach der Bayern-Wahl auch den Parteivorsitz behalten wolle, sagte Seehofer: „Ich bin von meinem Parteitag bis zum Herbst nächsten Jahres gewählt.”

Seehofer zeigte sich zuversichtlich, dass die CSU trotz schlechter Umfragewerte bei der Landtagswahl am 14. Oktober noch gut abschneiden kann. Grundsätzlich sei eine absolute Mehrheit auch heute noch möglich. „Gegenwärtig wende ich meine ganze Kraft auf, unsere Partei zusammenzuhalten und unserem Kandidaten Markus Söder jede Unterstützung zuteilwerden zu lassen”, sagte er. „Nur vorsorglich weise ich darauf hin, dass wir in der Asylpolitik alles gemeinsam gemacht haben.”

Aktuelle Umfragen sagen der CSU massive Verluste bei der Wahl voraus. Im neuen ZDF-„Politbarometer” (Freitag) kommt sie auf 35 Prozent, im ARD-„Bayerntrend” (Donnerstag) auf 33 Prozent. Bei der Landtagswahl 2013 hatte die CSU 47,7 Prozent erreicht. Den neuen Umfragen zufolge würde die CSU nicht nur ihre absolute Mehrheit klar verfehlen. Rechnerisch wäre sogar eine Vierer-Koalition gegen die CSU möglich, auch wenn dies als unwahrscheinlich gilt.

(dpa)
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